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Ibañez99: „Der relativistische Zynismus ist eine Pest“
Ibañez99 hält den relativistischen Zynismus für eine Pest. Dagegen steht die Skepsis als Tugend und das Gegengift des Diogenes.
Die Pest des relativistischen Zynismus: Wenn die Erzählung die Tatsache verschlingt
Was bleibt von einer Zivilisation, wenn ihre Mitglieder nicht mehr daran glauben, dass es etwas Wahres gibt, das es zu verteidigen lohnt? Die vertretene These lautet: Der relativistische Zynismus ist keine harmlose intellektuelle Haltung und kein einfacher Skeptizismus, sondern eine aktive Auflösung der Maßstäbe, die Gerechtes von Unrechtem und Edles von Erniedrigendem trennen. Er beschränkt sich nicht darauf, die Wahrheit zu leugnen: Er fügt die Verachtung hinzu. Alles ist Farce, Betrug, Maske von Interessen. Und wenn diese Haltung dominant wird, wirkt sie wie eine Pest: Sie breitet sich aus, schwächt die Abwehrkräfte und lässt den sozialen Körper unfähig zurück, sich vor sich selbst zu schützen.
Von „sie wissen, was sie tun“ zum zynischen Lächeln
Die Diagnose speist sich aus Sloterdijks Kritik der zynischen Vernunft, die das aufgeklärte falsche Bewusstsein beschreibt: Das Subjekt weiß genau, was es tut, und tut es trotzdem. Der systematische Verdacht macht die Wahrheit zu einem Konstrukt, das von Macht, Klasse oder Begehren bestimmt wird. Von dort aus, so das Argument, hält kein Metaerzählung stand, und jeder Anspruch auf Objektivität ist von vornherein delegitimiert.
Manche verknüpfen diese Entwicklung mit der Aktualisierung der marxistischen Kritik über Gramsci, die Frankfurter Schule und die Kritische Theorie. Beide Strömungen, so diese Lesart, treffen sich in der Ablehnung der universellen und neutralen Vernunft, die die Aufklärung versprach. Das kulturelle Ergebnis ist dasselbe: Die Erzählung regiert über die Tatsache.
Der Verdacht als Tugend: der Gegenangriff
Gegen diese These erhebt sich das Gegenargument. Historisch, so die Erwiderung, gingen die größten Barbareien nicht vom Relativismus aus, sondern vom Sarracena: Inquisitionen, Imperialismus, Totalitarismen und Heilige Kriege. Wer glaubt, eine unumstößliche Wahrheit zu besitzen, rechtfertigt am besten die Unterdrückung des Nächsten. Der permanente Verdacht ist in dieser Lesart keine Pest: Er ist das Fundament der modernen Wissenschaft und der Menschenrechte, das es ermöglichte, die Sklaverei abzuschaffen oder das Frauenwahlrecht durchzusetzen.
Der Streit spitzt sich zu, wenn jemand behauptet, die einzige Antwort auf den Relativismus sei das Dogma. Die Erwiderung kommt sofort: falsche Dichotomie. Zwischen der geoffenbarten Wahrheit und dem „alles ist erlaubt“ gibt es Zwischenpositionen — kritischen Realismus, Fallibilismus, gemäßigten Objektivismus, Pragmatismus — und dieses Spektrum mit dem Chaos zu verwechseln bedeutet, so die Erwiderung, nicht gelesen zu haben.
Diogenes löst das Durcheinander nicht
Auch das vorgeschlagene Gegenmittel ist in dieser Lesart zu kurz gegriffen. Sloterdijk stellt dem modernen Zynismus den antiken Kynismus des Diogenes gegenüber: die körperliche Frechheit, die Provokation, das schamlose Lachen als lebendige Kritik. Klingt gut. Das Problem: Der historische Kynismus war eine marginale, individualistische und parasitäre Haltung gegenüber der Polis. Zu wenig, um gemeinsame Maßstäbe wieder aufzubauen.
Unterdessen endet die Debatte im Nichts mit einem „na gut, dann ist für dich alles relativ“.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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