Heroinsucht: Zwei Jahre ohne Spritzen, drei Züge und verstecktes Speed

Ein Mann behauptet, seit zwei Jahren keine Heroin mehr zu spritzen, raucht aber gelegentlich und bewahrt Speed auf. Sein Bericht über kontrollierten Konsum spaltet die Community.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Zwei Jahre ohne Heroin-Spritzen, drei Züge und eine Linie Estimulante ilegal

Es gibt eine Art, den Ausstieg aus der Heroinabhängigkeit zu erzählen, die nicht zum üblichen Narrativ passt. Kein Therapiezentrum, keine Gemeinschaft, kein offizielles Abstinenz-Zertifikat. Da ist ein Mann, der sieben Jahre lang Horse (Straßenheroing) geraucht hat, fünf Jahre lang injizierte, dreimal den Tiefpunkt erreichte und eines Tages erfuhr, dass seine Frau schwanger war. Er ging in die psychiatrische Ambulanz, bekam Methadon verschrieben, später Suboxone, und sagt, er habe sich seitdem – abgesehen von vereinzelten Rückfällen – über zwei Jahre lang nicht mehr gespritzt. Der letzte Vorfall an Heiligabend endete mit Erbrechen. „Da sagte ich mir, nie wieder“, schreibt er. Doch dieselbe Geschichte, die mit einem Versprechen beginnt, endet mit drei Zügen Heroin im Silberpapier und einer Linie Estimulante ilegal, die er wieder aufbewahrte.

Das ist der Kern des Konflikts. Der Verfasser präsentiert sich nicht als Süchtiger in Genesung, der jeden Kontakt zur Substanz vermeidet. Er stellt sich als jemand dar, der gelernt hat, wo seine Grenzen liegen. „Jetzt kann man Drogen mehr genießen, mit Maß“, urteilt er. Und genau hier klafft die Lücke, durch die alles Weitere eindringt.

Was bedeutet es, Heroin loszulassen, ohne den Konsum einzustellen?

Die erste Reaktion ist kein Applaus, sondern eine Warnung. „Ich weiß nicht, wer nach einer Sucht so etwas sagt, zeigt damit nur, dass er wenig Hilfe braucht“, antworten andere. Die Beobachtung hat ihre Logik: Wenn jemand, der behauptet, aus der Heroinabhängigkeit ausgebrochen zu sein, weiterhin Heroin raucht und Estimulante ilegal hortet, dann wird das Wort „Ausstieg“ sehr dehnbar interpretiert.

Der Autor selbst räumt dies teilweise ein. Er erzählt, dass er vor etwa sieben Jahren begann, Horse zu rauchen, danach fünf Jahre lang spritzte, **20 Euro pro Tag** ausgab – zwei Mikron – und seine letzte Injektion an Heiligabend erfolgte, inklusive Erbrechen. Seitdem, sagt er, rauche er nur noch gelegentlich ein wenig. „Ich bin in kein Zentrum gegangen oder ähnliches“, stellt er klar. Seine Frau wurde schwanger, er ging in die psychiatrische Versorgung, schilderte sein Problem und erhielt Methadon, Tranxilium 50, Olanzapin, Gabapentin und Reagila verschrieben. Später wurde das Methadon durch Suboxone ersetzt. Er nehme es seit über einem Monat nicht mehr, sagt er, und habe keinen Entzug erlebt.

Die offizielle Version seiner Genesung umfasst einen zehntägigen Schlafentzug im Krankenhaus, „vollgepumpt mit Medikamenten“, aus dem er „wie neu“ hervorging. Dazu gehören regelmäßige Termine bei einem Psychiater und eine Tochter, die gerade ihren ersten Geburtstag gefeiert hat.

Das Problem der Begleiter und des „Ich habe alles unter Kontrolle“-Gedankens

Das Detail, das die Diskussion am meisten aufrührt, ist nicht die Heroin selbst, sondern der Kontext. Gestern – so erzählt er – wurde ihm angeboten, im Silberpapier zu rauchen; er nahm drei Züge, lehnte weitere ab. Man schenkte ihm Estimulante ilegal, er zog eine Linie und bewahrte den Rest auf. „Vor Jahren hätte ich mehr geraucht und die Amphetamin weggezogen“, schreibt er, als wäre dies der Beweis für Selbstkontrolle.

