Kino, das den Algorithmus überlebt: Welche fünf Filme jeder wählt

400 Antworten und keine Liste gleicht der anderen: Kubrick, Lynch und Tarkowski dominieren die fünf Lieblingsfilme aller Zeiten, doch der Konsens ist minimal.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Kino, das den Algorithmus überlebt: Welche fünf Filme jeder wählt
Fünf Filme und ein Kulturkampf: Kubrick gegen Nolan

Vierhundert Antworten und keine einzige identische Liste. Der scheinbar harmlose Auftrag —die fünf besten Filme aller Zeiten zu wählen— wurde zu einem Inventar von Geschmäckern, Hierarchien und kleinen persönlichen Racheakten, das viel darüber verrät, wie heute Filme konsumiert werden. 2001: Odyssee im Weltraum, Barry Lyndon, Mulholland Drive und Blade Runner tauchen am häufigsten auf. Keiner davon dominiert. Der Konsens, wenn es einen gibt, ist minimal.

Als Erstes fällt die Fragmentierung auf. Manche verteidigen den klassischen Kanon mit Vertigo, Die Reise nach Tokio oder Der Mann, der Liberty Valance erschoss; manche feiern den Blockbuster der Achtziger und Neunziger mit Zurück in die Zukunft, Alien oder Heat; und manche verweigern die Mitwirkung schlicht. Die Liste mit nur einem Eintrag —Fast and Furious 1 2 3 4 5— funktioniert als ironischer Kommentar zum ganzen Unterfangen. Eine andere Nachricht nennt fünf Titel, die keine Filme sind, sondern Parodien auf die Kriterien anderer: leere Filme, von den Massen bejubelt, mit Regisseuren, deren Namen cool klingen. Die Falle des Sofa-Cineasten, zusammengefasst in fünf Zeilen.

Kubrick, Lynch und das Gewicht des Kanons

Wenn es einen Namen gibt, der die Listen zusammenhält, dann ist es Stanley Kubrick. Er erscheint mit 2001, Barry Lyndon, Uhrwerk Orange, Shining und Full Metal Jacket, verteilt über verschiedene Antworten. Das ist kein Zufall: Kubrick ist der Regisseur, der der doppelten Prüfung durch den akademischen Kanon und den Heimkonsum am besten standhält. David Lynch folgt dicht dahinter mit Mulholland Drive, das in mehreren Listen auftaucht und ohne Vorbehalt als großes Werk verteidigt wird.

Das asiatische Kino hat seinen Platz, wenn auch einen minoritären: Ozus Die Reise nach Tokio, Ghost in the Shell, Dersu Uzala und Kurosawas High and Low, zitiert mit philologischer Präzision von einem Teilnehmer, der zwischen dem originalen japanischen Titel und der freien spanischen Fassung unterscheidet. Die Anekdote hat ihren Charme: Die wörtliche Übersetzung von Tengoku to jigoku lautet „Himmel und Hölle“, obwohl der Film im Englischen als High and Low bekannt ist. Das Detail ist denen wichtig, die über Filme mit Eigennamen streiten.

Tarkowski, der Wasserscheider

Der Russe taucht in mehreren Listen auf —Opfer, Der Spiegel, Andrei Rubljow— und erzeugt einen der wenigen echten Konsense des Threads: sein Kino ist kontemplativ, kryptisch und absolut nischenhaft. Die klärendste Formulierung stammt aus einem Truffaut-Zitat, das jemand hervorkramt: Es gibt Filme, die den Zuschauer schmeicheln, indem sie ihn sich intelligent fühlen lassen, und Filme, die ihn vor das Geheimnis der Welt stellen. Die Brücke am Kwai als Beispiel des ersten Typs; Tarkowski als Beispiel des zweiten. So alt die Unterscheidung ist, sie funktioniert weiterhin.

Demgegenüber wird das Plädoyer für pure Unterhaltung nicht versteckt. Fargo, Casino, Der Pate 2, Taxi Driver, Miller's Crossing erscheinen, ebenso Braveheart, die Herr-der-Ringe-Trilogie, Gladiator oder American History X. Niemand entschuldigt sich dafür. Die alte Hierarchie zwischen Autorenkino und Kommerzkino hat sich in der Praxis aufgelöst: Sie koexistieren in derselben Liste ohne sichtbare Reibung.

Die Klage über das Kino von heute

Je weiter die Nachrichten fortschreiten, wird die Übung, fünf Filme zu wählen, zu etwas anderem: einer Klage über den Zustand des zeitgenössischen Kinos. Manche behaupten, dass bis etwa 1992 die Qualität vor jeder ideologischen Agenda kam und dass es heute umgekehrt sei: recycelte Drehbücher, Stereotype und das Gefühl, dass die Eintrittskarte schon bezahlt ist, bevor der Zuschauer gefragt wird. Die These ist diskutabel, trifft aber eine verbreitete Intuition: Das Kino der Siebziger mit seinen Antihelden und seiner Entmythologisierung der Genres gilt als verlorenes Terrain.

Das Gespräch driftet in weniger filmische Gefilde ab —Hollywood-Skandale, die Selbstmorde von Kindern von Prominenten, Dokumentationen über Ausbeutungsnetzwerke— und kehrt, mit einiger Mühe, zum Ausgangspunkt zurück. Jemand schließt mit einer südkoreanischen Empfehlung, die kostenlos auf RTVE zu sehen ist. Ein anderer holt Fahrraddiebe, Die zwölf Geschworenen und Excalibur hervor. Die endlose Liste wächst weiter.

Und wenn die richtige Frage nicht lautet, welche die fünf besten Filme sind, sondern wer entscheidet, was „beste“ bedeutet?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (380 Antworten).

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