Ibiza: 1.000 Euro für ein Zimmer und 105.434 leere Häuser
In Ibiza gibt es einen Parkplatz nahe der Zone Es Gorg, wo nachts Dutzende von Arbeitnehmern in Wohnwagen und Lieferwagen schlafen. Weniger als fünf Autominuten entfernt verlangt die Warteschlange vor dem Club Lío eine Mindestausgabe von 270 Euro pro Person. Der Mann, der diesen Bericht begleitet – 37 Jahre alt, Hausmeister in einer Luxusvilla, monatlich zwischen 1.500 und 1.800 Euro mit regulärem Vertrag –, verlor im Februar seine Wohnung, als die Miete erhöht wurde. Jetzt werden 900 oder 1.000 Euro für ein Zimmer verlangt, plus Kautionen, die zusammen 4.000 bis 5.000 Euro ausmachen. Das kann er sich nicht leisten. Er kaufte sich einen Wohnwagen.
Dieser Fall ist keine pittoreske Ausnahme. Er ist die Folge eines überhitzten Marktes auf einer Insel mit insgesamt 652.123 Wohneinheiten, von denen laut dem vom Instituto Nacional de Estadística (nationales Statistikamt) veröffentlichten Zensus von 2021 genau 105.434 leer stehen. Das entspricht 16,17 % des Immobilienbestands. Die Zahlen übertreffen deutlich die 70.000 Einheiten, die Politiker oft in ihren Statements nennen. Die Statistik zum geschätzten Wert freier Wohnungen weist den höchsten Quadratmeterpreis Spaniens in Santa Eulària des Riu mit 5.194 Euro aus, gefolgt von der Stadt Ibiza mit 4.624 Euro. San Sebastián liegt bei 4.378 Euro, Madrid bei 4.015 Euro und Barcelona bei 3.767 Euro. Im Jahr 2010 kostete derselbe Quadratmeter in Santa Eulària 2.291 Euro und in Ibiza 1.297 Euro.
Der Preis für ein geteiltes Zimmer auf Ibiza
Der Mietmarkt bewegt sich über Messenger-Netzwerke, die minütlich aktualisiert werden. Es gibt Zimmer für 1.000 Euro plus eine Monatskaution, Betten in Mehrbettzimmern für 550 Euro im Monat und Zimmer für Paare in geteilten Landhäusern für 1.500 Euro. Eine Ein-Zimmer-Wohnung am Paseo de Ses Figueretes direkt am Meer, die letztes Jahr 800 Euro kostete, wird jetzt für 2.500 Euro vermietet. Die Inhaberin der Immobilienagentur erklärt es unumwunden: Sie wird nur von Mai bis September vermietet, aber das lohnt sich für sie.
Die Insel empfing im vergangenen Jahr mehr als 3.385.000 Touristen, 300.000 mehr als im Vorjahr, so das Institut Balear d'Estadística (balearisches Statistikamt), bei einer gemeldeten Einwohnerzahl von fast 160.000 Menschen. Die Spannung zwischen diesen beiden Zahlen erklärt, warum ein interimistischer Krankenpfleger im Krankenhaus, ein Kellner und eine Büroangestellte nach der Arbeit denselben Parkplatz teilen. Sie erklärt auch, warum Beamte fliehen und Krankenhäuser Flügel umfunktionieren, um Zimmer bereitzustellen, mit denen Ärzte gehalten werden sollen.
Warum steigen die Wohnungspreise auf Ibiza, wenn 105.434 Häuser leer stehen?
Weil ein Teil dieses Bestands nicht bewohnbar ist. Dies ist das Argument, das unter Kennern des Immobilienmarktes am meisten Gewicht hat: Viele dieser leeren Wohnungen benötigen Renovierungen, die die Eigentümer – oft Erben über mehrere Generationen hinweg – nicht bereit sind zu finanzieren. Die Statistik zählt Backsteine, nicht bezugsfertige Wohnungen.
Auf dieser Basis wirken weitere Faktoren. Die rechtliche Unsicherheit beim Vermieten schreckt davon ab, Wohnungen auf den Markt zu bringen: Wenn der Mieter nicht zahlt oder die Wohnung beschädigt, steckt der Vermieter in einem langsamen Verfahren fest. Manche behaupten, dies sei der eigentliche Flaschenhals, wichtiger als alles andere. Andere fügen den demografischen Druck hinzu: Die Insel zieht jede Saison Zeitarbeiter und neue Bewohner an, während das verfügbare Land begrenzt ist.
