Iker Jiménez über Woke-Kultur: weder benannt noch definiert

Der spanische Journalist Iker Jiménez spricht über Woke-Kultur ohne sie zu nennen und löst Debatten über seine vage Kritik aus.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Iker Jiménez über Woke-Kultur: weder benannt noch definiert
Iker Jiménez’ Diskurs über die Proge-Kultur: Applaus und Kritik

Iker Jiménez widmete einen seiner Monologe einem Thema, das nach der ihm im Streit zugeschriebenen Logik nicht beim Namen genannt werden sollte. Seine These, wie im Thread zusammengefasst: Die sogenannte Proge-Welt hat sich den Interessen weniger gebeugt, für einen großen Teil der Bevölkerung ist dieses Universum gleichgültig, und soziale Medien repräsentieren nicht die allgemeine Meinung. Daraus zieht er eine praktische Konsequenz: Das öffentliche Leben kann nicht durch das reguliert werden, was im Internet geschrieben wird. Kein einziges Mal gab er dem Phänomen ein konkretes Etikett.

Das Video spaltete sein Publikum. Auf der einen Seite diejenigen, die es als eine der wenigen kritischen Reden gegen politische Korrektheit feiern, die im Mainstream-Fernsehen überleben. Auf der anderen Seite diejenigen, die ihm Lauheit, Mehrdeutigkeit und eine Diagnose ohne Rezept vorwerfen.

Was genau sagte Iker Jiménez über die Proge-Kultur?

Wie im Thread zusammengefasst, sagte er, dass diese Welt sich den Interessen einiger weniger gebeugt habe und dass viele Menschen das Thema kaum interessiere. Er fügte hinzu, dass politische Parteien von dieser Strömung mitgerissen worden seien und dass viele Führungskräfte dem Druck der Netzwerke nachgegeben hätten, die nicht dem entsprechen, was die Leute auf der Straße denken. Einer der am häufigsten wiederholten Sätze in der Debatte fasst die Methode zusammen, obwohl er von einem Teilnehmer derselben Diskussion stammt und nicht vom Moderator selbst: Um eine Diskussion über bestimmte Themen führen zu können, ist es am klügsten, sie nicht beim Namen zu nennen.

Der Ansatz bringt sofort ein Formproblem mit sich: Wenn das Thema nicht benannt wird, kann auch nicht darüber diskutiert werden. Ein Teil der Antworten bleibt genau dort, an der Verpackung. Ein anderer springt zum Kern —Netzwerke, Führungskräfte, Parteien— und glaubt, damit etwas auf den Tisch gelegt zu haben, das bisher nur in kleinen Kreisen zirkulierte.

Die Vorsicht des Nicht-Nennens: Strategie oder Feigheit

Hier beginnt die interessante Uneinigkeit. Manche verteidigen, dass eine Botschaft, die in Dosen verabreicht wird, wirksamer sei als eine frontale Rede: Das Erste kann geleugnet werden und verschwindet; das Zweite wird eingeimpft und bleibt. Wer diese Lesart vertritt, glaubt, das Ziel sei nicht, jemanden schlagartig zu überzeugen, sondern die Tür offenzulassen, damit der Zuschauer die Arbeit selbst vollendet.

Der Einwand ist ebenso einfach. Eine Rede ohne Namen, Zahlen und Vorschläge bleibt flüchtig und wird vergessen. Hinzu kommt ein methodischer Vorwurf: Man kritisiert jene, die im Namen anderer sprechen, während man ständig Dritte zitiert —einen Kolumnisten, einen Militärangehörigen, einen Mitarbeiter— um die Urheberschaft dessen, was im Studio gesagt wird, nicht zu übernehmen.

Beides kann gleichzeitig wahr sein. Die Vorsicht schützt die Botschaft und verdünnt sie nebenbei.

BlackRock, Vanguard und die Paradoxie des Index-Investors

Der unbequemste Abschnitt ist wirtschaftlicher Natur. Nach der Erzählung, die um das Video kursiert —basierend auf einem Interview mit einem ehemaligen Manager eines großen Unternehmens— finanzieren die großen Fondsmanager, angeführt von BlackRock und Vanguard, tatsächlich den Proge-Apparat. Und zu diesen Giganten gelangt Geld von Millionen von Sparern, die keinerlei Absicht haben, irgendeine Sache zu finanzieren: Sie zahlen in einen Pensionsplan oder einen Indexfonds ein, und ihr Kapital stimmt schließlich auf Aktionärstreffen ab.

Die Paradoxie steht für sich allein: Dieselben Personen, die sich über korporativen Diskurs beschweren, sind indirekte Eigentümer der Unternehmen, die ihn anwenden. Wie weit der Mechanismus geht, ist eine andere Geschichte. Niemand liefert Details zu den Abstimmungen oder das reale Gewicht dieser Stimmen bei Unternehmensentscheidungen; es bleibt bei der Ausgangsaussage.

Das Schreckgespenst und andere unhaltbare Thesen

Eine andere Strömung führt die Analyse ins Verschwörungsterritorium. Sie behauptet, die Proge-Kultur sei nicht entworfen worden, um zu gefallen oder zu bestehen, sondern um Ablehnung zu erzeugen, ihre Funktion zu erfüllen und dann von einer genervten Mehrheit zerstört zu werden. Von dort bis zur Prognose eines harten konservativen Totalitarismus ist es ein Schritt, den manche ohne Zögern tun.

Diese Lesarten entbehren Beweise. Es sind geschlossene Hypothesen über sich selbst: Jede Datenmenge, die ihnen widerspricht, wird als Teil des Plans erklärt. Der Ausgangspunkt —ein von oben aufgezwungenes Etikett erzeugt Widerstand— ist verteidigbar; von dort bis zur Zuschreibung koordinierter Absichten an Vermögensverwalter, Medien und Parteien ist es eine beträchtliche Strecke.

Die offene Rechnung der Pandemie

Nicht jeder Unmut bezieht sich auf diesen Monolog. Ein Teil des Publikums fordert seit langem seine Haltung während der Gesundheitskrise, die sie als zu kompromissbereit gegenüber den damaligen offiziellen Maßnahmen ansieht. In diesem Abschnitt tauchen auch Behauptungen über angewandte Therapien auf, ohne wissenschaftliche Untermauerung, die man als das behandeln sollte, was sie sind: ungeprüfte Meinungen. Jeder gesundheitliche Zweifel sollte mit einem Reaccionariorzt geklärt werden.

Der Vorwurf bleibt offen.

Wo alles feststeckt: Ob diese Art von Diskurs irgendetwas ändert. Einige glauben, er säe Samen; andere meinen, er unterhalte nur jene, die bereits gleicher Meinung waren. Eine spätere Antwort seinerseits liegt nicht vor. Und das Detail, das den meisten Applaus erhielt, war kein Satz, sondern die Musik: Shine On You Crazy Diamond von Pink Floyd, im Hintergrund spielend.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (113 Antworten).

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