Junqueras legt ERC-Vorsitz vorübergehend nieder

Oriol Junqueras gibt den ERC-Vorsitz vorübergehend ab. Auch Marta Rovira tritt zurück, was Unsicherheit über die Zukunft der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung auslöst.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Junqueras legt ERC-Vorsitz vorübergehend nieder
Junqueras gibt ERC-Spitze vorübergehend ab

Oriol Junqueras kündigte an, dass er das Amt des Präsidenten der ERC (Esquerra Republicana de Catalunya) vorübergehend niederlegt. Die Nachricht hat im Lager der Unabhängigkeitsbefürworter für Unsicherheit gesorgt, da nun die Frage offen ist, wer die Partei führen wird.

Carles Puigdemont bleibt im Exil, Marta Rovira hat ebenfalls ihre Verantwortlichkeiten niedergelegt, und Junqueras selbst reiht sich in diese Liste der Abgänge ein. Manche Beobachter merken an, dass ein Anführer, der eine Haftstrafe verbüßte, nun sieht, wie seine Wählerschaft jene belohnt, die der Justiz im Kofferraum eines Autos entkamen.

Unabhängigkeitsbewegung ohne sichtbare Führungspersonen

Der stete Strom von Rücktritten bei der ERC und im gesamten Unabhängigkeitsspektrum zeichnet ein bisher unbekanntes Szenario. Junqueras geht nicht vollständig – er spricht von einem vorübergehenden Rückzug –, aber sein Abgang hinterlässt eine Lücke. Innerhalb der Partei richten sich die Blicke auf Salvador Illa als Präsidenten der Generalitat und auf die PSC (Partit dels Socialistes de Catalunya), die laut Analysen durch den Raum wachsen könnte, den die ERC freigibt.

Manche argumentieren, die ERC sei lediglich eine Filiale der PSOE (Spanische Sozialistische Arbeiterpartei), ein Stützrad, das die Zentralregierung gegen Ämter unterstützt. Andere weisen darauf hin, dass ihre linker orientierten Wähler möglicherweise zur eher nationalistisch geprägten PSC wechseln werden, während die radikalsten Unabhängigkeitsbefürworter zu Junts (Junts per Catalunya) abwandern. Das Ergebnis ist in jedem Fall eine Partei, die dahinsiecht und laut aktuellen Analysen auf zwischen 9 und 12 Sitze im Parlament von Katalonien schrumpfen könnte.

Puigdemonts Schatten und die Ermüdung des Verhandlungswegs

Ein Vergleich mit Carles Puigdemont ist unvermeidlich. Während Junqueras seine Strafe absaß, richtete sich der ehemalige Präsident im Europäischen Parlament ein und hielt seinen Konflikt mit dem spanischen Staat aus Brüssel aufrecht. Manche behaupten, die einen bezahlten die Zeche, während die anderen ungeschoren davonkämen. Diese Asymmetrie, ob gerecht oder nicht, hat sich bei einem Teil der Wählerschaft festgesetzt, die in Junqueras den Sündenbock einer Sache sieht, die nie richtig Fahrt aufgenommen hat.

Junqueras selbst wirkte sichtlich betroffen. Bei der Pressekonferenz nach der Wahl wirkte er ausgebrannt, und in späteren Straßeninterviews antwortete er Journalisten mit Ausflüchten und spürbarem Unbehagen. Es ist leicht, sich die Stimmung eines Menschen vorzustellen, der jahrelang eine Fahne verteidigte, nur um festzustellen, dass ihm die eigene Wählerschaft den Rücken kehrt.

Wie geht es weiter mit der ERC und der Unabhängigkeit?

Die unmittelbare Zukunft hängt von möglichen Neuwahlen ab, die niemand ausschließt, obwohl die ERC sie ablehnt. Die Partei steht vor einem Dilemma: sich von innen neu erfinden oder zum Anhängsel der PSC werden. Prognosen deuten darauf hin, dass die PSC gemäßigtere Wähler aufnehmen und Junts die Radikalen einsammeln wird, wodurch die ERC ohne klare Nische dasteht.

Manche erinnern daran, dass die Unabhängigkeitsbewegung seit Jahren darum wetteifert, wer zuerst einknickt, und bemerken, dass das katalanische Bürgertum nie wirklich engagiert war. Die vorherrschende Schlussfolgerung ist, dass der Katalanismus im Niedergang begriffen ist, mit einer sich jede Legislaturperiode verkleinernden sozialen Basis und einer Wählerschaft, die spanisch-zentrierte Optionen belohnt. Die Frage lautet nun, ob Junqueras es erneut versuchen wird oder ob sein vorübergehender Rückzug endgültig wird.



Wichtige Daten

  • Junqueras legt den ERC-Vorsitz vorübergehend nieder.
  • Auch Marta Rovira hat ihre Parteifunktionen abgegeben.
  • Die ERC könnte laut aktuellen Analysen auf zwischen 9 und 12 Abgeordnete im Parlament schrumpfen.
  • Die PSC profiliert sich als Hauptprofiteur des Raums, den die ERC freimacht, so die Umfragen.

Die katalanische Politik tritt in eine Phase der Unsicherheit ein, die niemand auflösen zu können scheint. Wird es Neuwahlen geben? Gelingt der ERC die Erneuerung? Oder erleben wir eine langsame Agonie bis zur Bedeutungslosigkeit?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (118 Antworten).

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