Iustitia Europa: Vom Wahlstreit zu Klagen gegen die spanische Regierung

Die Partei Iustitia Europa focht das EU-Wahlergebnis an, meldete den Verlust von 800 Stimmen und reichte Strafanzeigen gegen Sánchez, Marlaska und Begoña Gómez ein.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Iustitia Europa: Vom Wahlstreit zu Klagen gegen die spanische Regierung
Iustitia Europa: Vom Streit um die EU-Wahl bis zu Anzeigen gegen die Regierung

Die unter der Leitung von Luis María Pardo stehende Partei hat Gerichte zu ihrem wichtigsten politischen Instrument gemacht. Seit Juli 2024, als sie die allgemeine Auszählung der Europawahlen vor dem Tribunal Supremo (Oberster Gerichtshof) anficht, hat Iustitia Europa eine Kette von Strafanzeigen, Beschwerden und Beitritten als Nebenkläger gegen die Regierung von Pedro Sánchez, die Gesundheitsministerin, den Vox-Vorsitzenden und das Umfeld von Begoña Gómez eingeleitet. Die Formation präsentiert sich als die einzige Partei, die Angelegenheiten gerichtlich klärt, die andere im Schrank lassen.

Die allgemeine Auszählung am 9J: Verschwindende Stimmen und abgeschaltete Kameras

Der erste Kampf war die Zählung. Iustitia Europa berichtete, dass die Junta Electoral Provincial de Madrid (Provinzwahlkommission Madrid) Aufnahmen der allgemeinen Auszählung untersagte, eines Vorgangs, den die Partei als öffentlich ansah. Nach ihrer Darstellung verletzte diese Maßnahme Artikel 8.2 des Organgesetzes 1/1982, der die Aufnahme von Bildern öffentlicher Amtsträger bei öffentlichen Veranstaltungen erlaubt. Die Partei legte Beschwerde bei der Junta Electoral Central (Zentrale Wahlkommission) ein; nach eigenen Angaben haben nur PP und PSOE ihre Beschwerde angefochten.

Der schwerste Schlag kam mit den Zahlen. Iustitia Europa behauptet, dass sie nach der allgemeinen Auszählung von 27.407 auf 26.611 Stimmen fiel, ein Verlust von mehr als 800 Stimmen in Wahllokalen ohne Wahlbeobachter oder Bevollmächtigte. Die Partei spricht offen von einem „bewaffneten Raubüberfall“ und einer „Strafe“ für die Meldung von Unregelmäßigkeiten in den Provinzkommissionen. Sie reichte zehn Beschwerden in Tarragona, Palma, Cádiz, Sevilla, Huelva, Córdoba, Murcia, Málaga, Tenerife und Almería ein und kündigte eine verwaltungsrechtliche Wahlanfechtung beim Obersten Gerichtshof mit bis zu sechs Gründen für Ungültigkeitserklärungen an.

Die juristische Offensive gegen die Regierung und ihre Minister

Der Sprung in die nationale Politik erfolgte durch Strafanzeigen. Iustitia Europa erstattete Anzeige gegen den Regierungschef wegen angeblichen Hochverrats an Spanien, gegen die Gesundheitsministerin wegen angeblicher Beleidigung und Hasses sowie gegen den Vox-Vorsitzenden wegen desselben Tatbestands des Hochverrats. Die Partei trat auch als Nebenklägerin in den Fällen Begoña Gómez, Pegasus und Koldo auf, wo sie zusammen mit Hazte Oír (Verein zur Verteidigung der Familie) die Vernehmung von Pedro Sánchez, Nadia Calviño und Führungskräften der UCE-GAO (Einheit für Cyberkriminalität und Organisierte Kriminalität) der Guardia Civil beantragte.

Im Oktober 2024 beantragten beide Nebenklagen neun dringende Maßnahmen im Fall Koldo, einschließlich der Einleitung von zwei getrennten Verfahren für den Fall Delcy und die Rettung von Air Europa, sowie die Ladung von Ábalos, Armengol und Gómez als Beschuldigte. Die Strategie ist klar: Die Regierung vor Gericht treffen, während das Parlament wegschaut.

Die DANA in Valencia und die Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung

Nach der Katastrophe der DANA (Starkregenflut) in Valencia erstattete Iustitia Europa Anzeige beim Tribunal Supremo wegen unterlassener Hilfeleistung, pflichtwidriger Rechtsprechung, fahrlässiger Tötung und Körperverletzung gegen Pedro Sánchez und Innenminister Fernando Grande-Marlaska. Die Partei kündigte auch Schritte gegen den Präsidenten der Generalitat Valenciana, Carlos Mazón, an. „Die Zivilgesellschaft hat genug gesagt“, proklamierte die Partei in ihren Mitteilungen.

Ceuta, das Enkelgesetz und das Wählerverzeichnis: Der Kampf um Transparenz

Im September bestimmte die Audiencia Nacional (Nationaler Gerichtshof) Iustitia Europa zur Vertretung aller Nebenkläger im Fall des massenhaften Migranten-Einstroms in Ceuta. Die Partei aktivierte drei Wege: den Nationalen Gerichtshof, den Internationalen Strafgerichtshof gegen Marokko und Mohammed VI. sowie eine Beschwerde bei der Europäischen Kommission, die mit dem Aktenzeichen CPLT(2026)02717 angenommen wurde.

Parallel dazu reichte Iustitia Europa bei der Junta Electoral Central ein 29-seitiges Schreiben ein, um die gesamte Kette des Auslandsverzeichnisses zu prüfen: Staatsangehörigkeit, Standesamt, Konsulate, NIE (Ausländeridentifikationsnummer), PERE (Registrierung spanischer Staatsangehöriger im Ausland) und CERA (Wählerverzeichnis der im Ausland lebenden Spanier). Die Partei behauptet, das Ley de Nietos (Enkelgesetz) habe massenhafte Registrierungen von Wählern in bestimmten Provinzen ohne Kontrolle ermöglicht. Der Oberste Gerichtshof leitete die Angelegenheit an die Zentrale Wahlkommission und die Abogacía del Estado (Staatsanwaltschaft) weiter, damit diese innerhalb von 48 Stunden Stellung zu den vorsorglichen Maßnahmen nahmen.

Die Partei, die Stimme der Zivilgesellschaft sein will

Iustitia Europa definiert sich als „die politische Partei der Zivilgesellschaft“ und hat Luis María Pardo zum Kandidaten für das Amt des Regierungschefs erklärt. Ihre Rhetorik mischt den Schutz individueller Freiheiten, Kritik an der Agenda 2030, Ablehnung digitaler Identitäten und Widerstand gegen das, was sie das „Regime von 1978“ nennen. In Foren reichen die Reaktionen von enthusiastischem Beitritt bis hin zu Skepsis gegenüber ihrem Wachstumspotenzial: „Es gab immer solche Parteien, und sie sind immer gescheitert“, fasst eine der kritischsten Stimmen zusammen.

Die Partei häuft weiterhin gerichtliche Verfahren an. Die Frage ist nicht, ob sie in allen recht hat, sondern ob ihre Strategie, alles zu justifizieren, letztlich electoral Erfolg bringt oder ob es bei einem Tropfen von Anzeigen ohne Wählerzugkraft bleibt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (287 Antworten).

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