Italien plant 26 % Steuer auf unverrealisierte Gewinne bei Auswanderung

Italien schlägt eine Exit-Steuer von 26 % auf unverrealisierte Kursgewinne vor, für alle, die ihren Steuerwohnsitz ins Ausland verlegen. Der Entwurf…

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Italien plant 26 % Steuer auf unverrealisierte Gewinne bei Auswanderung
Italien will 26 % fürs Gehen: die Exit-Steuer, die mit Meloni kommt

Italien will dafür kassieren, dass Leute gehen. Der Entwurf des Haushalts 2027, vorgelegt von der Regierung Giorgia Melonis, sieht eine Exit-Steuer von 26 % auf unverrealisierte Wertsteigerungen für alle vor, die ihren Steuerwohnsitz ins Ausland verlegen. Die Maßnahme, niedergelegt in Artikel 17 des Gesetzentwurfs, der der Abgeordnetenkammer zugeleitet wurde, betrifft Privatpersonen, nichtkommerzielle Körperschaften und Personengesellschaften mit Finanzvermögen. Verkauft werden muss nichts: Es genügt, das Vermögen zu besitzen und das Land zu wechseln.

Der Mechanismus heißt Exit-Steuer und ist keine italienische Erfindung. Spanien wendet sie seit 2015 ab einer Million Euro an, und die Niederlande haben eine ähnliche Regelung erwogen. Neu sind die Schwelle und die Härte des Satzes. Nach den kursierenden Details greift die Millionengrenze nur, wenn man mehr als 25 % eines Unternehmens besitzt; bei Aktien oder Beteiligungen an beliebigen Gesellschaften steigt die Hürde auf vier Millionen. Girokonten, Kryptowährungen, Immobilien, Rentenpläne und Anleihen bleiben außer Ansatz.

Was die italienische Exit-Steuer genau besteuert

Die Steuer erfasst nicht das gesamte Vermögen, sondern nur die Wertsteigerung der Finanzanlagen. Die offizielle Idee ist, diesen Gewinn zu "kristallisieren", bevor der Steuerpflichtige in Italien nicht mehr steuerlich ansässig ist. Das heißt: Hat jemand Aktien für 100.000 Euro gekauft, die heute 300.000 wert sind, will das italienische Finanzamt 26 % auf die Differenz von 200.000 – obwohl nichts verkauft wurde. Die Veranlagung erfolgt im Moment des Wegzugs.

Die technische Rechtfertigung lautet, so werde verhindert, dass jemand mit einer unversteuerten Gewinnreserve geht, die in Italien nie besteuert würde. Die Kritik: Besteuert wird ein Reichtum, der erst beim Verkauf in der Tasche ankommt. Manche weisen darauf hin, dass der italienische Satz härter ist als der spanische und dass die Vier-Millionen-Schwelle für Aktien die Regel praktisch unwirksam macht: Wer geht, verkauft meist vor dem Umzug – oder deklariert es schlicht nicht.

Die Schulden im Hintergrund: Warum Staaten dort Geld suchen, wo keines ist

Der Kontext ist kein Zufall. Italien bringt seine öffentlichen Finanzen seit Jahrzehnten nicht ins Gleichgewicht, Frankreich ebenso wenig. Die naheliegende Lesart der Analysen: Europäische Regierungen durchforsten neue Bemessungsgrundlagen, weil die traditionellen nicht mehr hergeben. Eine Steuer auf Auswanderer ist politisch billig: Sie trifft wenige und fällt in keiner Gehaltsabrechnung der Daheimgebliebenen auf.

Die Debatte verschob sich rasch auf die Ausgaben. Manche halten das Problem nicht für fehlende Einnahmen, sondern für die Größe des Staates und das Gewicht von Renten und öffentlichen Gehältern. Andere entgegnen: Ohne Einnahmen gibt es kein Gesundheitssystem und keine Infrastruktur. Das Ergebnis ist das gewohnte: eine neue Steuer, die das Loch nicht stopft, und eine Debatte, die die Ausgaben nie berührt.

Die Kapitalverkehrsfreiheit auf dem Prüfstand

Das meist wiederholte Argument: Etwas zu besteuern, das nicht verkauft wurde, kollidiert mit dem freien Kapital- und Personenverkehr, auf den die EU so stolz ist. Der Vergleich, der kursiert, ist die Mauer: Die UdSSR baute sie auf, damit die Leute nicht gehen; heute zahlt man fürs Gehen. Die Ironie: Die Steuer greift genau dann, wenn der Steuerpflichtige den Wegzug bereits beschlossen hat – das senkt den Anreiz zu bleiben und erhöht den, den Auszug früh zu planen.

Die offene Frage ist, ob Brüssel so etwas toleriert. Der spanische Präzedenzfall von 2015 deutet darauf hin, sofern die Ausgestaltung sorgfältig erfolgt. Doch der italienische Fall ist aggressiver und trifft eine Gruppe mit genug Ressourcen, um zu klagen. Die vorsichtigste Prognose: Der Endtext wird im Parlamentsverfahren abgemildert, wobei der Zeitrahmen ungewiss ist.



Die Maßnahme kommt in einem Moment, in dem mehrere europäische Regierungen nach Wegen suchen, Haushalte zu stützen, die nicht aufgehen. Kommt die Steuer so durch, wird Italien zum europäischen Land mit der härtesten Exit-Steuer für hohe Vermögen. Wird sie abgemildert, ist das der x-te Beweis, dass steuerliche Ankündigungen genau so lange halten wie das Gesetzgebungsverfahren.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (57 Antworten).

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