Katalonien: Amnestie und Referendum als Bedingung für Sánchez

Die Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien verknüpft die Wahl von Pedro Sánchez zum Ministerpräsidenten mit einer Amnestie, der Anerkennung des Referendums vom 1. Oktober und CNI-Reformen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Katalonien: Amnestie und Referendum als Bedingung für Sánchez
Unabhängige verknüpfen Investitur mit Amnestie und Referendum

Die katalanische Unabhängigkeitsbewegung ist nicht zum Verhandeln gekommen, sondern um Forderungen durchzusetzen. Die Wahl von Pedro Sánchez zum Ministerpräsidenten hängt an einer Liste von Bedingungen, die laut einem Teilnehmer der Debatte eine Amnestie für die Angeklagten im Unabhängigkeitsprozess, die Erklärung der Verfassungsmäßigkeit des Referendums vom 1. Oktober sowie eine Reform des spanischen Auslandsgeheimdienstes (CNI) umfasst, um die Ermittlungen gegen die Bewegung zu überprüfen. Es handelt sich nicht um eine übliche Verhandlung, sondern um ein Forderungsprogramm.

Im Zentrum der Diskussion steht weniger das „Was“ als das „Wie viel“. Manche argumentieren, dass die Unabhängigen das Maximum fordern, weil sie wissen, dass Sánchez bereit ist, es zu geben. Andere entgegnen, dass die Bewegung bereits kapituliert habe und alles nur Theater sei. Beides kann gleichzeitig nicht wahr sein, doch in der spanischen Politik ist Widerspruch fast schon eine literarische Gattung.

Welche konkreten Forderungen stellt die Unabhängigkeitsbewegung für die Wahl von Sánchez?

Das Paket der in der öffentlichen Diskussion genannten Bedingungen besteht aus drei Blöcken. Der erste ist die Amnestie für die Angeklagten im Unabhängigkeitsprozess, die von den Befürwortern als unverzichtbarer Vorbedingung betrachtet wird. Der zweite ist die Erklärung der Verfassungsmäßigkeit des Referendums vom 1. Oktober, eine Formulierung, die die Legalität der Abstimmung anerkennen würde, ohne die Verfassung ändern zu müssen. Der dritte Punkt ist eine Reform des CNI, die eine Überprüfung der Handlungen der Beamten und Richter ermöglichen würde, die den Prozess untersucht haben.

Der dritte Punkt wird am wenigsten diskutiert, hat aber die weitreichendsten Konsequenzen. Es geht nicht nur darum, die Angeklagten zu begnadigen, sondern auch die Ermittler zu überprüfen. In jeder konsolidierten Demokratie nennt man dies eine Überprüfung staatlichen Handelns, was kein geringfügiges Thema ist.

Das Argument, dass die Unabhängigkeitsbewegung bereits kapituliert habe

Gegen die Erzählung einer vollständigen Kapitulation des Staates gibt es eine Strömung, die das Gegenteil behauptet: Die Unabhängigkeitsbewegung habe nachgegeben. Das Argument lautet, dass die Bewegung feierlich angekündigt habe, die Wahl von Sánchez zu erleichtern, was aus der Distanz wie eine Kapitulation wirke. Nach dieser Lesart habe der rechte Flügel der Unabhängigen eingelenkt.

Das Problem dieses Arguments ist, dass es das Erleichtern der Wahl mit dem Verzicht auf Bedingungen gleichsetzt. Die Erleichterung der Wahl ist das Mittel; die Bedingungen sind das Ziel. Und das Ziel hat sich, soweit bekannt, keinen Millimeter bewegt.

Kann Sánchez gewählt werden, ohne das Referendum zuzulassen?

Nein. Für ein bindendes Referendum wäre eine Verfassungsänderung nötig, die die Regierung nicht allein beschließen kann: Sie bräuchte die Unterstützung aller Parteien, einschließlich der konservativen PP. Dies ist die technische Grenze, die in der Diskussion immer wieder betont wird. Anders verhält es sich mit der Forderung nach einer Erklärung der Verfassungsmäßigkeit des Referendums vom 1. Oktober, einer anderen Formel, die keine Verfassungsänderung erfordert.

Hier liegt der Knotenpunkt. Die Unabhängigen fordern das Maximum, weil sie wissen, dass Sánchez bereit ist, das Maximum zu geben, doch Sánchez kann das Maximum nicht gewähren, ohne die Verfassung zu ändern. Die Frage ist, was passiert, wenn der Fordernde auf eine Grenze stößt, die nicht vom Willen des Zugestehenden abhängt.

Die wirtschaftlichen Kosten von Amnestie und Sonderfinanzierung

Im Hintergrund der Verhandlungen steht eine wirtschaftliche Frage, die nur beiläufig erwähnt wird, aber Steuerzahler stark betrifft: das „Cupo“, das Sonderfinanzierungssystem des Baskenlandes. Manche argumentieren, dass das baskische System akzeptabel sei, die Katalanen aber dasselbe wollten, was die Gleichheit zwischen den Regionen untergrabe. Das Gegenargument besagt, dass das Cupo-System bereits existiere und regionale Asymmetrien nichts Neues seien.

Nicht zur Diskussion steht jedoch der politische Preis. Eine Amnestie ohne Referendum, ein reformierter CNI zur Überprüfung der Ermittler und die Ausweitung des Cupo-Systems: Jedes dieser Elemente hat einen politischen Preis, der bei den nächsten Wahlen bezahlt werden muss.

Spaltungen innerhalb der Unabhängigkeitsbewegung und die Rolle der PSC

Eine Analyse deutet darauf hin, dass die Unabhängigkeitsbewegung kein monolithischer Block ist und die Sozialistische Partei Kataloniens (PSC) eine Schlüsselrolle spielt. Nach dieser Lesart wäre Sánchez von Anfang an das Marionettenspielzeug der Katalanen, während die PSC die Fäden innerhalb der PSOE zieht. Diese These wird hartnäckig vertreten und hat, wie alle Verschwörungstheorien, den Vorteil, dass sie nicht widerlegt werden kann.

Verifizierbar ist hingegen, dass ohne die Stimmen der PSC, ERC und Junts die Sozialisten in Spanien nicht regieren können. Das ist keine Meinung, sondern parlamentarische Arithmetik.

Was passiert, wenn keine Einigung erzielt wird?

Die Möglichkeit vorgezogener Neuwahlen schwebt über allen Verhandlungen. Wenn die Unabhängigen ihre Position halten und Sánchez nicht über die verfassungsrechtlichen Grenzen hinausgehen kann, droht eine erneute Wahl. Dann ändert sich die Kalkulation: Die Unabhängigen wissen, dass Neuwahlen ihnen keine besseren Bedingungen garantieren, und Sánchez weiß, dass er durch Neuwahlen seine Macht verlieren könnte.

Unter Vorbehalt lässt sich prognostizieren, dass es eine Einigung geben wird, allerdings nicht zu den von den Unabhängigen geforderten Konditionen. Die Amnistie ist wahrscheinlich; die Erklärung der Verfassungsmäßigkeit des 1-O-Referendums unwahrscheinlich; die CNI-Reform ist das Element, das alles entgleisen lassen kann. Falls es scheitert, liegt es nicht an mangelndem Willen, sondern an übertriebenen Forderungen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (148 Antworten).

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