Junge Spanier verlassen Spanien: Daten wider die Wirtschaftserzählung

8.600 junge Menschen mit Ausbildung verlassen Spanien jedes Jahr. Abwanderung von Fachkräften oder eine marginale Zahl? Wir analysieren die Daten, die Verzerrungen und die Gründe hinter der Debatte.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

8.600 junge Menschen mit Ausbildung verlassen Spanien jedes Jahr

Ein junger Valencianer mit festem Arbeitsplatz kündigte seine Stelle, um es in der Schweiz zu versuchen. Weniger als zwei Wochen später hatte er eine Stelle. Als er zwei ehemaligen Kollegen anbot, seinen Lebenslauf weiterzuleiten, lehnten beide ab: „Wie in Spanien ist es nirgendwo“, sagten sie. Beide hatten eine Wohnung von ihren Eltern geschenkt bekommen. Die Anekdote verdichtet die Debatte über die Jugendauswanderung, die derzeit die wirtschaftlichen Analysen durchzieht: Die Jungen gehen, doch die Zahlen lassen gegensätzliche Deutungen zu.

8.600 von fünf Millionen: Abwanderung oder Randnotiz?

Die Zahl, die die Diskussion neu entfacht hat: 8.600 ausgebildete junge Menschen verlassen das Land jedes Jahr. Die Zahl klingt dramatisch, bis man sie neben den gut fünf Millionen Einwohnern unter 35 Jahren betrachtet. Aus dieser Sicht sind es gerade einmal 0,17 % pro Jahr. Manche halten die Auswanderung für marginal und verweisen darauf, dass andere europäische Länder mehr junge Menschen verlieren. Tatsächlich werden Zahlen von über 200.000 ausländischen Bewohnern genannt, die jedes Jahr ausreisen – zahlenmäßig ein deutlich größerer Aderlass.

Wer verlässt Spanien? Der unbequeme Unterschied

Die Debatte nimmt eine Wendung, wenn man die Staatsangehörigkeit der Auswanderer betrachtet. Laut den kursierenden Daten ist etwa jeder vierte unter 35-Jährige in Spanien im Ausland geboren. Ein großer Teil derer, die gehen, sind junge Menschen mit Migrationshintergrund, die nach ihrer Ausbildung in Spanien Chancen in Nord- und Mitteleuropa suchen. Manche Analysen reduzieren die Zahl der „Spanier ohne Migrationshintergrund“ dann auf rund 15.000 pro Jahr und fügen hinzu, dass nicht alle einen Hochschulabschluss haben. Die Frage ändert sich: Ist es eine Abwanderung von Fachkräften oder eine demografische Rotation?

Wohnung, prekäre Arbeit und die Anziehungskraft des Auslands

Wenn man den Statistikstreit beiseitelässt, kommen die eigentlichen Gründe zum Vorschein, die auch in den Berichten auftauchen: die Unmöglichkeit, eine Wohnung zu finden, Löhne, von denen man keine Familie gründen kann, und ein Arbeitsmarkt, der Beziehungen mehr belohnt als Qualifikationen. Demgegenüber bieten Länder wie die Schweiz oder Großbritannien Fachkräften deutlich bessere Bedingungen. Ein Auswanderer mit zehn Jahren in London bringt den Unterschied auf den Punkt: Dort rufen Arbeitsvermittlungen an, um einem Arbeit anzubieten, weil sie verdienen, wenn man den Job wechselt. Hier klingt die Vorstellung, man rufe an, um einem Arbeit zu vermitteln, wie Science-Fiction.

Auch der Vergleich mit Marokko wird genutzt, um das Paradox zu unterstreichen: Das Nachbarland exportiert überwiegend ungelernte Arbeitskräfte, während Spanien Akademiker exportiert. Und währenddessen liegt der Anteil der im Ausland Geborenen unter den unter 35-Jährigen bei fast 24 %. Das heißt: Spanien ist nicht mehr nur ein Land, das Talente exportiert; es ist auch ein Land, das Arbeitskräfte importiert, die das Land häufig nur als Sprungbrett nutzen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (63 Antworten).

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