Kino nach 1999: fünf Filme und ein generationeller Krieg

In einer Debatte werden fünf Filme nach dem Jahr 2000 gefragt, und das Ergebnis ist eine Landkarte der Geschmäcker, Groll und cineastischen Ketzereien. Mulholland Drive und Pearl Harbor spalten.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Kino nach 1999: fünf Filme und ein generationeller Krieg
Die Debatte darüber, ob das Kino 1999 starb

Das Jahr 2000 begann mit Gladiator, und seitdem reißt die Diskussion nicht ab: Ist dieses Jahrhundert eine Ödland oder ein stilles goldenes Zeitalter? In einer offenen Debatte werden fünf Titel nach dem Jahr 2000 gefragt, und das Ergebnis ist eine Landkarte der Geschmäcker, Groll und der einen oder anderen cineastischen Ketzerei. Die erste Antwort setzte den Ton: Departed, The Wolf of Wall Street, No Country for Old Men, John Wick und Blade Runner 2049. Von da an schürte jeder sein eigenes Heiligtum.

Manche leisten von vornherein Abbitte. „Die bisherigen Antworten bestätigen nur, dass das Kino 1999 gestorben ist“, urteilt eine Stimme in der Debatte, die die Trilogie von Der Herr der Ringe rettet, sie aber im Vergleich zu Indiana Jones oder Zurück in die Zukunft als Qual beim erneuten Ansehen betrachtet. Die ungenierte Boomer-Nostalgie ist eine Strömung mit Gewicht.

Von Mulholland Drive bis The Lighthouse: der immer wiederkehrende Kanon

Wenn die Auszählung etwas verrät, dann dass eine Handvoll Titel immer wieder auftaucht, fast wie ein Dogma. Mulholland Drive führt viele Listen an, dicht gefolgt von No Country for Old Men, The Wolf of Wall Street, Children of Men, Das Leben der Anderen und Gran Torino. The Lighthouse schleicht sich dank seiner visuellen Machart unter die Favoriten, und The Northman wird sogar als „der perfekteste Film“ bezeichnet.

Der Geschmack gabelt sich schnell. Ein Lager verteidigt den ambitionierten Blockbuster —The Dark Knight, Mad Max: Fury Road, Inception, Interstellar—, während ein anderes im Autorenkino Zuflucht sucht, mit Namen wie Villeneuve, Refn, Wes Anderson, Kore-eda. Nocturnal Animals lässt so manchen „absolut k. o.“ gehen, und Her wird als unfreiwillige Prophezeiung der Sprachmodelle bezeichnet. Die vollständige Liste der genannten Titel mit ihren Verfechtern und Kritikern ist ein Dokument, das in diese Zeilen nicht passt.

Die Ketzerei von Pearl Harbor und das Remake von Departed

Kein Film bekommt so viel Prügel wie Pearl Harbor. „Er ist ein absoluter Mist, so groß, dass man sich nach fünfzehn Minuten wünscht, die Japaner mögen endlich kommen“, schreibt jemand. Die Verteidigung lässt nicht lange auf sich warten: Wer ihn kritisiere, verachte den Film wegen seiner romantischen Handlung, wie es auch bei Titanic der Fall sei, und hinter dieser Verachtung verstecke sich ein Snob-Detektor. Der Streit ist ein Lehrbuchbeispiel.

Auch Departed entkommt nicht. Manche erinnern daran, dass es ein Remake ist, und nennen es kompromisslos schlecht, mit dem Zusatz, Scorsese habe sich seit dem Pferd nicht mehr erholt. Blade Runner 2049 bekommt den Stich „Fortsetzungen waren nie gut“ und „Müll“ ab, samt einer Theorie über Deckard, die einen eigenen Krieg entfesseln würde. Sogar Oppenheimer bekommt sein Fett weg: Man wirft ihm vor, dass die ersten zwei Stunden funktionieren und der Film danach in einen langweiligen Prozess abdriftet, ohne den Abwurf der Bomben zu zeigen.

Das 21. Jahrhundert als Prophezeiungsfabrik

Jenseits des Rankings driftet die Debatte in unerwartete Gefilde. Gefragt wird, welche Filme die Zukunft vorhergesagt haben: Her und die Sprachmodelle, Idiocracy und sein generisches Porträt der Idiotie, oder der spanische Film Hablar, der trotz seines Erscheinungsjahres 2015 wie im Elbichito-Ausbruch von 2020 angesiedelt wirkt. Das Gespräch springt lückenlos von der Science-Fiction zum tschechoslowakischen Nachkriegskino.

Auch für das weniger begangene spanische Kino ist Platz: Smoking Room und sein Porträt der Arbeitswelt mit Eduard Fernández' erster großer Rolle, oder Celda 211. Und für den Dokumentarfilm, das Low-Budget-Kino und die Filme, die nur im Gedächtnis derjenigen existieren, die sie Anfang der neunziger Jahre im Schweizer Fernsehen sahen.

Der Punkt, an dem die Analyse stecken bleibt, ist der alte: Es gibt keine Möglichkeit, sich darauf zu einigen, was „besser“ bedeutet. Für die einen starb das Kino mit dem Jahrhundert; für die anderen ist dies ein Jahrhundert mit mehr denkwürdigen Titeln als jedes goldene Jahrzehnt. Die Listen kommen weiter.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (300 Antworten).

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