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Hitler riskierte den Krieg nach nur sechs Jahren Macht
Mefo-Schulden, Lebensraum und die Fehlkalkulation gegenüber London und Paris erklären, warum das Reich den Krieg wagte.
Hitler wartete nicht auf volle Stärke: Die Mefo-Schulden liefen aus
Im September 1939 bestand das Dritte Reich erst seit sechs Jahren und befand sich bereits im europäischen Krieg. Die zentrale Frage seriöser Analysen lautet, warum das Regime seine Macht nicht wie strategisch üblich über fünfzehn oder zwanzig Jahre festigte, bevor es die Welt herausforderte. Die kurze Antwort: Es gab keine Zeit. Die ausführliche Erklärung liegt in einer Wirtschaft, die auf Scheinwerten basierte, und einer Rassenideologie, die keinen Aufschub duldete.
Ein Schneeballsystem mit Verfallsdatum
In wirtschaftlichen Analysen wird oft argumentiert, dass das sogenannte deutsche Wunder größtenteils eine Finanzkonstruktion war, getragen von intransparenter Verschuldung. Die Mefo-Wechsel dienten als paralleles Zahlungsinstrument, mit dem der Staat die Aufrüstung finanzierte, ohne dass dies in den öffentlichen Haushalten sichtbar wurde. Als diese Schulden um 1939 fällig wurden, blieb die Wahl zwischen einer Rückkehr zur Inflation der frühen Dreißigerjahre oder der Suche nach Ressourcen im Ausland. Die Invasion Polens war in dieser Lesart eine Flucht nach vorn: Die Eroberung von Territorium, Rohstoffen und Arbeitskräften diente dazu, das System am Laufen zu halten.
Dies ist keine Randthese. Manche Historiker vertreten die Ansicht, Deutschland sei 1939 wirtschaftlich weiterhin zerstört gewesen, habe dies aber verdeckt, und die angesammelten Schulden hätten beglichen werden müssen. Aufrüstung, Marine und Luftwaffe waren kein Luxus eines Landes, das sich in Ruhe vorbereitete; sie waren das Risiko eines Staates, der gewinnen musste, bevor die Rechnung präsentiert wurde.
Lebensraum war keine bloße Kampagnenmetapher
Der zweite Aspekt ist ideologisch. Der Lebensraum war kein Wahlslogan, sondern der Kern des Programms. Polen galt als natürliches Expansionsgebiet Deutschlands, und der Korridor von Danzig, der die deutschen Bewohner Ostpreußens vom Rest des Landes trennte, war die letzte offene Wunde des Versailler Vertrags. Nach Österreich, den Sudeten und der Tschechoslowakei fragte sich das Regime nicht, ob die Alliierten reagieren würden, sondern warum sie es jetzt tun sollten.
Hinzu kam eine rassistische Kalkulation bezüglich Osteuropas: Die Vorstellung, dass slawische Gebiete als deutsche Kolonien funktionieren sollten, mit Deutschen als feudalen Herren. Dies war kein improvisierter Plan, sondern schriftlich fixiert und wiederholt formuliert.
Warum glaubte Hitler, Großbritannien und Frankreich würden nicht in den Krieg ziehen?
Hier divergieren die Ansichten. Ein Teil der Analyse geht davon aus, dass Hitler glaubte, Frankreich und Großbritannien würden im letzten Moment zurückrudern, wie zuvor bei Österreich und der Tschechoslowakei. Als Beleg dient, dass es keinen deutschen Plan für den Fall einer Kriegserklärung der westlichen Alliierten 1939 gab. Der schnelle Zusammenbruch Frankreichs einen Monat später überraschte selbst die Deutschen.
Die andere Interpretation ist unbequemer: Hitler marschierte in Polen ein, ohne sich allzu viele Gedanken über die Möglichkeit eines Kriegs mit London und Paris zu machen. Hätte er wirklich geglaubt, es gäbe keine Reaktion, wäre er beim Ausbleiben seiner Erwartung umgekehrt. Das tat er nicht. Und der Ribbentrop-Molotow-Pakt samt Aufteilung Osteuropas wurde nicht zufällig geschlossen.
Stalins Fehlkalkulation und der Krieg, den niemand wollte
Ein weiterer Diskussionspunkt ist Stalins Rolle. Manche behaupten, die Sowjetunion habe sich zum Angriff vorbereitet, mit der Roten Armee in Offensivstellung und Pionier-Einheiten nahe der Front. Andere entgegnen, der beste Beweis gegen eine Invasion 1941 sei das Desaster nach Beginn der Operation Barbarossa: Die Rote Armee war, in den Worten eines Beteiligten, eine Bande. Die häufigste Hypothese besagt, Stalin habe gewartet, bis Deutschland sich gegen die westlichen Alliierten verausgabte – wie 1918 –, um dann zuzuschlagen.
Unabhängig davon bleibt die Grundfrage offen: Warum ließ sich Hitler darauf ein, für Stalin den Eisbrecher zu spielen, indem er zuerst Polen verwüstete, damit der Sowjetführer das Baltikum und Finnland annektieren konnte, ohne dass jemand eingriff?
Sechs Jahre Regierung, eine Wirtschaft gebaut auf Fälligkeiten und eine Doktrin ohne Pausen. Der Krieg war kein Überschwang der Ambition: Er war der einzige verfügbare Plan. Mit diesen Voraussetzungen ist es nicht seltsam, dass Hitler ihn 1939 begann. Seltsam ist vielmehr, dass manche noch immer glauben, er hätte warten können.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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