Kartoffel, Mais und Bohne: der komplette Kreislauf für den Neuanfang
Wer im Gartenbau bei null anfangen will, braucht keinen fertigen Gemüsegarten, sondern Saatgut aus dem Vorjahr, Werkzeuge und das Wissen, wie sich jede Pflanze vermehrt. Die Kartoffel, eine der häufigsten Empfehlungen als Grundnahrungsmittel für den Notfall, wird nicht aus Samen gesät, sondern indem man die Knolle selbst in Stücke schneidet, die jeweils einen Austrieb behalten. Und der Mais, die zweite große Hoffnung, hat ein Problem, das weniger physisch als wirtschaftlich ist: Manche behaupten, ein Großteil der heute verkauften Handelssorten eigne sich nicht zur Vermehrung der nächsten Ernte.
Die Eingangsfrage klingt wie aus dem ersten Semester Agrarwissenschaft, und kaum jemand hat sie gelöst: Woher kommt das Saatgut für das nächste Jahr, wenn man bei null anfangen muss?
Wie vermehrt sich die Kartoffel ohne Saatgut?
Die kurze Antwort: Man braucht keins. Aus einem Stück Kartoffel wächst eine ganze Pflanze. Das beschriebene Verfahren: Man sucht die Augen der Knolle und schneidet so viele Stücke ab, wie Augen vorhanden sind, sodass jedes Stück eines behält. Danach lässt man das Stück an der Luft in einem Eimer trocknen, ohne es einzugraben, damit die Oberfläche abheilt. Frisch gepflanzt, fault es.
Manche machen es vertikal: Die Knolle wird eingegraben und mit wachsender Pflanze nach und nach Erde nachgefüllt, mit dem Ziel, in Schichten zu ernten. Andere beschränken es auf einen Eimer. Ein berichteter Versuch beziffert das Ergebnis auf 1 kg Kartoffeln in einem 25-Liter-Eimer nach drei Monaten Wartezeit. Kleine Kartoffeln, aber Kartoffeln. Die Vorbehandlung und die Temperatur sind die beiden Faktoren, die entscheiden, ob das Vorhaben klappt oder in Brei endet.
Mais, Bohne und Kartoffel: die drei Kulturen, die den Hunger besiegten
Alle drei kamen aus Amerika, und alle drei trugen die Kantabrische Küstenregion. Der Mais, so heißt es in der Diskussion, war die Pflanze, die den Hunger von Portugal bis Frankreich beendete – heute ist er von den Feldern praktisch verschwunden, ersetzt durch kommerzielle Hybriden. Daher das Interesse an Tauschnetzwerken, die traditionelle Sorten zurückholen: Saatgut mit über Generationen bewährter Leistung, nicht für einen einzigen Zyklus.
Der Mais hat zudem einen physiologischen Vorteil, den man mit der Wikipedia belegen kann: Seine Photosynthese ist vom Typ C4, sehr effizient bei Hitze und mit wenig verfügbarem Wasser, was hohe Erträge dort erlaubt, wo andere Pflanzen an ihre Grenzen kommen. Die Kehrseite ist der Wasserverbrauch. Als Kombination gilt die präkolumbische Mischkultur – Mais, Kürbis und Bohnen zusammen wachsend – als bester Kandidat für den Anfängergarten: Jede Pflanze deckt, was der anderen fehlt.
Taugen gekauftes Saatgut für die nächste Ernte?
Es kommt darauf an, und hier bricht sich der Konsens. Ein Teil ist überzeugt: Saatgut aus Tüten sei so aufbereitet, dass die zweite Generation wertlos ist, und die alten Sorten gebe es kaum noch. Die andere widerspricht mit eigener Erfahrung: Eine Tüte kostet zwischen 1 und 1,5 Euro, mit 15 Euro ist ein halber Hektar Garten bestellt, und kühl und trocken gelagert keimt das Saatgut noch Jahre nach dem Verfallsdatum. Der zitierte Fall: 2007 gekaufte Tomaten, 2009 abgelaufen, keimten später überwiegend problemlos.
Für Saatgut ist der alte Trick das Einweichen in Wasser mit Wasserstoffperoxid: Das entferne, so die Behauptung, Krankheitserreger von der Oberfläche und versorge die Samen mit Sauerstoff. Keine Magie, nur Hygiene.
Süßkartoffeln, Wicken und Kürbisse: was sich fast von selbst vermehrt
Wenn die Kartoffel das Totem des Notfallgartens ist, will manche sie lieber ersetzen. Die Süßkartoffel bekommt weniger Schädlinge und Krankheiten, hat mehr Zucker, ihre grünen Teile füttern Tiere und sie lässt sich lange lagern; nach einem guten Jahr bleibt Inokulum im Boden und sie wächst im nächsten von selbst. Eine Rechnung für den Hausanbau nennt rund 70 kg verwertbare Ernte plus Ausschuss für das Vieh, womit ein Teil des Jahres für einen kleinen Stall gedeckt sei – sieben Kaninchen im Beispiel.
Die Wicken sind das andere robuste Gewächs: Körner, Futter und Gründünger, mit Wurzeln, die Luftstickstoff binden. Gesät wird im September oder Oktober, gemischt mit Hafer oder anderem Getreide je nach Verwendung. Dazu kommen Kürbis – fast ohne Pflege und den ganzen Winter lagerbar –, Bohnen, Mangold, Grünkohl und Spinat. Eine Warnung für Obstbäume: Der Feigenbaum trägt enorm viel, aber seine Wurzeln heben Höfe auf.
Das „Little House on the Prairie“-Syndrom
Der unbequemste Einwand ist nicht agronomischer, sondern sozialer Natur: Manche warnen, der eigene Gemüsegarten überlebe nicht isoliert, während die anderen hungern, und früher oder später räume jemand ihn ab. Und wer kein Land hat – der Städter, der daran denkt, Saatgut für den Umzug aufs Land zu horten –, verkauft eine Illusion: Ohne Jahre der Praxis produziert man keine ausreichenden Nahrungsmengen. Der daraus folgende Rat lautet nicht ernten, sondern Fähigkeiten und gegen Nahrung eintauschbare Güter ansammeln.
Am anderen Ende stehen diejenigen, die argumentieren, Tiere mit Weide und Fallen zu halten bringe mehr als der Garten, mit dem Hinweis, 100 Gramm Fleisch enthielten mehr Nährstoffe als 10 Kilo Kartoffeln. Die Zahl unterschreibt in der Diskussion kein Ernährungswissenschaftler, aber sie fasst den Streit zusammen: pflanzlich, tierisch oder beides zugleich.
Bei der Kartoffel streitet niemand über die Methode, beim Mais über das Wasser, beim Saatgut über die Herkunft. Der Engpass entsteht, wenn man alles zusammenbringt: Zwischen dem Kauf der Tüte und dem Essen auf dem Tisch liegen Jahre, und diesen Zeitplan kann niemand schließen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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