Spanien braucht 200.000 Ingenieure – aber niemand fragt nach dem Gehalt
Fehlen in Spanien Ingenieure oder fehlen Ingenieure, die bereit sind, für das gebotene Gehalt zu arbeiten? Die Schlagzeile, die diese Debatte auslöste, war eindeutig: Das Land muss in den nächsten zehn Jahren 200.000 neue Ingenieure aufnehmen, während weniger als 10 % aller Universitätsstudenten ein Ingenieurwesen-Studium beginnen. Auf dieser Dringlichkeit wurde eine Erzählung von nationaler Notlage aufgebaut, die jedoch immer an derselben Stelle zerbricht: beim Gehalt. Und mit einem Verdacht im Hintergrund, wie einer der Kommentatoren andeutet: Wer solche Schlagzeilen schreibt, braucht keine Ingenieure, er braucht eingeschriebene Studenten.
Fehlen Ingenieure oder fehlende zahlende Studenten?
Es fehlen vor allem Studenten, und das stützt die unbequemere Lesart der Botschaft. Was das System angeblich braucht, sind Ingenieurstudierende, die vier, fünf oder sechs Jahre lang Studiengebühren zahlen, nicht qualifizierte Fachkräfte für den Arbeitsmarkt. Ein leerer Studiengang zieht einen Master, eine Promotion und ganze Abteilungen nach sich, was den Alarmton besser erklärt als jeder industrielle Engpass.
Hinweise von Jobmessen deuten in dieselbe Richtung, wie ein Nutzer berichtet. Bei der letzten Branchenveranstaltung in Irún waren laut seiner Aussage alle Aussteller Zeitarbeitsfirmen und große Einzelhandelsketten, die alle dasselbe Profil suchten: Bereitschaft zu Schicht- und Wochenendarbeit. Keine einzige regionale Industrie. Kein einziges Stellenangebot für akademische technische Profile.
Die verblüffende Rechnung: 750.000 Absolventen
In Spanien gibt es rund 750.000 Ingenieure, so die Schätzung eines Teilnehmers in der Diskussion. Im Verhältnis zur Größe der Wirtschaft und des Produktionssektors würde diese Zahl Frankreich, Italien und Großbritannien übertreffen und Deutschland nahekommen – einem Land mit deutlich höherem industriellen Gewicht. Die daraus gezogene Schlussfolgerung ist unangenehm: Es gibt mehr Abschlüsse, als das produktive Gewebe anbieten kann.
Woher kommt dann der Mangel? Für einige Teilnehmer liegt es an der Überqualifikation. Manche behaupten, dass ein Großteil der technischen Jobs von Ingenieuren ausgefüllt wird, die Aufgaben erledigen, die eigentlich einer höheren Berufsausbildung (FP) entsprechen würden, wenn nicht sogar rein administrativen Tätigkeiten ohne technischen Inhalt. Für Stellen, die mit einer FP besetzt werden könnten, werden Master und Doktortitel verlangt, und das Gehalt wird tariflich festgelegt. Die Theorie der inhaltsleeren Jobs ohne Mehrwert hat hier, für ihre Befürworter, ihren Fallbeispielcharakter.
1.200 Euro pro Monat: Die Zahl, die die Lücke erklärt
Das Lohnniveau wird, basierend auf den im Thread genannten Angeboten, durch 25 Euro brutto pro Stunde über Vermittlungsagenturen bestimmt, von denen Sozialabgaben, Urlaubstage und die Marge des Vermittlers abgezogen werden werden müssen. Mit Glück, so dieselbe Rechnung, landet der Absolvent bei 15.000 Euro Bruttojahresgehalt. Das entspricht dem Gehalt eines Supermarkt-Auffüllers, mit dem Nachteil, dass dieser keine Berufserfahrung sammelt.
Am anderen Ende zeigen manche Angebote zwischen 27.000 und 30.000 Euro pro Ingenieur an, beworben von Unternehmen, die Verzweiflung signalisieren. Der Kontrast wird, wie erzählt wird, durch die Basis der Belegschaft deutlich: Mitarbeiter mit mehr als einem Jahr Betriebszugehörigkeit verdienen 1.200 Euro monatlich, Montag bis Samstag, verglichen mit den 1.260 Euro, die in autonomen öffentlichen Einrichtungen – das Beispiel ist LABORA in der Comunidad Valenciana – für weniger anspruchsvolle Aufgaben, ohne Ziele, ohne Fristen und mit freiem Nachmittag gezahlt werden. Es ist kein Problem der Berufung.
Warum wechseln erfahrene Ingenieure in den Staatsdienst?
Weil die Alternative schlechter ist, sagen diejenigen, die es erleben. Mit 15 oder mehr Jahren Berufserfahrung nehmen manche Profis unbezahlten Urlaub, um die Prüfung für eine Lehrstelle an weiterführenden Schulen abzulegen, der nächstliegende Ausweg, und es ist kein Einzelfall: Es wird berichtet, dass Prüfungen für die Berufsbildung leicht bestanden werden, weil es wenig Konkurrenz gibt, und dass man selbst bei Nichtbestehen auf die Warteliste kommt und bald angerufen wird.
Der Rest verteilt sich auf das Ausland und den harten Ausstieg. Manche sind seit dreizehn Jahren raus aus dem Trott, müde von vielen Stunden Arbeit und geringer Vergütung. Und innerhalb der Firmen wird das Muster zugegeben: Technische Kandidaten werden eingestellt, im Wissen, dass sie gehen werden, daher zahlt man nach Tarif und rotiert. Das Ergebnis, so die Darstellung, ist eine Belegschaft, in der jeden Tag jemand geht und jemand anderes kommt.
Der demografische Faktor: 1,1 Kinder pro Frau
Die Geburtenrate liegt bei 1,1 Kindern pro Frau, wobei manche anmerken, dass die Zahl inklusive Migration auf 1,2 steigt, sodass die Rate der hier geborenen Frauen deutlich darunter läge. Daraus folgt eine wiederkehrende Prognose: Es werden qualifizierte Arbeitskräfte in allen Sektoren und Spezialisierungen fehlen, unabhängig davon, wie viel bezahlt wird.
Die Gegenargumentation ist ebenso direkt. Wenn das Gehalt stimmt, findet sich der Kandidat; wenn nicht, bleibt der Markt leer und das Talent wandert ab. Ob Migrationsströme diese Lücke füllen können, ist eine Meinungsfrage, die nicht durch Daten gestützt wird.
Mit 750.000 Absolventen, Angeboten, die bei 1.200 Euro starten, und einer Geburtenrate, die nicht steigt, bleibt die eleganteste Lösung die altbekannte: Einschreibezahlen erhöhen und darauf warten, dass am ersten Studientag jemand die Gebühren zahlt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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