Der IBEX 35 im Dezember 2012: Anstieg auf 8.400 Punkte und kaum jemand glaubt daran
Der IBEX 35 stieg im Dezember 2012 an, doch kaum jemand wollte es glauben. Während die spanische Wirtschaft noch in der Rezession steckte, erreichte der Index die Zone um 8.400 Punkte. Manche bezeichneten dieses Niveau als „Stratosphäre“, begleitet von gleichermaßen Beifall und Misstrauen. Der Anstieg basierte nicht auf Unternehmensgewinnen oder Konsum, sondern auf Liquidität, der Hoffnung auf einen fiskalischen Kompromiss in Washington und dem weit verbreiteten Gefühl, dass dies ein inszeniertes Spektakel sei, um das letzte Stück vor einer Korrektur auszunutzen. Der Monat begann mit einem Kampf um die 8.000-Punkte-Marke und endete damit, dass der Markt diskutierte, ob die 8.400 Punkte eine Obergrenze oder ein Sprungbrett seien. Niemand ging friedvoll ins neue Jahr.
Warum der IBEX 35 im Dezember 2012 stieg
Die erste zirkulierende Erklärung war die unbequemste: Es gab keinen Grund. Die Umkehrfiguren, die Abstürze ankündigten, scheiterten nacheinander. Wenn ein klares technisches Signal nach Aktivierung bricht, dreht sich der Preis meist stark in die Gegenrichtung. Genau das geschah. Der Index stieg gegen die Prognosen der meisten Analysten in Spanien und ließ die Bären mit der Zunge am Gaumen und dem Finger am Verkaufsknopf zurück.
Das zweite Argument war das altbekannte: Liquidität. Mit Zentralbanken, die Geld injizierten, und institutionellem Kapital, das Zuflucht suchte, diente jede Ausrede zum Kauf. Manche berechneten, dass Dutzende Millionen Aktien nötig wären, um bestimmte Werte zu bewegen, während andere behaupteten, ausländische Banken würden seit Wochen ohne Pause verkaufen, während spanische Privatanleger die Papiere kauften. Das Wort Manipulation fiel ständig. Ob übertrieben oder nicht, dieser Verdacht prägte die Stimmung des Monats.
Und der dritte Grund, der menschlichste: Angst, etwas zu verpassen. Wenn alle denken, der einzige Weg führt nach unten, ist oft genau der Moment, in dem der Index explodiert. Dies ist die alte Marktfalle, die im Dezember 2012 pünktlich zuschlug.
Die Fiskalklippe, die Wall Street in Atem hielt
Der andere große Akteur des Monats handelte nicht in Madrid. Die amerikanische Fiskalklippe — der automatische Steueranstieg und Ausgabenkürzung, die am 1. Januar wirksam wurden, falls Demokraten und Republikaner keinen Kompromiss fanden — bestimmte jede Sitzung. Meldungen aus Washington bewegten mehr als jeder spanische Makro-Datenpunkt.
Am späten Nachmittag der letzten Tage beschleunigte sich der Strom der Erklärungen. Ein republikanischer Senator warnte, dass die Worte des US-Präsidenten das Repräsentantenhaus irritieren würden. Ein anderer gratulierte ironisch dem Weißen Haus zur Zinserhöhung. Schließlich sagte der republikanische Senatsführer Mitch McConnell den Satz, auf den alle warteten: Man habe sich bei allen steuerlichen Fragen geeinigt. Aber nur bei diesen. Die Einigung kam tropfenweise und ohne Entschlossenheit, und der Markt feierte sie mit Kursanstiegen, die viele eher als Erleichterung denn als Euphorie lasen.
Gibt es etwas Volatileres als einen Markt, der auf eine Pressekonferenz wartet? Nein. Alles stieg — europäische Indizes, US-Indizes, Rohstoffe — außer dem Euro-Dollar-Kurs, der hinterherhinkte. Die schwebende Schlussfolgerung: Alles außer einem soliden Abkommen würde Abstürze auslösen. Und das Abkommen war vorerst minimal.
Die Verstaatlichung von Iberdrola in Bolivien, die den Markt überraschte
Zwei Tage vor Jahresende kam der Streich, den niemand bestellt hatte. Boliviens Präsident Evo Sarracena kündigte die Enteignung von vier Tochtergesellschaften von Iberdrola im Land an. Der Zug hatte ein Detail, das Investoren erzürnte: Es wurde am 28. Dezember bekannt gegeben, als die Märkte bereits geschlossen waren. Die Nachricht traf also, wenn niemand sofort reagieren konnte; man musste auf die Wiedereröffnung warten, mit eingefrorenem Wert und gekauter Unsicherheit.
Die direkten Auswirkungen auf die Gewinn- und Verlustrechnung wurden mehr diskutiert als die politische Geste. Die vorherrschende Lesart war, dass die enteigneten Infrastrukturen, egal wie klein, Millionen wert seien, und dass Bolivia den fairen Preis nicht zahle, müsse man Verluste buchen. Eine andere Stimme fasste es sarkastisch zusammen: Iberdrola wurde plötzlich zu einer Hochrisiko-Investition. Manche zogen sogar die bissige Parallele — der Strompreis stieg in Spanien während des Jahres, und der Enteigner entschied, lieber selbst die Preise kontrollieren zu wollen—. Scherz oder nicht, die Kernbotschaft war ernst: Niemand ist vor fremden Dekreten sicher.
