Das Ringen um die Kontrolle der Inflation: Zinsen, Staatsausgaben und Steuern
Ein Großteil der Debatte geht davon aus, dass Zinserhöhungen der Weg sind, der gegen eine außer Kontrolle geratene Inflation gewirkt hat. Bis hierhin Einigkeit. Das Problem ist der Zeitpunkt: Die EZB dreht den Kredithahn zu, während Stimmen lauter werden, die Ausgabenkürzungen und Steueranpassungen fordern, und da bricht der Konsens. Manche argumentieren, der geldpolitische Kurs müsse beibehalten werden, bis das Geld im Umlauf wirklich schrumpft; andere verlangen Kürzungen bei Ausgaben, öffentlichen Gehältern und Steuern; und ein dritter Weg warnt, dass ohne billige Energie keine Geldpolitik etwas nützt. Die Diskussion dreht sich nicht um die Diagnose, sondern darum, wer die Anpassung bezahlt.
Warum wird gefordert, die Gehälter der Beamten zu kürzen, um die Inflation zu bremsen?
Weil jeder Euro, der aus den öffentlichen Kassen kommt und in einer Gehaltsabrechnung landet, Geld ist, das zirkuliert und die Preise unter Druck setzt. Das ist die Begründung für Kürzungen im öffentlichen Dienst und, nebenbei, für Steuerkürzungen. Die in dieser Richtung kursierende Berechnung ist eindeutig: eine Kürzung um 25% bei den Gehältern der Beamten und den Höchstrenten wäre der Abkürzungweg, um die Binnennachfrage abzukühlen, ohne darauf zu warten, dass die EZB weiter erhöht. Die vollständige Aufschlüsselung, Posten für Posten, zwischen öffentlichen Gehältern, Leistungen und laufenden Ausgaben ergibt eine Summe, die jeden überrascht, der sie zum ersten Mal erstellt.
Die Erwiderung kommt schnell. Bei Gehältern von 1.800 Euro für einen Arzt und 1.200 für einen Polizisten hat der Kürzungsspielraum Konsequenzen: Es wird argumentiert, dass das öffentliche Gesundheitssystem bereits von im Ausland ausgebildeten Fachkräften abhängt und dass eine Änderung der Vergütung die Abwanderung nur beschleunigen würde. Das Beispiel, das auf den Tisch kommt, ist unangenehm: Wenn die Alternative zur Arbeit eine Sozialhilfe plus eine besetzte Wohnung ist, bricht der Anreiz von unten, nicht von oben. Und eine Frage bleibt unbeantwortet: Wenn der Staat kürzt, aber die Notenpresse weiterläuft, wozu dann das Opfer?
Die Stagflation der 70er und die Versuchung, vorzeitig nachzugeben
Rezession plus Inflation hat seit einem halben Jahrhundert einen Namen: Stagflation. Und sie hat auch ein Handbuch. Der immer wieder zitierte Präzedenzfall ist der der 1970er Jahre: hohe Zinsen, bis die Inflation wirklich nachgab, plus eine Warnung davor, was passiert, wenn die Anstrengung nachlässt, bevor der disinflationäre Prozess beendet ist. Die daraus gezogene Lehre ist, dass ein Nachlassen in der Endphase das Bild verschlechtert, nicht mildert.
Der Vergleich hat einen Haken, denn der Schock damals war energiebedingt und der aktuelle trägt ebenfalls diese Last. Es wird argumentiert, dass die Geldpolitiker auf denselben Stein stoßen werden: Zinssenkungen aus Angst vor einer Rezession, bevor die Inflation gezähmt ist, und dann das Schlechteste aus beiden Welten. Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.
Dänemark als unbequemer Spiegel: 100% Kfz-Zulassungssteuer und kostenlose Universität
Das nordische Land erscheint als Gegenbeispiel, wenn über Steuern gesprochen wird. Die Kfz-Zulassungssteuer dort beträgt 100% des Fahrzeugwerts, zuvor 130%, und die öffentliche Universität erhebt keine Gebühren für EU-Bürger. Der Selbstständigenbeitrag, so wird argumentiert, läge bei 0 Euro: Man zahlt nur, wenn man verdient. In diesem Rahmen wird das Auto zum Luxus und das Fahrrad zum Standardverkehrsmittel, während hohe Gehälter den Schlag absorbieren.
