Im Auto schlafen: Der Reisetrick, mit dem man sich Hotelkosten spart
Kann man bequem im Auto schlafen, ohne einen Cent für eine Unterkunft auszugeben? Die Antwort ist ja, allerdings mit Einschränkungen. Eine Gruppe von Budgetreisenden teilt seit Jahren ihre Methoden, wie man den Kofferraum in ein improvisiertes Schlafzimmer verwandelt. Der Schlüssel liegt darin, das richtige Modell zu wählen, die Rücksitze auszubauen und eine luftdichte Luftmatratze zu verwenden. Es ist keine vorübergehende Mode: Manche berichten, so ganz Europa bereist zu haben.
Der Trick ist nicht neu. Ein Teilnehmer erzählt, dass er in den 80er Jahren bereits mit einem Seat Panda den Kontinent durchquerte, indem er die Vordersitze ausbaute, um sie um 90 Grad zu drehen, und die Rücksitze in eine flache Hängematte verwandelte. Heute ist die Praxis unter allen, die günstig reisen wollen, weiterhin lebendig, auch wenn sich der Fahrzeugbestand geändert hat. Die am häufigsten genannten Modelle zum Schlafen sind der Renault 21, der Renault Twingo, der Audi 100, der Seat Alhambra und der alte Volkswagen Passat.
Welches Auto eignet sich zum Schlafen
Nicht jedes Auto taugt dafür. Die Innenlänge ist der entscheidende Faktor. Ein Teilnehmer weist darauf hin, dass ein moderner Kompaktwagen nur etwa 1,46 Meter Platz lässt, zu wenig für eine Person durchschnittlicher Größe. Ein Renault 21 hingegen bietet laut seinem Besitzer sogar einem 1,83 Meter großen Menschen Platz zum Ausstrecken. Der Audi 100 wird ebenfalls wegen seines riesigen Kofferraums als Kandidat genannt. Vans wie der Seat Alhambra bieten laut einem Nutzer 190 mal 130 Zentimeter bei umgeklappten Sitzen, Platz für zwei Personen.
Der Trick besteht darin, die Rücksitzlehne auszubauen, nicht nur umzuklappen. Bei vielen Modellen entsteht beim Umklappen keine ebene Fläche mit dem Kofferraum, sondern eine Stufe. Die Lehne komplett herauszunehmen und den Sitz umzudrehen schafft diesen durchgehenden Verlauf. Beim Renault 21 musste ein Eisenprofil unter dem hinteren Regal verändert werden, damit die Hüfte in Seitenlage hineinpasst, denn eine 15 Zentimeter dicke Luftmatratze stößt an das Regal.
Die Matratze: aufblasbar, aber mit Elektropumpe
Eine Schaumstoffmatratze nimmt zu viel Platz fürs Gepäck weg. Die aufblasbare Variante ist die beliebteste Option, hat aber einen Feind: das Aufpusten mit dem Mund. Beim Blasen mit dem Mund gelangt Wasserdampf hinein, der mit der Zeit Poren und Löcher verursacht, so die Erklärung eines Teilnehmers. Die Lösung, die die Veteranen teilen: immer eine Elektropumpe verwenden, die an den Zigarettenanzünder des Autos angeschlossen wird. So bleibt die Matratze mehrere Tage aufgeblasen, ohne dass man sie jede Nacht nachpumpen muss. Eine Fußpumpe funktioniert auch, erfordert aber mehr Kraft.
Das konkret genannte Modell ist eine einfache 120-Zentimeter-Luftmatratze der Marke Quechua, erhältlich bei Decathlon. Sie platzt nicht, wenn man sie gut behandelt: nicht mit dem Knie hineintreten, nicht übermäßig aufpumpen und nicht auf den Boden legen. Im Auto ist das Risiko eines Plattens minimal. Manche greifen zu einem 12-V-Kompressor für Reifen, der mit dem passenden Adapter auch für die Matratze funktioniert.
