Nestlé: vom Sechsjahrestief zum Kurssprung von 9 % an einem Tag
Lohnt es sich, ein Jahrhundertunternehmen zu kaufen, wenn es auf Sechsjahrestiefs fällt? Das ist die Frage, die die gesamte Diskussion über Nestlé begleitet, den Schweizer Lebensmittelriesen, der 2020 weit über dem heutigen Niveau notierte und der nach einer langen Leidenszeit mit wachsenden Schulden, stagnierenden Umsätzen und explodierenden Rohstoffpreisen eine Erholung hingelegt hat, die alle sprachlos gemacht hat. An einem einzigen Handelstag gewann die Aktie +9 % – ein Anstieg, den manche als „gesund" bezeichnen und der nach Monaten voller Zweifel, Tagesverlusten von über 4,6 % und einem fast einstimmigen Konsens kommt, das Unternehmen sei selbst im Rabat zu teuer gewesen.
Die ursprüngliche These war einfach: KGV unter dem historischen Durchschnitt, eine Dividende wie von einem Aristokraten und Schweizer Qualität. Das Problem liegen, wie immer, in den Details. Die Schulden des Konzerns liegen inzwischen bei rund 60 Milliarden Schweizer Franken, die Umsätze wollen nicht richtig in Schwung kommen, und der Kakao – jener Preis, der die Schokoladenhersteller so sehr umtreibt – ist seit den geplatzten Höchstständen des vergangenen Jahres eingebrochen. Ist Nestlé eine Chance oder eine Wertfalle?
Nestlés Burggraben: Eigenmarken oder gebührenpflichtige Autobahn?
Das Konzept des Burggrabens – jener Schutzwall, der Unternehmen vor der Konkurrenz bewahrt – steht im Mittelpunkt der Diskussion. Für die Verteidiger des Konzerns ist Nestlé nicht nur Schokolade: Es ist Säuglingsnahrung, Kaffee, Wasser, Tiernahrung und unzählige Marken, die seit Jahrzehnten in den Regalen stehen. „Nestlés Burggraben ist keine Theorie, es sind die Supermarktregale", fasst einer der meistgefeierten Beiträge zusammen. Die Idee dahinter: Selbst wenn der Kakao einbricht, bleibt der Preis des KitKat im Supermarkt gleich. Das ist kein Burggraben, das ist eine gebührenpflichtige Autobahn.
Allerdings teilen nicht alle diesen Optimismus. Manche halten dagegen, dass die Umsätze der Markenprodukte einbrechen und die Leute, die es gerade schwer haben, auf jeden Cent achten. „Was verkauft Nestlé, das unverzichtbar ist? NICHTS", urteilt eine kritische Stimme. Das Argument: Markenprodukte, voller Zucker und Zusatzstoffe, sind keine lebensnotwendigen Lebensmittel, und der zunehmend klamme Verbraucher greift zur Eigenmarke. Die Inflation hat die Gewohnheiten verändert, und es wird dauern, bis sich die Wellen wieder glätten.
Pablo Isla und das Versprechen, die Margen herauszuquetschen
Einer der Namen, die am häufigsten fallen, ist Pablo Isla, der frühere Vorsitzende von Inditex, der an die Konzernspitze von Nestlé kam, um die Schrauben anzuziehen. Für manche ist sein Kommen eine Garantie: „Er hat bei Inditex seine Hausaufgaben gemacht, er ist da, um Margen herauszuquetschen, nicht für Nachhaltigkeits-Gesten." Andere sind skeptischer und erinnern daran, dass Isla keine freie Hand hat: „Zumindest im Moment lässt man ihn nicht machen, was nötig wäre, und wenn man es lässt, dauert es mindestens zwei Jahre, bis man es merkt."
Der Vergleich mit Danone liegt nahe. Der französische Konzern versuchte, die Joghurtpreise sturmartig anzuheben, und musste zurückrudern. Olivenöl erlebte eine ähnliche Blase, und heute betrachtet man es mit Misstrauen. Die Lehre ist klar: Preiserhöhungen haben Grenzen, und die Verbraucher haben ein langes Gedächtnis.
Das Steuerproblem: 35 % Schweizer Quellensteuer
Abgesehen von den Fundamentaldaten gibt es einen praktischen Aspekt, der viele Anleger bremst: die Besteuerung. Nestlé notiert in Schweizer Franken, und die Schweiz erhebt 35 % Quellensteuer auf Dividenden. Ein Teil dieses Geldes zurückzuholen ist möglich, aber der bürokratische Aufwand ist mühsam und lohnt sich nur bei beträchtlichen Dividenden. Als Alternative schlagen manche den Kauf der ADRs (American Depositary Receipts) vor, die in Dollar notieren und nur 15 % Quellensteuer einbehalten – allerdings mit dem damit verbundenen Währungsrisiko.
Andere greifen direkt zu einem ETF auf den Schweizer SMI, in dem Nestlé ein hohes Gewicht hat, und umgehen so den lästigen Papierkram. Das Fazit: Für einen spanischen Anleger kann die Nettorendite von Nestlé durch das Finanzamt empfindlich geschmälert werden.
Die Kursentwicklung: von der Skepsis zur Erholung
Der Weg der Aktie war eine Achterbahnfahrt. Seit den Sechsjahrestiefs, die den ursprünglichen Kauf ausgelöst hatten, hat Nestlé alles erlebt: Tagesverluste von über 4,6 %, Gerüchte über Verkäufe von Sparten (Vitamine, Wasser in Nordamerika) und einen fast allgemeinen Konsens, dass sich das Unternehmen in einer Reaktionsphase befand. Die technisch orientierten Anleger sprachen davon, auf 66 Schweizer Franken zu warten – ein Niveau, das nie erreicht wurde.
Mit den Monaten änderte sich der Ton. Aus „es kann noch weiter fallen" wurde „sie bildet einen Boden an der langfristigen Unterstützung". Und daraus wurde +9 % an einem einzigen Tag. Wer am Tief gekauft hat, prahlt jetzt mit +15 % annualisiert und einer Rendite von 20 %. Wer auf die perfekte Korrektur wartete, sah nur zu.
Die ewige Debatte: Anleger oder Trader?
Die Diskussion driftet manchmal zur Natur des Anlegers ab. Was macht es für einen Unterschied, Nestlé bei 70, 75 oder 80 zu kaufen, wenn man langfristig investiert? Die Antwort ist nicht einstimmig. Manche verteidigen, dass die Qualität des Unternehmens zählt und der Preis nur insofern eine Rolle spielt, als die Aktie günstig sein sollte. Andere wiederum verfolgen einen taktischeren Ansatz: gute Unternehmen an Wendepunkten erkennen und den mittelfristigen Aufwärtstrend nutzen.
Die letzte Ironie liefert die Zeit. Wer vom Kauf von Nestlé wegen der Schulden, des Kakaos oder der Eigenmarken abriet, sieht nun, wie die Aktie an Wert gewinnt. Wie bei so vielem hat der Markt das letzte Wort.
Am Ende ist Nestlé ein Riese, der Kriege, Krisen und Moden überlebt hat. Die Frage ist nicht, ob es ein gutes Unternehmen ist, sondern ob der aktuelle Preis seinen wahren Wert widerspiegelt. Und das wird, wie immer, nur die Zeit zeigen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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