Das Gegenangebot kommt von der vergleichenden Seite. In Spanien kostet ein Universitätsabschluss zwischen 12 und 24 Euro je nach autonomer Gemeinschaft, was nicht kostenlos, aber auch kein Marktpreis ist, und das Autobahn- und Hochgeschwindigkeitsnetz übertrifft das dänische an Kilometern. Der Vergleich der Steuermodelle wird verworren, wenn man Größe und Demografie jedes Landes betrachtet: Die Warnung lautet, dass die Messung zweier Staaten, als wären sie Zwillinge, in beide Richtungen zu falschen Schlüssen führt. Es wird auch angemerkt, dass dort Arbeitsinspektionen häufiger und Sanktionen für illegale Beschäftigung viel teurer sind.
Die Steuer, die steigt, ohne dass jemand dafür stimmt
Es gibt einen Teil des Problems, der nicht in den Abendnachrichten erscheint: die still steigende Besteuerung. Die Mehrwertsteuer oder die Einkommensteuer zu erhöhen, ärgert, weil man es auf der Gehaltsabrechnung sieht; neue Tatbestände zu schaffen, Bemessungsgrundlagen anzupassen oder Tarife einzufrieren, fällt weniger auf. Das beschriebene Gefühl ist das des Frosches im langsam erhitzten Wasser: Wenn der Steuerzahler reagiert, steigt der Satz schon seit Jahren. Jede Regierung fügt ihre Schicht hinzu, und das Ergebnis ist eine steigende Steuerlast ohne öffentlichen Diskurs, der sie ankündigt.
Daher richtet sich ein Großteil der Wut weniger gegen eine bestimmte Steuer als gegen die Richtung der Fiskalpolitik. Steuern senken wird seit Jahrzehnten als ausstehende Prüfung dargestellt, und die offizielle Antwort ist meist dieselbe: Es gibt keinen Spielraum. Wer daran zweifelt, erinnert daran, dass die Einnahmen aus Konsum und Einkommen jedes Mal Rekorde erreichen, wenn die Inflation die Preise nach oben treibt, ohne dass die Löhne mitziehen.
Gas, abgewerteter Euro und Energie: der Weg, der Brüssel umgeht
Die andere Lesart verortet den Ursprung außerhalb der Zinsen. Es ist von einem geopolitischen Konflikt die Rede, der Energie verteuert hat, und von einem Euro, der gegenüber dem Dollar an Wert verliert, mit zu Krisenpreisen gekauftem Gas und von Zwischenhändlern weiterverkauftem Öl. Ohne billige Energie, so wird argumentiert, hält keine Industrienation durch und es gibt keine wirkliche Möglichkeit, die Preise zu kontrollieren, denn das Problem liegt nicht in der Binnennachfrage, sondern in der Energierechnung.
In dieser Version verteuert eine Zinserhöhung nur die Finanzierung von Haushalten und Unternehmen, während der Ursprung des Problems unberührt bleibt. Und die EZB dreht zu, mit verschuldeten Regierungen ohne Handlungsspielraum. Europa produziert wenig, hängt von einer Währung ohne produktive Deckung ab und hat die Geldpolitik ohne Munition dort gelassen, wo es am meisten weh tut, so diese Strömung.
Mit diesen Zutaten ist die Prognose unangenehm: Wenn die Inflation nur langsam nachgibt, wird die Versuchung, Ausgaben, öffentliche Gehälter und Steuern zu kürzen, in jedem Haushalt zurückkehren. Wenn die EZB zu früh nachgibt, deutet das Handbuch der 70er darauf hin, dass sich das Problem verlängert. Und wenn niemand Energie oder Steuerstruktur anfasst, wird das Problem aufhören, eine konjunkturelle Notiz zu sein, und sich in der Spalte der dauerhaften Daten einnisten. Obwohl niemand diese Prognose unterschreibt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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