Jordi Wild und die 'ungebildete' Wählerschaft: ein Rahmen mit Geburtsfehler

Jordi Wild behauptete, VOX hole die Stimmen der 'weniger Gebildeten'. Der Rahmen stammt von 2019 und war damals schon brüchig, so die Debatteilnehmer

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Jordi Wild und die 'ungebildete' Wählerschaft: ein Rahmen mit Geburtsfehler
Jordi Wild und die 'ungebildete' Wählerschaft: ein Rahmen mit Geburtsfehler

Ein Tweet von Jordi Wild behauptet, nicht alle, die VOX wählen, seien Faschisten, aber die Partei habe es verstanden, die Sache zu verkaufen und die populistische, weniger gebildete Wählerschaft zu gewinnen — diejenige, die auf alles wütend ist. Der Satz ist Jahre alt — er wird auf 2019 datiert — und sorgt weiterhin für Wirbel. Das Problem ist nicht, was er sagt, sondern was er voraussetzt: dass es eine Stimme gibt, die durch den Bildungsgrad qualifiziert ist, und eine andere, die es nicht ist.

Der erste Einwand kommt vom Urheber selbst. Welche Autorität hat ein Content-Creator, Bildungs-Ausweise zu verteilen? Der zweite ist grundsätzlicher: Wählen macht einen nicht qualifiziert. Gewählt wird nach dem, was den Geldbeutel drückt, nicht danach, welches Amtsblatt man gelesen hat.

Von den 'schicken Kostgängern' zum 'Lumpen': der Wähler, der das Etikett wechselt

Es gab eine Zeit, da zeichnete man den VOX-Wähler als feinen Burschen von Privatschule und teurer Universität. Heute beschreibt man ihn als das Gegenteil. Beide Etiketten können nicht gleichzeitig stimmen, und das sollte zu denken geben angesichts der Angewohnheit, fremde Wählerschaften zu sortieren.

Der Rahmen 'gebildet' diente dazu, den Populismus von VOX mit dem von Podemos gleichzusetzen und nebenbei den eigenen weißzuwaschen. Heute angelt VOX eher in Arbeitervierteln als in Büros mit Diplom an der Wand, und Podemos hat sich eine andere Nische gesichert. Die Geometrie der Stimmen hat sich verschoben; das Vorurteil nicht.

Ist die VOX-Wählerschaft die am wenigsten gebildete Spaniens?

Nicht unbedingt. Manche weisen darauf hin, dass die am wenigsten gebildete Stimme, am Bildungsgrad gemessen, nicht die von VOX ist. Und andere erinnern daran, dass auch die Wähler anderer Parteien ihren Anteil an Schreibtischbeamten haben, die nie ein Unternehmen von innen gesehen haben: formale Bildung, null Praxis.

Verachtung, um den gebräuchlichen Begriff zu nehmen, macht vor Parteinamen nicht Halt. Das 'Alle sind Idioten, nur ich nicht' ist der Nationalsport, und wer ihn betreibt, steht meist ganz oben auf der Liste.

Populismus als Etikett der Bequemlichkeit

Höhere Renten und öffentliche Gehälter versprechen, ohne einen Cent in der Kasse — ist das Populismus oder ein Programm? Es hängt davon ab, wer es unterschreibt. Das Etikett klebt am Gegner und bleibt beim eigenen Lager. Darin liegt der Trick: Es definiert keine Politik, es definiert die, die sie wählen.

Die Frage, die im Raum steht, ist, ob es in Spanien überhaupt eine nicht-populistische Stimme gibt. Wenn alle Parteien versprechen, was sie nicht bezahlen können, verliert das Adjektiv jede Schärfe.

Vor diesem Hintergrund wird das Etikett 'weniger gebildet' weiter als Wurfgeschoss dienen und nicht als Analyse. Und unterdessen wird der Wähler weiter so wählen, wie der Schuh ihn drückt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (35 Antworten).

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