Jagd in Spanien: Halber Rückgang seit 1950, Kollaps bis 2050 prognostiziert

Die Zahl der Jäger in Spanien ist um 50% gesunken. Der Nachwuchs bricht ein: Nur 6.000 Neueintritte pro Dekade.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Jagd in Spanien: Halber Rückgang seit 1950, Kollaps bis 2050 prognostiziert
Spanien verliert die Hälfte seiner Jäger und den Nachwuchs

In den 70er-Jahren traten fast 85.000 neue Jäger pro Jahrzehnt bei. In den letzten zehn Jahren waren es kaum noch 6.000. Diese Differenz zeigt die Lage einer Gruppe, die schneller ausstirbt als sie sich erneuert: Die Jagdaktivität ist in einem halben Jahrhundert um 45% und allein in den letzten 15 Jahren um 26% zurückgegangen. Dies dokumentiert eine Studie in der Zeitschrift People and Nature, verbreitet durch El Confidencial, mit einem unbequemen Szenario: Wenn nichts ändert, wird die Jagd bis 2050 um 70% abgenommen haben und der Anteil der über 60-jährigen Amateure von 40% auf 61% steigen.

Verfasst wurde die Arbeit von José Daniel Anadón, Wissenschaftler am Instituto Pirenaico de Ecología (IPE-CSIC). Seine Basis sind rund 600.000 Jäger aus sechs autonomen Gemeinschaften —Andalusien, Murcia, Kastilien-La Mancha, Madrid, Aragonien und Navarra— sowie Portugal, eine Gruppe, die fast 60% der Bevölkerung und Fläche der Iberischen Halbinsel repräsentiert. Die Autoren warnen, dass Galizien, Asturien und Kastilien-León nicht berücksichtigt wurden, obwohl diese Regionen am stärksten überaltert sind. Übersetzt heißt das: Die globalen Daten könnten sogar schlechter sein.

Was die Studie zum Verfall der Jagd in Spanien sagt

Die Arbeit beschreibt keinen temporären Einbruch, sondern einen demografischen Kollaps durch fehlende Rekrutierung. Der Zulauf junger Menschen ist seit 50 Jahren um 89% eingebrochen. Das Ergebnis: Die größte Altersgruppe liegt nun zwischen 61 und 70 Jahren. Der Rückgang ist zudem konstant; gute Jahre kompensieren die schlechten nicht.

Die Erklärung hat historische Wurzeln. Die Jagd war in der Agrargesellschaft eine Subsistenzwirtschaft und wurde mit der Landflucht in den 60er-Jahren zum Hobby. Diese Generation jagte weiter. Die nächste nicht mehr. Damit ein Junge Interesse findet, braucht es etwas so Einfaches wie Schwieriges: Dass der Vater ihn früh ins Feld mitnimmt. Im städtischen Umfeld ist die Jagd nur eine Option unter vielen, die mit anderen Freizeitbeschäftigungen oder Naturkontakten konkurriert. Niemand gewinnt diesen Kampf durch Trägheit.

Warum fehlt der generationelle Nachschub?

Weil die Jagd vom ländlichen Raum lebt. Die Beteiligung an Jagdaktivitäten ist in kleinen Ortschaften bis zu achmal höher als in großen Städten: Je leerer die Gemeinde, desto weniger Gewehre. Der Verfall der Jagd ist weitgehend der Verfall der ländlichen Welt, gemessen an einer anderen Metrik.

Der demografische Aderlass selbstverstärkt sich. Manche behaupten, ohne dies belegen zu können, dass Neulinge auf eine sehr geschlossene Szene treffen, geprägt von Familienclans und alten Hierarchien, wo es nicht immer einfach ist, ohne Fürsprecher akzeptiert zu werden.

