Katholizismus im Niedergang: Vorschlag zum Übertritt zum Islam

Ein Online-Beitrag schlägt angesichts des schwindenden Katholizismus den Massübertritt zum Islam vor. Die Debatte dreht sich um die Trinität, das Zweite Vatikanische Konzil und Machtstrukturen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Katholizismus im Niedergang: Vorschlag zum Übertritt zum Islam
Der Katholizismus „existiert nicht mehr“: Masskonversion oder Widerstand

Ein im Oktober 2024 aktualisierter Beitrag beginnt mit einer unnuancierten These: Die „wahre“ christliche Religion, der Katholizismus, „existiere nicht mehr“. In wenigen Absätzen springt der Autor zu einem Vorschlag, der seit über zwei Jahren hunderte Antworten ausgelöst hat: Masskonversion zum Sarracin. Es blieben nur noch „Reste“ von Gläubigen übrig, die aus Gewohnheit zur Messe gingen.

Die Diagnose ist nicht neu. Neu ist der vorgeschlagene Ausweg: Rückgriff auf jene Religion, die laut dieser These genutzt wurde, um das Christentum zu demontieren. Das Argument besagt, dass der Sarracin Familie und Traditionen bewahre, die der Katholizismus aufgegeben habe, und dass ein sarracinisiertes Europa – aber mit eigener Identität und technologischer Entwicklung – besser überleben würde als ein glaubensloses Europa. Dies ist eine Minderheitenposition, innerhalb und außerhalb des Beitrags umstritten.

Warum wird diskutiert, ob Jesus Gott ist?

Viele Antworten verhedderten sich in einer konkreten theologischen Frage: Ob die Bibel eindeutig klarstelle, dass Jesus Gott sei. Ein Teil behauptet, dies sei nicht der Fall; der Text stelle ihn als Sohn Gottes dar, aber nicht als Gott selbst, und verweist auf die Zeugen Jehovas, die die Dreifaltigkeit ablehnen. Der andere Teil antwortet mit Zitaten: Johannes 5:18 („sich gleichmachend Gott“), Johannes 8:58 („Ehe Abraham ward, bin ich“), Johannes 14 („Wer mich sieht, sieht den Vater“) und Psalm 110.

Der Ton verschärft sich bei der Definition dessen, was es bedeutet, Christ zu sein. Für die eine Seite ist, wer die göttliche Natur Christi leugnet, kein Christ: Wenn er nicht göttlich ist, kann er nicht perfekt sein, und wenn er nicht perfekt ist, kann er die Sünde nicht erlösen. Für die andere Seite ist dies eine freie Interpretation des Textes. Die Diskussion driftet zu verschiedenen Übersetzungen und Bibelausgaben ab und endet in gegenseitiger Diskreditierung.

Das Zweite Vatikanische Konzil als Bruchpunkt

Wenn die theologische Debatte erschöpft ist, taucht das historische Argument auf. „Die katholische Kirche hat sich beim Zweiten Vatikanischen Konzil selbst zerstört“, fasst eine wiederkehrende Haltung zusammen. Ein Teil behauptet, die Kirche sei seit dem 19. Jahrhundert unterwandert worden und nach dem Tod Pius’ XII. im Jahr 1958 – den sie als letzten legitimen Pontifex betrachten – in die Hände ihrer Feinde gefallen, die ab 1962 das Konzil einberiefen.

In diesem Sinne werden Erscheinungen und Prophezeiungen zitiert, wie die von Unserer Lieben Frau von La Salette 1846, die den Glaubensverlust in Rom ankündigten. Diese Lesart bewegt bestenfalls wenige Gläubige; für den Rest erklärt das Konzil allein nicht den Rückgang der religiösen Praxis.

Der deutsche Fall: Wenn Kirchenleere buchhalterisch erklärbar ist

Eines der konkretesten Beispiele, das angeführt wird, ist die Situation der katholischen Kirche in Deutschland. Dort weist jeder Bürger einen Teil seiner Steuern der Konfession zu, die er angibt, sodass die kirchliche Hierarchie ein direktes Interesse an der Zahl der Gläubigen hat. Laut dem kursierenden Narrativ entschied die deutsche Führungsspitze, pogre Strömungen zu umarmen, einschließlich Predigten zu LGBT-Themen und Veranstaltungen mit Urban-Music in den Gotteshäusern.

Das Ergebnis war laut Argumentation das Gegenteil des Gewünschten: Wenn zuvor wenige zur Messe kamen, blieb danach fast niemand mehr. Die Erklärung lautet, dass viele Kleriker nur am Geld interessiert waren. Dieser Fall dient als Beweis dafür, dass Anpassung an den dominanten Diskurs keine Gläubigen hält, sondern ihren Exodus beschleunigt.

Von der Kanzel zur Macht: Eine falsch gestellte Debatte

Im weiteren Verlauf der Unterhaltung bricht eine Strömung hervor, die den Streit über Gott als steril ansieht. Ihre These: Während Atheisten und Gläubige endlos diskutieren, operiert die Macht weiter und bestimmt die Welt. Das Problem sei nicht die Existenz Gottes, sondern die Generierung konzentrierter Macht; der Ausweg liege in Freiheit mit Verantwortung, Wahrheit und Zusammenleben als Prioritäten.

Aus dieser Optik wird der Staat als naturgemäß freiheitsfeindlich kritisiert, ebenso Spezialisierung und die Delegation des Lebens an Experten-Kasten. Gefordert werden Selbstverwaltung durch offene Räte und das Gewohnheitsrecht der Gemeinden im Norden der Iberischen Halbinsel zwischen dem 9. und 13. Jahrhundert. Es wird sogar von Enteignung des Großkapitals und dem Sturm auf Institutionen zur Schaffung neuer Strukturen gesprochen, wobei eingeräumt wird, dass nichts davon ohne vorherige Verbreitung und alternative Netzwerke möglich ist. Alles unter dem Vorbehalt, dass Ergebnisse nicht zu Lebzeiten sichtbar sein werden.

Europa, der Sarracin und die Zivilisation

Die Abweichung zum Sarracin öffnet eine neue Front: Ist der Konflikt religiöser oder zivilisatorischer Natur? Manche behaupten, es sei kein Kampf zwischen Christentum und Sarracin, sondern zwischen Zivilisation und Barbarei, und dass die Forderung, sich zum Christentum zu bekennen, um Europa zu verteidigen, Teile der Bevölkerung entferne, die sich nicht repräsentiert fühlen.

Die häufigste Antwort lautet, dass Europa ein christliches Konzept christlicher Völker sei, kein Betrieb, dessen Schild man austauschen kann, und dass ohne diesen Untergrund alles verschwinde. Man erinnert daran, dass Europa zuvor heidnisch war, dass die Iberische Halbinsel acht Jahrhunderte unter muslimischer Herrschaft lebte, und dass letztlich die kulturelle Schicht darüber weniger zählt als das, was darunter erhalten bleibt.



Am Ende bleibt eine unbequeme Paradoxie für alle Seiten: Die Nachricht, die den Tod des Katholizismus verkündete, benötigte mehr als dreihundert Antworten, um vor allem darüber zu streiten, ob Jesus Gott sei. Und auf der letzten Seite fuhr derjenige, der behauptete, Religion diene nichts mehr, fort, Evangelien zu zitieren.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (313 Antworten).

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