Das Ergebnis ist eine Preisspirale, die manche mit anderen teuren Märkten vergleichen. In der Schweiz schrumpft ein Monatsgehalt von 5.000 Euro auf kaum mehr als 1.000 Euro, nachdem man 4.000 Euro Miete und 1.000 Euro für Essen gezahlt hat. In London passiert Ähnliches. Der Unterschied ist, dass dort niemand den Preis infrage stellt: Es wird akzeptiert, dass wer im Zentrum leben will, sich eine Wohnung teilt oder wegzieht.
Wer soll die Unterkunft der Arbeitnehmer bezahlen?
Hier beginnt der grundlegende Streit. Eine Strömung vertritt die Ansicht, dass der Arbeitgeber die Kosten für die Unterbringung seiner Belegschaft tragen sollte, genauso wie er Rohstoffe oder Strom bezahlt. Das Geschäft generiert hohe Umsätze – ein Beach Club mit Champagner aus Drei-Liter-Flaschen, serviert von der Schulter, Silvester-Kroketten, Goldpreis-Paella – und hat Spielraum dafür. Eine andere Strömung entgegnet, dass dies gleichbedeutend mit der Sozialisierung von Kosten und Privatisierung von Gewinnen sei: Wenn der Staat öffentliche Wohnungen für Zeitarbeiter baut, subventioniert der Steuerzahler die Gastronomie.
Dazwischen stehen die öffentlichen Bediensteten. Ein Pfleger, eine Krankenschwester, ein Arzt. Für sie werden temporäre öffentliche Wohnungen vorgeschlagen, Kasernen innerhalb oder außerhalb von Krankenhäusern und Schulen, mit der Auflage, diese nach Ende der Saison oder Versetzung zu verlassen. Das Problem ist die Instandhaltung: Diese Wohnungen stehen zehn Monate im Jahr leer, und jemand muss die Abschreibungen zahlen.
Die vollständige Berechnung, aufgeschlüsselt nach Posten zwischen Bau-, Erhaltungs- und Überlassungskosten solcher Wohnungen im Vergleich zu den Kosten fehlenden medizinischen Personals, ergibt ein überraschendes Resultat für den Rechner. Aber das ist ein anderer Artikel.
Vergleich mit anderen Inseln und dem ländlichen Spanien
Manche schlagen vor, dass Arbeitnehmer nach Menorca oder auf eine andere günstigere Insel ziehen sollten, mit dem Argument, dass der Weg nicht länger wäre als für jemanden, der in Alcobendas oder Azuqueca de Henares wohnt und in Madrid arbeitet. Dieser Vergleich hinkt: Zwischen den Inseln liegt das Meer, und das Meer lässt sich nicht per Nahverkehr überqueren.
Auch hört man das Argument, dass Ibiza ein eigenes Regime haben sollte, mit Kompetenzen für Grenzen, Steuern und Aufenthalt, ähnlich wie Monaco. Mit dieser Autonomie, so die These, würde man einem Kellner 3.000 Euro zahlen und ihm eine befristete Aufenthaltsgenehmigung mit Unterkunft geben, ihn aber verpflichten, die Insel zu verlassen, wenn er die Bedingungen nicht erfüllt. Es ist eine Hypothese ohne institutionelle Perspektive, misst aber gut die Frustration eines Teils der Inselbevölkerung.
Demgegenüber steht die am häufigsten wiederholte Antwort, die einfachste: Angebot und Nachfrage. Ibiza ist attraktiv für viele Menschen, genau wie ein Penthouse gegenüber dem Central Park. Wer es sich nicht leisten kann, geht eben nicht hin. Das Problem dieser Logik ist, dass die Insel Kellner, Pfleger und Hausmeister braucht, um zu funktionieren. Und diese finden sich nicht, wenn die Unterkunft das Gehalt auffrisst.
Was niemand bestreitet, ist die Zahl, die den Kreis schließt: 105.434 leere Wohnungen bei insgesamt 652.123. Nicht einmal 16,17 % des Bestands. Noch weniger die 5.194 Euro pro Quadratmeter in Santa Eulària. Wenn diese Häuser weiterhin leer stehen und diese Preise weiter steigen, lautet die Frage nicht mehr, wer die Schuld trägt, sondern wer noch übrig bleibt, um die Drinks zu servieren.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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