Die Kosten der Jagd: Vom Volksvergnügen zum teuren Sport

Die Klage wiederholt sich: Früher war Jagen für jeden erschwinglich, heute ist es extrem teuer. Addiert man Benzin, Fahrzeugabschreibung, Jagdpacht, Verwaltungsgebühren und Munition, ergibt sich ein Hobby, das preislich mit vielen anderen konkurriert.

Hinzu kommt die Regulierung. In Katalonien führte laut Berichten im Diskurs ein besonders restriktives, bürokratisches Jagdgesetz dazu, dass Enthusiasten monatelang in eine Art Gewehr-Streik traten. Dieselbe Version erwähnt Wildschweine, die durch Straßen laufen und Müllsäcke in Gemeinden mit Tür-zu-Tür-Entsorgung öffnen.

Wildschweine, Kaninchen und Papageien: Plagen ohne Jäger

Die Liste der Jagdbefürworter ist lang: Kaninchen, Hasen, Wildschweine, Halsbandsittiche, Welse, Amerikanischer Flusskrebs und Blauer Krebs. Arten, die ihrer Meinung nach als Plage auftreten und Kulturen, Infrastruktur und heimische Fauna belasten.

Das beste unfreiwillige Labor sind die Nationalparks, wo kommerzielle und Sportjagd seit 2020 verboten ist. Dort wird das Management schwierig: Ein Übermaß an Huftieren wie Hirschen und Wildschweinen richtet Schäden bei anderen Tierarten und sogar bei der Vegetation an. Der Artikel fragt, ob dies die Zukunft der gesamten Halbinsel ist, wenn Jäger diese Populationen nicht regulieren.

Braucht man wirklich Jäger für das ökologische Gleichgewicht?

Es gibt keine klare Antwort: Der Einfluss der Jagd auf Ökosysteme wird unter Wissenschaftlern diskutiert. Klar ist, dass die alte Verfolgung von Tieren zur Selbstversorgung oder zur Bekämpfung von Raubtieren des Viehs nicht mehr existiert. Was bleibt, ist laut Anadón eine Sportjagd, deren Wirkung schwer zu bewerten ist. Und genau diese Unsicherheit treibt die Gräben an.

Eine Strömung argumentiert, dass der Wolf diese Rolle teilweise übernehmen kann: Er jagt selektiv, greift zuerst schwächere Exemplare an und kontrolliert Populationen langsam, ohne Treibjagden. Die Gegenposition hält dagegen, dass Wolfsrudel sich nur langsam ausbreiten, bereits Angriffe auf Ziegen und Vieh stattfinden und jemand die Tiere entfernen muss, bis dieses Gleichgewicht erreicht ist. Wer? Man deutet auf Forstbeamte hin, also auf öffentliche Finanzierung.

Jagd als Wirtschaftsfaktor im ländlichen Raum

Die Debatte ist nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch. Die Jagd hat erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen in ländlichen Gebieten mit großer Jagdtradition, wobei Kastilien-La Mancha oft als Beispiel dient. Rund 2,2% der Bevölkerung der Iberischen Halbinsel jagen, eine der größten Gruppen Europas.

Ein Geschäftsbereich, den die Branche als Alternative betont, ist die Drückjagd bzw. Bewegungsjagd, die zu Fuß, mit Hunden und leise stattfindet. Sie ähnelt am meisten einem Sport und lässt sich gut als prestigeträchtiger Jagdtourismus verkaufen. Erfordert allerdings große zusammenhängende Flächen.

Ein Detail, das die Branche hervorhebt: Tausende Huftiere werden jährlich in Farmen gezüchtet, weil die Nachfrage besteht. Laut diesem Argument verschwindet die Nachfrage nach Fleisch oder Trophäen nicht mit der Jagd; sie wird nur anderswo gedeckt, wahrscheinlich weniger kontrolliert.

Kann man den Wald erhalten, wenn niemand für sein Management zahlt? Das ist eine der Fragen, die die Debatte überschatten, wenn der private Jäger scheinbar durch Alter und Kosten zum Aussterben verurteilt ist.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (257 Antworten).

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