Getönte Scheiben, Sonnenschutz und Mückennetze: die Privatsphäre
Privatsphäre ist entscheidend. Ohne getönte Scheiben kann jeder sehen, dass jemand drin ist. Die mittlere Tönungsstufe verhindert laut einem Teilnehmer den Blick ins Innere selbst bei guter Außenbeleuchtung. Dazu kommt ein großer Sonnenschutz im Transporter-Stil, der die Windschutzscheibe und einen Teil der Seitenscheiben abdeckt. Die Kombination aus Tönung und Sonnenschutz macht es fast unmöglich zu erkennen, dass jemand drin schläft, außer jemand geht gezielt heran, um nachzusehen.
Um zu lüften, ohne dass Mücken hereinkommen, ist die am häufigsten genannte Lösung ein Mückennetz mit Magneten. Es wird am Fenster angebracht und erlaubt es, das Fenster einen Spalt offen zu lassen. Ohne Magnete kann man auf ein Abwehrspray wie Autan zurückgreifen, sollte es aber nicht unmittelbar nach dem Auftragen einatmen. Eine andere Option ist, nur das Fenster auf der Straßenseite zu öffnen, damit es so aussieht, als würde das Auto nur gelüftet und nicht bewohnt.
Wo man problemlos zum Schlafen parkt
Die Wahl des Ortes ist entscheidend. Naturplätze, Parkplätze an wenig besuchten Stränden sowie Neben- oder Sackgassen sind die sichersten Optionen. Man sollte keine Camping-Spuren um das Auto hinterlassen: keine Stühle, keine Kleidung, kein Geschirr. So vermeidet man die Aufmerksamkeit der Polizei und mögliche Bußgelder. In Spanien gibt es laut den geteilten Erfahrungen meist keine Probleme mit Überfällen, wobei ein Teilnehmer erwähnt, dass ein Waffenschein hilft, ruhiger zu schlafen.
Für Feng-Shui-Fans gibt es eine kuriose Empfehlung: das Auto mit der Front nach Norden, Osten oder Westen parken, Süden vermeiden. So zeigt der Kopf in diese Richtungen, was angeblich den Schlaf fördert. Dafür gibt es keine wissenschaftlichen Belege, aber der Tipp kursiert unter den Praktizierenden.
Hygiene, Kochen und Alltag im Auto
Die Hygiene lässt sich mit einer Portable-Dusche und Wasser von Tankstellen regeln. Manche auf Lkw-Fahrer ausgerichtete Raststätten bieten Duschen für etwa 2 oder 3 Euro an, so ein Teilnehmer. Kochen ist mit einem Gaskocher möglich, vorzugsweise im Freien, bei Wind kann man ihn auch im Kofferraum verwenden. Zum Frischhalten von Lebensmitteln weist ein Teilnehmer darauf hin, dass ein 12-V-Kühlschrank selbst bei laufendem Motor die Batterie belastet, weshalb viele eine normale Kühlbox nehmen und Eis am nächsten Laden für 1 Euro kaufen.
Die Gepäckaufbewahrung ist eine Herausforderung. Die ausgebaute Sitzlehne kann tagsüber hinten bleiben, versteckt durch die getönten Scheiben und den Sonnenschutz. Der Zwischenraum zwischen Vorder- und Rücksitzen wird mit Obstkisten oder Taschen gefüllt, die als Auflage für den Kopfteil der Matratze dienen. Als Kissen taugt jedes, das in den Kofferraum passt.
Die Van-Alternative und die autonome Zukunft
Manche Teilnehmer finden, dass zum regelmäßigen Schlafen ein Van logischer ist als ein Auto. Ein Van vom Typ Transporter bietet mehr Platz und Höhe, hat aber laut einem Nutzer auch Probleme mit Kondenswasser durch Feuchtigkeit. Als Lösung werden leichtes Lüften oder Isolierungen genannt. Andere halten dagegen, dass die meisten Menschen ein Auto haben und diese Tricks für gelegentliche Reisen gedacht sind, nicht für ein dauerhaftes Leben darin.
Mit Blick in die Zukunft erwähnt ein Teilnehmer, dass autonome Autos das Schlafen während der Fahrt eines Tages normal machen könnten. Bis dahin bleibt das Schlafen im Auto eine Art günstig zu reisen, die – richtig gemacht – Unterkunftskosten spart. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass sich der Komfort eines echten Betts in einem Raum von 1,90 Metern Länge und 1,30 Metern Breite nicht leicht nachbilden lässt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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