Kleinanleger steigen ein, während der S&P auf Rekordhoch steht: Kommt der Oktober-Crash?

Der S&P 500 notiert auf Rekordhoch, während Kleinanleger über angesagte Apps einsteigen. Schwarzmaler prophezeien ein Minus von 25 % bis Jahresende, Skeptiker erinnern daran, dass…

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Kleinanleger steigen ein, während der S&P auf Rekordhoch steht: Kommt der Oktober-Crash?
Kleinanleger steigen ein, während der S&P auf Rekordhoch steht: Kommt der Oktober-Crash?

Die Szene wiederholt sich bei jedem Familienessen: Jemand, der nie über Märkte gesprochen hat, öffnet die Broker-App und erwähnt beiläufig, er habe „irgendwas“ investiert. Ein angesagter YouTuber empfiehlt eine Anlage-App, der Aktienmarkt notiert auf Allzeithoch, und der S&P 500 schließt bei 7.666 Punkten. Dann erinnert jemand an den alten Kennedy-Satz vom Schuhputzer: Wenn der Schuhputzerjunge Börsentipps gibt, verkaufe. Die Frage geistert seit 48 Tagen durch das Unterforum Börse und Investments: Kommt es im Oktober?

Einen Konsens gibt es nicht. Nicht ansatzweise. Was als Blasenwarnung begann, ist zu einem Kräftemessen geworden zwischen Schwarermalern, die einen Absturz von 25 % bis Jahresende ankündigen, und Skeptikern, die darauf hinweisen, dass wir dieselbe Prophezeiung seit einem Jahrzehnt hören. Der Index steigt derweil weiter.

Der S&P 500 bei 7.666 Punkten und der Kater nach drei Jahren Kursgewinnen

Das technische Argument liegt auf dem Tisch: **dreieinhalb Jahre in Folge mit Gewinnen**, eine annualisierte Rendite von **15 %** in den letzten fünf Jahren, während der historische Durchschnitt bei etwa 8 % liegt. Die Rückkehr zum Mittel, so heißt es, sei überfällig. Dazu kommen eine explodierende Inflation, Öl, das mit 100 Dollar liebäugelt, und Zinserhöhungen, die Anleihen gegenüber Aktien attraktiver machen.

Das am häufigsten zitierte Bärenszenario sieht ein **Minus von 25 % vor Jahresende** vor. Andere werden konkreter und zeichnen zwei Stufen: einen ersten Rückschlag von 11 % auf 6.850 Punkte und, falls es so weitergeht, einen Rückgang auf 5.900 – 23 % unter dem Hoch.

Manche gehen weiter und behaupten, die nächste große Korrektur werde „in die Geschichtsbücher eingehen“. Und wie immer im schlechtesten Moment.

Warum steigen die Zinsen und fallen die Aktien?

Die Mechanik ist ein Lehrbuchbeispiel. Steigen die Zinsen, werden Anleihen zur direkten Konkurrenz für Aktien: Eine Dividende von 5 % wirkt nicht mehr so attraktiv, wenn Anleihen ähnliche Renditen bei geringerem Risiko bieten. Die Anleger rotieren ihre Portfolios. Und die Unternehmen, mehr oder weniger verschuldet, sehen, wie die Zinsen einen Teil des Gewinns auffressen.

Das Problem, so die Pessimisten, sei, dass die 30-jährige Anleihe durch die Decke geht und der einzige Ausweg darin zu bestehen scheint, entweder die Gelddruckmaschine weiterlaufen zu lassen – mit Hyperinflation als Risiko – oder die Krise jetzt herbeizuführen. Ein Dilemma ohne bequemen Ausweg.

Die Druckmaschine, Gold und Bitcoin: Wo ist Zuflucht?

Gegen das Papier setzt die alte Garde auf physisches Gold und Silber. Und auf Bitcoin. Doch da gehen die Meinungen auseinander: **„Bitcoin und XRP sind nichts weiter als Einsen und Nullen auf einem USB-Stick oder einem Server“**, warnt die skeptischste Fraktion, die nur Metallen als Rohstoff mit schwankendem Preis einen Wert beimisst.

Der minimale Konsens, der doch erreicht wird: Mehr als ein Notgroschen für sechs bis zwölf Monate auf dem Bankkonto liegen zu lassen, ist eine gefährliche Haltung. Wie viel jeder investiert, ist eine persönliche Entscheidung, aber stillliegendes Geld verliert an Wert.

Wie viele Menschen in Spanien investieren wirklich?

Hier kommt die Nuance, die den Alarmismus entschärft. Der Großteil der Bevölkerung investiert weiterhin nicht, unter anderem, weil das Geld dafür fehlt. Wer es bis zu den angesagten Apps schafft, zahlt **300 Euro** ein und holt sie wieder raus, wenn ein neues Handy fällig ist. Die Anekdote, die das Phänomen zusammenfasst: Jemand mit 3.000 Euro auf dem Konto – Gehalt, Arbeitslosengeld oder Hilfe – fragt nach einem Börsenkurs, um mit 2.000 „abzukassieren“.

Trotzdem ist die Zahl der Anleger seit der Pandemie stark gestiegen, mit Einbrüchen bei den Broker-Registrierungen 2020. Und es gibt eine Sponsoring-Kampagne der Anlageplattformen bei YouTubern, die zumindest intensiv ist.

Der Faktor, den niemand einpreist: Indexfonds und KI

Die differenzierteste These besagt, dass der Markt fragmentiert ist. Automatische Sparpläne zahlen jeden Monat ein, egal was passiert, und das dämpft die Abstürze. Aber Indexfonds haben eine enorme Exposition gegenüber der Blase der künstlichen Intelligenz: Platzt dieser Sektor, reißt er fast alles mit.

Die echte Gefahr, so die Warnung, sei, dass Langfristanleger – auch Rentner, die von Dividenden leben – fliehen und nie zurückkommen. Ohne demografische Basis pumpt sich der Ballon nicht wieder auf.



Derweil hat der S&P 500 bei 7.666 Punkten geschlossen, und jemand hat in der Zahl ein anzügliches Signal gesehen. Die Börse eröffnet im Plus, am Ende passiert nie etwas. Bis es passiert.

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (100 Antworten).

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