IBEX-Erholung bei 5.800: Corona-Krise noch nicht vorbei

Der IBEX fiel von 10.000 auf 5.800 und erholte sich stark. Die Geldpolitik der EZB erklärt dies besser als die Realwirtschaft, doch niemand hält den Einbruch für beendet.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

IBEX-Erholung bei 5.800: Corona-Krise noch nicht vorbei
IBEX erholt sich ab 5.800 Punkten – niemand geht vom Ende des Absturzes aus

Ist der Börsencrash durch das Cobi19 vorüber? Der IBEX sank von 10.000 auf 5.800 Punkte, der Dow Jones von 30.000 auf 18.000. Danach folgte eine Erholung. Die Frage ist, ob diese Erholung das Ende des Absturzes markiert oder ein klassischer Bullenfalle (Bull Trap) ist. Eine ehrliche Antwort lautet: Es gibt keinen Konsens. Was es jedoch gibt, sind konkrete Gründe für Skepsis.

Warum steigt die Börse, während die Realwirtschaft sinkt?

Weil den Preis die Notenpresse bestimmt, nicht die Kasse. Die US-Notenbank Fed senkte die Zinsen auf null und startete ein neues Programm zum massiven Ankauf von Vermögenswerten; die Europäische Zentralbank (EZB) flutet Europa mit Liquidität. Da Zentralbanken Schulden kaufen und institutionelles Geld nach Rendite sucht, haben Kursanstiege weniger mit der wirtschaftlichen Aktivität zu tun als mit der Mechanik der Liquiditätsversorgung.

Manche gehen weiter und argumentieren, dass dies keine konventionelle Geldpolitik mehr sei, sondern eher der modernen Geldtheorie (MMT) ähnelt: Geld wird verteilt, bis das System zusammenbricht. Diese These ist umstritten, hat aber einen unbequemen Kern: Seit 1973 ist die Finanzwirtschaft kein Spiegelbild der Realwirtschaft mehr. Japans Wirtschaft liegt seit Jahrzehnten am Boden, doch sein Index bleibt stabil.

Spaniens IBEX in der Intensivstation: Banken, Tourismus und Autoindustrie

Spanien spielt nicht dasselbe Spiel wie die USA. Tourismus und Automobilindustrie machen rund 22 % des BIP aus. Genau diese Sektoren werden am stärksten leiden, wenn der Sommer schwach bleibt und im Herbst eine zweite Welle kommt. Hotels, die auf 80 Millionen Besucher hoffen, sowie Fluggesellschaften und Flughafenbetreiber leben von einer Saison, die nie stattgefunden hat.

Hinzu kommt die tickende Zeitbombe der Zahlungsausfälle. Pessimistische Schätzungen schließen nicht aus, dass die Kreditverzugswerte (Segarro) die Niveaus von 2008 übersteigen und mittlere Institute ihre aktuellen Bewertungen nicht halten können. Auf der anderen Seite haben die meisten Banken Stundungen für Hypotheken und Mieten gewährt. Dies hat das Problem eingefroren, nicht gelöst. Niemand sieht bisher die tatsächlichen Auswirkungen in den Bilanzen.

Ist der S&P 500 überteuert? Die Rechnung ohne die fünf Tech-Giganten

Hier kommt das stärkste Argument der Optimisten. Würde man einen Index erstellen, der die fünf großen Technologieunternehmen – bekannt als FAAMG – ausschließt, würde der Rest des S&P 500 zu einem KGV (PER) von 17, einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 1,2, einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 1,3 und einem Kurs-Cashflow-Verhältnis von 9 notieren. Das sind fast identische Werte mit dem Eurostoxx, den alle für günstig halten. Und bei einer zehnjährigen Staatsanleihe-Rendite von 0,6 % ändert sich das Bild.

Der Unterschied liegt in den immateriellen Assets: Marke, Daten, Preissetzungsmacht und Talent. Nichts davon wird durch ein KGV gemessen. Das macht Tech-Aktien nicht billig – zu diesen Preisen gibt es keinen Sicherheitspuffer –, aber es erklärt, warum sie jahrelang teuer wirkten, ohne aufzuhören zu steigen.

Die Zahl von 2,5 Millionen neuen Jobs in den USA im Mai

Die Schlagzeile war spektakulär: 2,5 Millionen neue Arbeitsplätze in nur einem Monat. Das Problem ist doppelter Natur. Erstens wurden Fehler bei der statistischen Erfassung vermutet. Zweitens, und wichtiger, bräuchte man bei diesem Tempo zwölf Monate, um das Vorkrisenniveau wieder zu erreichen. Das ist keine V-förmige Erholung. Eine längere Pause entleert Ersparnisse, Investitionen und Konsum und führt letztlich zu Insolvenzen, die bei einer schnellen Normalisierung vermieden worden wären.

Ein Anstieg, der sich selbst nährt

Wenn Privatanleger massenhaft einsteigen, sollte man beobachten, wer durch die Hintertür ausgeht. Suchanfragen zu Börsenthemen explodieren, es herrscht FOMO (Antiestéticar Of Missing Out), und große Akteure nutzen die Gelegenheit zum Verkauf. Die Statistik ist grausam: Privatanleger gewinnen selten, wenn alle gleichzeitig kaufen. „Wenn du fragst, bist du dir des Anstiegs unsicher, genau wie fast jeder andere. Also ist der Anstieg gut“, fasst das zynischste und wahrscheinlich treffendste Argument zusammen.

Achten Sie auch auf Kalendererwartungen. Manche sehen den ersten schweren Rückschlag am Höhepunkt der Euphorie, kurz vor der Veröffentlichung der Quartalszahlen für Q2. Andere warnen, dass einige Werte zwischen 15 % und 20 % verlieren könnten, sobald sie Mitte Sommer ihre Ergebnisse präsentieren.

Was riskante Anleger erwarten

Die Spanne der Prognosen ist so breit, dass sie ein Röntgenbild der Verunsicherung liefert. Am einen Ende sehen Experten den IBEX über 8.000 Punkten zu Weihnachten. Am anderen Ende prognostizieren sie 4.000 Punkte und darunter erst in fünf Jahren. In der Mitte erwarten manche einen erneuten Rückgang auf März-Niveaus, während andere glauben, der Zug sei bereits abgefahren. Bei Tesla ist die Debatte identisch: Für einige wird der Kauf unter 1.000 Dollar als große Chance in Erinnerung bleiben; für andere muss das Unternehmen bald gegen alle verbleibenden Wettbewerber antreten.

Es gibt auch Straßenthermometer. Einer der meistzitierten: Wenn Goldschmuckläden für Omas Schmuck boomt, ist es Zeit, Geld in Aktien zu investieren. Kein offizieller Indikator, aber oft treffender als viele Berichte.



Ist der Crash vorbei? Der IBEX glaubt nicht daran, die Geldpresse sagt das Gegenteil, und noch hat niemand eine einzige faule Hypothek in den Bilanzen gesehen. Alles scheint gut, abgesehen von der kleinen Tatsache, dass jemand anderes die Party bezahlen muss.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (159 Antworten).

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