Junge Chinesen und die Rente: Warum viele nicht mehr einzahlen

Ein Forum diskutiert, ob junge Chinesen aufhören sollen, in das optionale öffentliche Rentensystem einzuzahlen; es werden Renditeberechnungen zitiert und mit dem spanischen Pflichtsystem verglichen

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Junge Chinesen und die Rente: Warum viele nicht mehr einzahlen
Junge Chinesen und das Rentensystem: Worüber diskutiert wird

In China ist der Beitritt zum öffentlichen Rentensystem freiwillig. Nach der These, die diese Diskussion eröffnete, würden Hunderte Millionen junger Menschen keine Beiträge mehr zahlen, weil sie das System für nicht tragfähig halten. Chinas demografische Zeitbombe — die nach derselben Darstellung die spanische wie einen Witz aussehen lässt — treibt auf eine Gesellschaft der Alten zu, die Krankenhäuser, Pflegeheime und Betreuung verlangen wird, und niemand weiß, wer das finanzieren soll. Unterdessen hat ein Teil der Generation, die das System mit ihren Beiträgen tragen müsste, offenbar beschlossen, nicht mitzumachen.

Was das chinesische Umlagesystem ist und warum es freiwillig ist

Das chinesische Rentensystem funktioniert als Mehrsäulenmodell: eine gestärkte Umlage plus individuelle Ersparnisse und betriebliche Pläne, die von Unternehmen und anderen Arbeitgebern verwaltet werden. Entscheidend ist, dass die Teilnahme an der öffentlichen Säule nicht verpflichtend ist. Freiwillige Beiträge machen laut der Debatte im Durchschnitt ein Fünftel des Gehalts eines chinesischen Arbeitnehmers aus. Wenn die erwartete Rendite zweifelhaft ist und die Demografie gegen einen spricht, ist die rationale Entscheidung für manche Teilnehmer klar: das Geld behalten.

Manche behaupten, in China funktionierten die Renten nach dem Kapitaldeckungsverfahren, verwaltet von lokalen Banken, die den Einzahlern mitteilen, was sie gezahlt haben und welche Rendite im letzten Jahr erzielt wurde. Demnach zahlt eine chinesische Selbstständige etwa 90 Euro im Monat und kann mit 55 Jahren in Rente gehen (mit 60 bei Männern). Dagegen spricht die in westlichen Medien verbreitete Version von einem Umlagesystem am Rand des Zusammenbruchs. Die beiden Erzählungen sind unvereinbar, und jeder Leser entscheidet, welcher er glaubt.

Die diskutierte Rechnung zu Pflichtbeiträgen

Das am häufigsten wiederholte Argument beruft sich nicht auf Ideologie, sondern auf Arithmetik. Eine in der Debatte kursierende Rechnung fragt, was passieren würde, wenn man statt in die Sozialversicherung 400 Euro monatlich über 30 Jahre in einen Index wie den S&P 500 investieren würde, bei einer durchschnittlichen Jahresrendite von 8 %. Das Ergebnis: rund 596.144 Euro. Dieses Kapital würde etwa 30.000 Euro jährliche Rente erbringen und zudem vollständig an die Erben übergehen. Im öffentlichen System kommt dieses Geld weder zurück noch wird es vererbt.

Der Vergleich ist nicht neutral: Er ignoriert die Inflation, Phasen negativer Renditen und die SparDisziplin, die nötig ist, um drei Jahrzehnte lang nicht an das Geld zu gehen. Aber die Größenordnung reicht, damit sich die Frage festsetzt: Warum zwangsweise einzahlen, wenn das erwartete Ergebnis schlechter ist? Ein erfahrener Einzahler bringt es unverblümt auf den Punkt: Mit 62 Jahren und fast 45 Beitragsjahren hätte er bei Kapitalanlage „vielleicht das Doppelte“ angesammelt.

Die Demografie als endgültiges Urteil

Das eigentliche Problem ist nicht der Wille der Jungen, sondern die Bevölkerungspyramide. China verzeichnete 2022 den ersten Bevölkerungsrückgang seit mehr als 60 Jahren. Die Gesellschaft altert in einem Tempo, das kein Umlagesystem verkraften kann, ohne eine Beitragsbasis, die im gleichen Tempo wächst. Und diese Basis wächst nicht: Nach der Ausgangsthese haben die Jungen, die das System tragen müssten, beschlossen, es nicht zu tun.

Der Vergleich mit Spanien ist unvermeidlich. Dort sind Beiträge für Arbeitnehmer und auch für Selbstständige Pflicht, ohne Wahlmöglichkeit. Der Unterschied liegt laut manchen Teilnehmern nicht im Design, sondern im Zwang: In China konkurriert das System um Beitragszahler, in Spanien wird es aufgezwungen. Das erklärt, warum die Debatte schnell zu einer unbequemen Frage führt: Wenn es hier freiwillig wäre, wie viele würden weiterzahlen?

Konsum als Druckmittel

Es gibt eine andere Form des Boykotts, die nicht über Bankkonten läuft. Ein Reisender berichtet, im September seien in Einkaufsvierteln von Peking und anderen Städten die Geschäfte leer gewesen: Niemand habe gekauft. Die daraus gezogene Deutung: Die Chinesen hätten beschlossen, mit den aktuellen Spielregeln nicht zu kooperieren, weder durch Arbeit noch durch Konsum, um dort zu treffen, wo es weh tut — in der Staatskasse. Dieselbe Rezeptur wird für Spanien vorgeschlagen: aufhören zu konsumieren als Form politischen Drucks.

Es ist eine schwer zu überprüfende Hypothese, die Ursachen vermischt — Konjunkturabschwung, Arbeitsunsicherheit, veränderte Gewohnheiten —, aber sie knüpft an eine Unzufriedenheit an, die Grenzen überschreitet. Die Generation, die in den Arbeitsmarkt eintritt, sieht im öffentlichen System kein Versprechen, sondern eine Rechnung.

Die Freiheit, die es hier nicht gibt

Das Paradox, das sich durch die ganze Analyse zieht, ist unbequem: Ein Land ohne freie Wahlen erlaubt seinen Bürgern zu entscheiden, ob sie Beiträge zahlen oder nicht, während eine formale Demokratie es per Gesetz vorschreibt. Das ist keine Verteidigung des chinesischen Modells — dessen Gesundheits- und Altenpflegesystem erst noch zeigen muss, wie es finanziert wird —, sondern eine Feststellung über den Spielraum individueller Entscheidung.

Das Szenario, das sich abzeichnet, wenn der Boykott sich verfestigt, sind Millionen alter Menschen ohne ausreichendes Einkommen, was den Staat zwingen würde, irgendeine Fürsorgeleistung zu schaffen. Das Endergebnis wären dieselben öffentlichen Ausgaben, aber ohne die Fiktion der Beitragsäquivalenz. Hat jemand berechnet, wie lange ein Umlagesystem braucht, um sich zu leeren, wenn diejenigen, die es füllen müssten, beschließen, wegzuschauen?

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (103 Antworten).

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