Kaffee wird teurer, bevor das EUDR-Gesetz überhaupt in Kraft tritt
Ein Halbkilopaket portugiesischen Röstkaffees, das 1,85 Euro kostete, wurde diesen Sommer für 6,20 Euro verkauft, wie ein Forennutzer berichtet. Dieser Sprung — mehr als das Dreifache — ist keine Anekdote über eine bestimmte Marke: Er ist das Standbild eines Marktes, der seit zwei Jahren die Anwendung der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR 2023/1115) einkalkuliert. Die Vorschrift, am 19. April 2023 mit 552 Ja-Stimmen, 44 Nein-Stimmen und 43 Enthaltungen verabschiedet, verlangt, dass Kaffee, der in die Europäische Union gelangt, nachhaltig ist und nicht von entwaldeten Flächen stammt. Der gestaffelte Zeitplan sieht den 30. Dezember 2026 für große und mittlere Marktteilnehmer und Händler vor, den 30. Juni 2027 für Kleinst- und Kleinunternehmen. Übersetzt: Der Kaffee, der heute gekauft wird, bezahlt bereits den Papierkram von morgen.
Was das EUDR-Gesetz genau vom Kaffee verlangt
Die Verordnung verbietet Kaffee nicht. Sie verlangt den Nachweis der Herkunft. Jede Charge muss von einer Sorgfaltserklärung mit Geolokalisierung der Parzellen begleitet werden, und der Stichtag, den Brüssel gewählt hat, ist das Jahr 2000: Entwaldung danach ist ausgeschlossen. Das Problem, so kritische Analysen, ist, dass ein Großteil der mit dem Kaffeeanbau verbundenen Entwaldung vor dieser Schwelle stattfand, sodass die Vorschrift ein Phänomen bekämpft, das weitgehend nicht mehr stattfindet. Unterdessen trifft der Kosten der Zertifizierung das schwächste Glied: den Kleinbauern in den Erzeugerländern, der von ein paar Hektar lebt.
Die Liste der betroffenen Produkte ist nicht kurz: Kaffee, Kakao, Kautschuk, Soja, Palmöl und Rinder. Und hier zeigt sich der erste Widerspruch, der diskutiert wird. Es sind Rohstoffe, die die EU nicht in relevanter Menge produziert, sodass die Vorschrift keinen europäischen Landwirt vor unfairem Wettbewerb schützt. Würde jemand Wald roden, um Kartoffeln anzubauen, würde das Gesetz nichts sagen. Rodet er für Kakao, kommt das Produkt nicht hinein.
Der Kaffeepreis kalkuliert die Vorschrift bereits ein
Die Entwicklung der Notierungen seit 2023 deutet in eine unbequeme Richtung. Kaffee, Kakao, Palmöl und Kautschuk sind in dem Zeitraum stark gestiegen, in dem die Maßnahme angekündigt und ausgearbeitet wurde. Das ist kein Beweis für eine einzige Ursache — schlechte Ernten und Spekulation spielen ebenfalls eine Rolle —, aber der Zeitplan passt allzu gut. Manche halten es für möglich, dass die Vorschrift die aktuellen Preise verdoppeln könnte; andere halten das für übertrieben und verweisen darauf, dass Kaffee wegen Dürren und Missernten in mehreren Anbauländern bereits teuer war.
Der Fall Kakao verdient ein eigenes Kapitel. Ein Großteil des afrikanischen Kakaus wird große Schwierigkeiten haben, die verlangte Rückverfolgbarkeit nachzuweisen, was den Markt möglicherweise stärker unter Druck setzt als den Kaffeemarkt selbst. Bei Kaffee bereiten die südamerikanischen Länder seit Jahren den Boden vor: Regierungen, Genossenschaften und Organisationen haben die Geolokalisierung der Parzellen vorangetrieben, um nicht vom europäischen Markt ausgeschlossen zu werden. Die Frage ist, wie viele kleine Erzeuger sich diesen Prozess leisten können.
Der kommende Zeitplan: 30. Dezember 2026
Das Schlüsseldatum für die Verbraucher ist der 30. Dezember 2026. Ab dann müssen große und mittlere Marktteilnehmer und Händler die Sorgfaltspflichten erfüllen. Kleinst- und Kleinunternehmen haben sechs Monate mehr Zeit, bis zum 30. Juni 2027. In der Praxis wartet die Preisanpassung nicht auf den gesetzlichen Zeitplan: Die Marktteilnehmer rechnen die Kosten für Zertifizierung und Rückverfolgbarkeit bereits in ihre Einkäufe ein.
Das Ergebnis ist eine stille Inflation bei einem täglichen Konsumprodukt. Kaffee ist nach Erdöl die am meisten gehandelte Ware, und der Konsum sinkt nicht, wenn der Preis steigt: Man spart an der Qualität oder wechselt das Format. Deshalb driftet das Gespräch Richtung Vorratshaltung. Manche haben bereits für zwei Jahre eingekauft. Andere rechnen damit, dass auch Kapseln, die im Vergleich zu loseem Kaffee schon extrem teuer sind, steigen werden. Und eine dritte Gruppe hat sich für den Rückzug entschieden: Umstieg auf Kräutertees und Kaffeekauf nur, wenn der Preis es rechtfertigt.
Das Paradox des Kaffees, der mit niemandem konkurriert
Das am häufigsten wiederholte Argument gegen die Vorschrift ist nicht, dass Entwaldung unwichtig sei. Es ist, dass die EU extreme Strenge bei Produkten anwendet, die nicht mit ihrer eigenen Landwirtschaft konkurrieren, während sie alles, was sie doch betrifft, mit anderem Maß misst. Dazu kommt der regulatorische Verdacht: Jede neue administrative Anforderung an ein Grundnahrungsmittel landet am Ende im Endpreis, und der Verbraucher zahlt die Zertifizierungsrechnung, ohne dass ihn jemand gefragt hat.
Die Verteidigung der Vorschrift ist abstrakt betrachtet vernünftig: Wenn die Welt die importierte Entwaldung nicht stoppt, versucht es die EU auf handelspolitischem Weg. Das Problem ist, dass die Welt nicht nur aus den siebenundzwanzig EU-Staaten besteht. Die Vereinigten Staaten wenden nichts Vergleichbares an, und die Erzeugerländer können ihr Angebot auf weniger anspruchsvolle Märkte umleiten. Die Vorschrift verteuert den europäischen Kaffee, ohne zu garantieren, dass auf dem Planeten weniger entwaldet wird.
Mit dem nun festgelegten Zeitplan und Preisen, die den Papierkram bereits einkalkulieren, lautet die offene Frage nicht, ob der Kaffee teurer wird. Sondern wie viel von dieser Verteuerung vermiedene Entwaldung ist und wie viel Bürokratie, die dem Verbraucher in Rechnung gestellt wird.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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