Kanaren: Tourismus trägt 35 % des BIP, aber Proteste wachsen

Der Tourismus macht 35 % des BIP und 40 % der Arbeitsplätze auf den Kanaren aus, doch Zehntausende protestieren gegen das Massentourismus-Modell.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Kanaren: Tourismus trägt 35 % des BIP, aber Proteste wachsen
Kanaren: 50.000 Menschen gegen den Tourismus, der 35 % des BIP liefert

Auf den Kanaren leben rund zwei Millionen Menschen. Ohne Tourismus, so die gängigen Schätzungen, wären es weniger als 300.000. Die Branche steuert 35 % des BIP und 40 % der Beschäftigung bei, unterhält acht Flughäfen und eine halbe Million Hotelbetten. Und dennoch sind Zehntausende auf die Straße gegangen, um gegen den Massentourismus zu protestieren. Die wiederkehrende Zahl für die Teilnehmer liegt bei etwa 50.000 Demonstranten: Das Fassungsvermögen eines Fußballstadions – diskutabel als Machtdemonstration, unmöglich zu ignorieren als Symptom.

Warum wird gegen den wirtschaftlichen Motor der Inseln protestiert?

Weil dieselbe Branche, die Ernährungsquellen bietet, auch die Mieten in die Höhe treibt. Hier liegt der Kern des Konflikts. Die Verteidigung des Tourismus stützt sich auf grobe Zahlen — fünfzehn Millionen Besucher, fast alle direkten und indirekten Arbeitsplätze — während die Kritik auf die Details abzielt: den Einheimischen, der sich in seiner eigenen Heimat keine Wohnung mehr leisten kann. Manche fassen es mit einem Satz zusammen, der oft fällt: Es hilft wenig, wenn man dich ernährt, solange dir die Tür zum Dach über dem Kopf verschlossen bleibt.

Die beiden Narrative schließen sich nicht aus, und genau das ist das Problem. Der Tourismus erklärt den Wandel von Gebieten, die vor einem halben Jahrhundert noch Bananen- und Tomatenplantagen waren, dominiert von Tagelöhnern im Dienst von Großgrundbesitzern, hin zu einer Wirtschaft aus Fünf-Sterne-Hotels und Bürojobs. Dieselbe Kraft, die diese Arbeitsplätze schuf, setzt nun Boden, Wasser und Wohnraum unter Druck.

Der Tourismus, der 35 % des kanarischen BIP trägt

Die Argumente zur Verteidigung der Branche sind gewichtig. Fünfzehn Millionen Touristen pro Jahr; acht Flughäfen, die ohne sie nicht existieren würden; eine halbe Million Betten. Ohne diese Aktivität würde das Szenario ein Archipel mit 300.000 Einwohnern ergeben — im Vergleich zu den aktuellen 2,2 Millionen — mit einer Subsistenzwirtschaft, die von außen gestützt wird. Das Argument endet mit einer Warnung: Wenn der Tourismus zusammenbricht, bricht fast alles andere zusammen.

Und die Grenze? Selbst die Verteidiger der Branche räumen sie ein. Niemand bestreitet, dass fünfzehn Millionen Besucher eine Obergrenze haben; debattiert wird, wo diese liegt und wer sie festlegt. Das Risiko, so warnen gemäßigtere Stimmen, besteht darin, den Faden zu ziehen und am Ende eine leere Insel ohne produktive Alternative zurückzubehalten.

Vom Ablehnung gegenüber Touristen zur Ablehnung gegenüber Migranten

Ab hier wird die Sache kompliziert. Ein Teil des Unmuts gegen den Massentourismus mischt sich im selben Diskurs mit Fremdenfeindlichkeit gegenüber Migranten. Es tauchen Vergleiche auf, die verschiedene Besuchergruppen nach ihrem Nutzen oder ihren Kosten gegenüberstellen, und daraus werden leicht Verallgemeinerungen über Gruppen, die keiner kritischen Prüfung standhalten. So wird beispielsweise argumentiert, dass einige Geld bringen und andere Unsicherheit erzeugen, ohne weitere Belege als Parolen. Man sollte die Ebenen trennen: Eines ist die Debatte über das Tourismusmodell — Boden, Wohnraum, Überlastung, Löhne — und etwas anderes ist die Umwandlung dieser Beschwerde in einen Streit gegen jene, die kommen, um zu arbeiten.

Sind die Proteste gegen den Tourismus organisiert?

Dies ist der häufigste Verdacht und zugleich der schwerste zu beweisen. Über dem Thema schwebt die These, dass hinter den Demonstrationen eine Hand steht, die sie finanziert und lenkt, mit direkten Vorwürfen, sie seien von oben orchestriert und bezahlt worden. Es gibt keinen öffentlichen Beweis dafür, und die Anschuldigung funktioniert besser als Abwertung denn als Diagnose. Was jedoch beobachtet wird, ist ein bekanntes Muster: Ein realer Unmut — Zugang zu Wohnraum, Überlastung der Dienste — wird aufgeblasen und zur Fahne erhoben, woraufhin weniger das Problem als die Absichten dessen diskutiert werden, der es anspricht.

Was auf dem Spiel steht für die Kanaren jenseits der Plakate

Es gibt ein Detail, das alles bisher Gesagte ordnet. Die Inseln leben von einer Branche, die laut ihren eigenen Verteidigern kein unendliches Wachstum zulässt: Dieselbe Industrie, die acht Flughäfen finanziert, setzt Wasser, Boden und Löhne unter Druck. Die unbeantwortete Frage lautet nicht, ob der Tourismus überflüssig ist, sondern wie viel Platz noch bleibt, bevor der Einheimische seine Insel nicht mehr wiedererkennt. Und diese Zahl kennt heute niemand.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (167 Antworten).

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