Japan: Über 5,4 Millionen Arbeitnehmer über 70

Japan hat 5,4 Millionen Arbeitnehmer über 70 und eine durchschnittliche öffentliche Rente von ca. 245 Euro/Monat laut Schätzungen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Japan normalisiert das Arbeiten über das 70. Lebensjahr hinaus

Wie viel muss ein Staat zahlen, damit seine Bevölkerung aufhört, das als „Ruhestand“ zu bezeichnen, was tatsächlich nur die Fortsetzung des Arbeitsalltags ist? Die Antwort in Japan ist unbequem: Eine durchschnittliche staatliche Rente von etwa 245 Euro pro Monat. Mit dieser Zahl auf dem Tisch bleiben mehr als 5,4 Millionen Beschäftigte im Alter von 70 Jahren oder älter aktiv, und 80 % derer, die das gesetzliche Rentenalter erreichen, geben an, weiterarbeiten zu wollen. Es ist keine Berufung. Es ist Arithmetik.

Die Daten stammen nicht aus saisonalen Schlagzeilen. Die Beschäftigungsquote der Über-65-Jährigen liegt in Japan bei 25,2 %, deutlich höher als die 18,6 % in den USA, 10,9 % in Großbritannien oder 3,9 % in Frankreich. 99,9 % der japanischen Unternehmen haben Maßnahmen ergriffen, um ihre erfahrenen Mitarbeiter über das 65. Lebensjahr hinaus zu halten, und fast ein Drittel garantiert bereits Beschäftigung bis zum 70. Lebensjahr oder darüber hinaus. Die Reform von 2023 hob das Pflichtalter von 60 auf 65 Jahre an. Die Unternehmen gingen noch einen Schritt weiter.

Warum arbeiten Japaner nach dem 70. Geburtstag?

Die erste Antwort ist die Lebenserwartung: 87,14 Jahre für Frauen und 81,09 für Männer. Das Erreichen des 65. Lebensjahres mit guter Gesundheit macht den Ruhestand zu einer langen Phase, die jemand finanzieren muss. Und das öffentliche System reicht nicht aus. Die maximale jährliche Rente im öffentlichen japanischen System beträgt 831.700 Yen, etwa 5.100 Euro pro Jahr. Zusammen mit privaten Fonds ergibt sich ein monatlicher Durchschnitt von 40.000 Yen. Zweihundertfünfundvierzig Euro. Davon kann man weder in Tokio noch in einem Dorf auf Hokkaido leben.

Die zweite Antwort ist demografisch. Es gibt mehr Empfänger als junge Beitragszahler, und das Haushaltsgleichgewicht der Renten leidet darunter. Die Geburtenrate stagniert seit Jahrzehnten. Das Ergebnis ist ein Arbeitsmarkt, der beschlossen hat, niemanden gehen zu lassen: weniger anspruchsvolle Tagschichten, an körperliche Einschränkungen angepasste Arbeitszeiten und Verträge, die Beständigkeit belohnen. „Im Vergleich zu jungen Menschen, die eine hohe Fluktuationsrate haben, sind Senior-Fachkräfte, die länger bei uns bleiben, das Fundament unseres Unternehmens“, fasst der Präsident eines im Material genannten Technologieunternehmens zusammen.

Die Rechnung, die die Erzählung vom goldenen Ruhestand entkräftet

Im Hintergrund steht eine Debatte, die über Japan hinausgeht: Ist der Ruhestand ein Recht oder eine finanzielle Situation? Eine im Diskurs zirkulierende Rechnung setzt Zahlen auf die Falle. Wer auswandert und in Spanien keine Beiträge mehr zahlt, spart etwa 1.800 Euro monatlich an Steuern, was über zehn Jahre 216.000 Euro summiert. Bleibt man aber und zahlt ein, könnte die zwischen 65 und 85 Jahren bezogene Rente 552.000 Euro erreichen. Die Frage ist offensichtlich: Wie werden aus 216.000 Euro 552.000 Euro? Die Antwort liegt im Umlageverfahren, wo die Beiträge der Aktiven die Renten der Passiven finanzieren. Die vollständige Aufschlüsselung zeigt eine überraschende Differenz.

Es ist keine ausschließlich spanische Debatte. In Chile wird das System der individuellen Kapitalisierung wegen der Höhe der Renten kritisiert, doch Befürworter erinnern daran, dass die chilenischen Beiträge bei rund 10 % liegen, während sie in Spanien über 30 % der Arbeitgeberkosten ausmachen. Ein Vergleich wäre ehrlicher, wenn man die chilenischen Renten verdreifachte. Dieses Argument wiederholt sich bei jeder Reform: Man vergleicht das Bezogene ohne Blick auf das Eingezahlte.

Wer gewinnt und wer verliert durch späteren Ruhestand?

Das Profil der Begünstigten ist nicht einheitlich. Wer 200 Euro mehr verdient, wenn er arbeitet statt in Rente geht, und einen körperlich harten Job hat, möchte so schnell wie möglich aufhören. Wer 2.000 Euro mehr verdient, im Büro sitzt und Karriereperspektiven hat, hat es nicht eilig. Siebzig ist das neue Sechzig für manche; für andere ist es ein Urteil. Sonnenexposition, beschädigte Wirbel, gerissene Menisken und schlecht angesehene Krankmeldungen tauchen in der offiziellen Erzählung nicht auf.

Die andere Front betrifft zukünftige Renten. Wer heute zusätzliche Steuern zur Finanzierung der aktuellen Renten zahlt, wird eigene Kürzungen sehen. Dies geschah bereits mit der Einfrierung der meisten Renten und einer Erhöhung um 0,25 % in einem Umfeld höherer Inflation. Der Verdacht, dass die Anpassung zulasten der Noch-Nicht-Ruheständler erfolgt, ist keine Theorie: Es ist die Mechanik des Systems.

Die Frage, die über der gesamten Debatte schwebt]

Ist ein Modell tragfähig, in dem die staatliche Rente minimal ist und privates Sparen faktisch obligatorisch wird? Befürworter des Umlageverfahrens argumentieren, dass es allen einen würdevollen Lebensabend garantiert. Kritiker weisen darauf hin, dass das Geld nie die Hände des Beitragszahlers passiert und die Generationensolidarität zu einer Zwangsübertragung geworden ist. In Japan wartet die Realität unterdessen nicht auf Theorie: Jeden Morgen stehen Millionen von Menschen über 70 auf, um zur Arbeit zu gehen. Nicht weil sie wollen. Sondern weil die Rente nicht reicht.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (118 Antworten).

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