Der Krieg der Niveaus: 8.400, 8.560 und der Doppelboden bei 7.200
Der Monat war vor allem eine Diskussion über Zahlen. Die 8.400 Punkte wurden zur psychologischen Grenze für den Dezember-Ablauf. Alles drehte sich um diese Marke: Hielt sie stand, war das Szenario bullisch; fiel sie, war die Prügel serviert. Manche warnten, dass Euphorie die Korrektur bringe, andere setzten auf eine gefährliche Annäherung an die 8.200 mit einem lehrbuchmäßigen 2%-Anstieg.
Die technische Aufschlüsselung war akribisch. Ein Quartalsabschluss über der Zone von 8.560 erzwang eine Revision des Szenarios nach oben; der Verlust der 7.960 aktivierte einen bärischen Ausbruch mit nächsten Stationen bei 7.930 und 7.880. Tiefer lag der harte Boden bei 7.200 und 6.800, und das Doppelbodenszenario platzierte die Nackenlinie bei 7.200 mit einem Ziel für eine Erholung in Richtung der Bandbreite von 8.490–8.730. Die Feinberechnung, Niveau für Niveau, ergab einen ganzen Nachmittag Diskussion.
Die erste Monatshälfte hielt alles mit einer überraschenden Widerstandskraft durch. In der zweiten Hälfte tat der Index, was er wollte. Und hier liegt die Lektion, die Veteranen wiederholen: Im Trading ist Anpassung eine Chimäre; der Markt respektiert deine Linien nicht, egal wie sorgfältig du sie zeichnest.
Gas Natural, Telefónica und die Jahresend-Wetten
Zwischen all den Indizes gab es Werte, die sich tatsächlich gut entwickelten. Gas Natural stieg seit Oktober um mehr als 1 Euro pro Aktie, fast 9% in zwei Monaten, und überschritt die 12,4 mit guter Perspektive. Es war das Lehrbuchbeispiel eines Gewinners, der lautlos agiert, während alle über den gesamten IBEX diskutieren. Telefónica hingegen verfing sich immer wieder bei 10 Euro, unfähig, den Widerstand zu brechen, und litt wie kein anderer unter der Last der Zweifel.
Auf dem amerikanischen Markt ließen auch Wetten Schlagzeilen entstehen. Apple, das unbesiegbar schien, erhielt lange Verstärkungen in der Zone von 506 Dollar. Und AMD blieb stecken, ohne die 2,42 zu brechen, während die Community Sitzung für Sitzung nagelte. Bei Prisa weckten Anhäufungsverdacht: Zwei Wochen lang wurde auffällig Geld investiert, und manche forderten eine seriöse Analyse ihrer Akkumulation/Distribution.
Und wer ging? Einer berichtete ohne Nostalgie: Dank Iberdrola kaufte er 2012 sein Traumrad und verließ die Börse für immer mit positivem Saldo. Ein anderer schloss das Jahr mit einer unbequemen Vorhersage: 2013 würde das Massaker der Gazellen sein.
Prognosen für 2013: Von 9.460 bis 4.950
Der letzte Tag des Jahres diente dazu, Prognosen loszulassen, allerdings viele mit spitzer Zunge. Die ehrgeizigsten Projektionen sprachen von einem Jahreshoch von 9.460 Punkten und einem bullischen Ziel bei 8.530, vorausgesetzt, der Index hält die ersten elf Sitzungen über 8.040. Das gegenteilige Szenario sank bis zu einem Jahrestief von 6.270 Punkten, mit einem Extremfall bei 4.950. Die Spanne zwischen beiden Zahlen — fast viertausendfünfhundert Punkte Unterschied — gibt das genaue Maß der Unsicherheit.
Andere zeichneten den Doppelboden mit der für Februar erwarteten Feindseligkeit: Short-Positionen auflösen, Tiefststände in der Zone von 6.000–5.900 suchen und von dort aus Richtung 8.490–8.730 starten. Ein technisch makelloser Plan auf dem Papier. Nur auf dem Papier.
Den Abschluss bildete die Fiskalpolitik: Das minimale Steuerabkommen, gefeiert mit allgemeinen Kursanstiegen, ließ den Rest offen — Ausgaben, Schulden, Deckel—. Der Markt tat, was er wollte, wie immer.
Notiert für jeden, der raten möchte: Während manche ein rasantes erstes Halbjahr und einen Absturz im zweiten erwarteten, war die einzige Gewissheit des Monats, dass niemand zweimal dieselbe Zahl nannte. Mit diesen Voraussetzungen wäre es rührend naiv, auf einen ruhigen IBEX in 2013 zu wetten. Doch der Markt bittet nie um Erlaubnis, um zu widersprechen.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt die Analysen und Meinungen, die Ende 2012 verbreitet wurden, zu Informationszwecken. Er stellt keine Anlageempfehlung dar.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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