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Italienisches Unternehmen verspricht grünen Wasserstoff für 1 €/kg
Sedes H verspricht günstigen grünen Wasserstoff ohne Druck oder Kälte, unterstützt von Freimaurern und Rothschild-Kontakten, aber ohne wissenschaftliche Belege.
Grüner Wasserstoff für 1 €/kg ohne Druck oder Kälte: Ein Versprechen, das der Thermodynamik widerspricht
In einer öffentlichen Bibliothek in Mailand kündigte eine Gruppe von Personen mit Anzug und finanzieller Herkunft etwas an, was die Physik bestenfalls als Wunder betrachtet: grüner Wasserstoff zu einem Euro pro Kilogramm, hergestellt bei Raumtemperatur und niedrigem Druck, ohne konventionelle Elektrolyse und ohne Subventionsbedarf. Das Unternehmen Sedes H prahlt mit Verbindungen zur italienischen Freimaurerei und einem Beratungsgremium, dem ein Managing Director von Rothschild & Co angehört. Was es nicht vorweisen kann, ist auch nur ein einziger Ingenieur, Chemiker oder Physiker in seiner Organisationsstruktur.
Das Problem der Physik: Zahlen, die nicht aufgehen
Wasserstoff ist das leichteste Element und gleichzeitig das flüchtigste. Bei atmosphärischem Druck nimmt ein Kilogramm gasförmiger Wasserstoff 11,2 Kubikmeter ein. Zur Veranschaulichung: Ein Tank, der ihn bei Raumtemperatur enthält, müsste größer sein als das Fahrzeug, das er antreibt. Die Gasdichte bei normalem Druck beträgt 0,081 Kilogramm pro Kubikmeter. Ihn ohne Komprimierung oder Verflüssigung zu speichern, ist schlicht ein Platzproblem, das kein Zauberstab löst.
Auch die Produktion ist nicht kostenlos. Das Aufbrechen der Sauerstoff-Wasserstoff-Bindungen im Wasser erfordert etwa 55 kWh Energie pro gewonnenem Kilogramm Wasserstoff, was dann etwa 40 kWh liefert. Das heißt, der Prozess verbraucht mehr, als er zurückgibt. Die maximale theoretische Effizienz, die in der Industrie angestrebt wird, liegt bei rund 85-90 %, und das nur mit fortschrittlicher Elektrolyse und erneuerbaren Überschüssen. Das italienische Unternehmen behauptet, seine Methode sei keine Elektrolyse, erklärt aber nicht, was sie ist. Es hat auch kein technisches Paper veröffentlicht und keinen unabhängigen Wissenschaftler den Prozess überprüfen lassen.
Ein Vorstand ohne Wissenschaftler
Was über Sedes H bekannt ist, sind die Personen in seinem Umfeld. Andrea Notaro, Managing Director von Rothschild & Co, leitet das Beratungsgremium. Maria Alberta Viviani Corradi-Cervi sitzt im Verwaltungsrat. Nach durchgesickerten Informationen hat das Projekt bereits mehr als 150 Millionen Euro ausgegeben. Dennoch hält das Unternehmen die Identität seiner F&E-Mitarbeiter geheim, sogar deren Initialen. Das technische Personal sei, so heißt es, „militarisiert“.
Die Abwesenkeit erkennbarer technischer Profile ist der auffälligste Datenpunkt. In einem Projekt, das verspricht, den Energiesektor zu revolutionieren, würde man mindestens einen Namen mit Qualifikationen in Chemie oder Ingenieurwesen erwarten. Keiner taucht auf. Nur Führungskräfte, Berater und institutionelle Beziehungen.
Das Muster der Scharlatane: Von kalter Fusion zum Murcia-Graphen
Die Geschichte der Energie ist voll von großspurigen Ankündigungen, die sich in Luft auflösten. Die kalte Fusion, 1989 von zwei Italienern präsentiert, versprach unbegrenzte Energie bei Raumtemperatur. Biodiesel aus Algen zog Millioneninvestitionen großer Unternehmen an, bevor sich seine wirtschaftliche Untragbarkeit herausstellte. Der Graphen aus Murcia hatte eine pompöse Präsentation und endete im Nichts. Luftmotoren, Hebelmechanismen, iranische Magneten... Die Liste ist lang.
Es gibt ein gemeinsames Muster: Wenn jemand etwas Reales hat, veröffentlicht er ein technisches Paper, wendet sich an Investoren und sucht die Anerkennung der wissenschaftlichen Gemeinschaft. Wenn man ein selbstgemachtes Video in einer geliehenen Bibliothek und ein Publikum aus Rentnern hat, sieht die Sache schlecht aus. Die Ankündigung von Sedes H passt in die zweite Kategorie.
Die These der Kontrolle, nicht der Technologie
Manche vertreten eine verdrehtere Interpretation. Wenn das Projekt technisch nicht tragfähig ist, warum wird es dann von so mächtigen Personen vorangetrieben? Die kursierende Antwort ist beunruhigend: Wir stehen nicht vor einem Versuch, die Energie zu revolutionieren, sondern vor einer Ankündigung, die sich an einen ausgewählten Kreis richtet. Eine verschlüsselte Botschaft, die sagt: „Wir haben etwas, mit dem wir unsere Kontrolle erhöhen können, und wir werden es nutzen.“ Sie sind nicht gegangen, um den Nobelpreis zu bitten oder der wissenschaftlichen Gemeinschaft etwas zu beweisen. Sie sind gegangen, um ihren Leuten mitzuteilen, dass die Macht in denselben Händen bleibt.
Das Unternehmen verzichtet seinerseits auf öffentliche Zuschüsse. Wenn die Technologie echt wäre, bräuchte sie diese nicht. Wenn sie es nicht ist, ist der Verzicht eine Art, die Überwachung durch öffentliches Geld zu vermeiden. Unterdessen erscheint der versprochene Preis von einem Euro pro Kilogramm wie eine Chimäre: Eine häusliche Anlage im Wert von 20.000 Euro mit Wartung, Verbrauchsmaterialien und Regeneration würde die tatsächlichen Kosten pro Kilogramm weit über diesen Wert treiben.
Grüner Wasserstoff ist zweifellos ein Schlüsselstück für die Zukunft der Energie. Australien hat ein riesiges Erneuerbare-Energien-Projekt in der Größe Sloweniens genehmigt, um Wasserstoff zu produzieren und Überschüsse zu speichern. Aber das ist eine andere Geschichte: die der echten Ingenieurskunst, mit ihren Kosten, Effizienzen und Grenzen. Die Geschichte von Sedes H ist die eines Märchens mit mächtigen Paten, 150 Millionen ausgegeben und keinem Beweis. Die Physik verhandelt, wie immer, nicht.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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