Die Antwort ist fast einstimmig: Das ist keine Kontrolle, sondern der Schritt davor. „Wozu dienen diese Züge? Zu nichts. Heute denkst du daran. Du denkst, du könntest es bequem konsumieren... dass du es kontrolliert schaffen kannst... das ist der Schritt vor dem vollständigen Rückfall“, fasst ein Kommentar zusammen. Ein anderer formuliert es kürzer: „Hör auf sie, wegen dieser elf Monate alten Tochter. Vergiss deinen 'Limit' und das 'Ich kontrolliere', sonst fällst du wieder und dieses Kind wird dafür zahlen.“

Das Argument der Begleiter taucht mehrfach auf. Wer dir Heroin anbietet, während du lange clean bist, tut dir keinen Gefallen. „Wenn sie dir anboten, nachdem du seit Heiligabend clean bist, haben sie dir keinen Gefallen getan“, wird betont. Die wiederkehrende Schlussfolgerung lautet: Null-Kontakt oder gar nichts.

Die Familie als Argument und als Risiko

Der Autor hat eine einjährige Tochter und eine Frau, die ebenfalls Ex-Drogenabhängige war. Sie rauchte Kokain mit Horse und fast täglich Estimulante ilegal. Jetzt, sagt er, nur noch Joints. Diese Information beruhigt niemanden. „Armes Kind.... es sieht so aus, als würde es beim Jugendamt landen, wenn ihr weiter Drogen nehmt“, schreiben Nutzer. „Mutter eines Säuglings und 'raucht nur Joints'. Das ideale Umfeld für ein Kind. Dann reden wir über Chancengleichheit“, fügen sie hinzu.

Der Autor kontert mit seinem Alltag: Er arbeitet seit 15 Jahren in derselben Fabrik, davor in einer Tischlerei. Er geht mit der Hündin in die Berge, sammelt im Herbst Pilze, fährt im Sommer zum Stausee. Er fuhr Schlittschuh von 13 bis 34. „Ich wohne in einem Dorf nahe Pamplona und habe die Pyrenäen direkt nebenan“, schreibt er. „Weil ich immer gearbeitet und Sport getrieben habe, sehe ich nicht wie ein Junkie aus.“

Diese Verteidigung – dass ein geordnetes Leben den Konsum ausgleiche – ist genau das, was viele Kommentare ablehnen. „Ihr zieht euch Mist rein, weil ihr nicht wisst, wie man die Freizeit genießt oder Schönheit in eurer Umgebung findet“, sagen sie ihm. Er antwortet, er gehe in die Berge, werde mit der Tochter Ski fahren, wenn sie fünf sei. Die Unterhaltung verhärtet sich.

Der Schaden durch Horse und die Erinnerung an die 90er

Der Autor wurde 1982 geboren und sagt, er habe in den 90ern viele Heroinkonsumenten gesehen. „Die heutige Jugend hat keine Vorstellung vom Schaden, den Horse angerichtet hat, dieser Aufmarsch von Zombies war erschreckend“, schreibt jemand, der es miterlebt hat. Es ist der einzige Moment, in dem der Ton fast nostalgisch wird, nicht wegen des Konsums, sondern wegen des kollektiven Schadens.

Der Vergleich mit jener Epoche dient dazu, das Ausmaß des Risikos zu messen. Die Heroinwelle der 90er verwüstete ganze Stadtviertel. Die aktuelle Debatte, mit Suboxone, Psychiatern und Schadensminimierung, erlaubt einen Spielraum, den es damals nicht gab. Aber dieser Spielraum normalisiert auch Dinge, die früher rote Linien waren: ein bisschen rauchen, Estimulante ilegal aufheben, das Limit kontrollieren.

Was die Daten sagen, die der Autor selbst liefert

Der Autor nennt konkrete Zahlen: 20 Euro tägliche Ausgaben, zwei Mikron, sieben Jahre Rauchen, fünf Jahre Spritzen, über zwei Jahre ohne Injektionen mit vereinzelten Rückfällen, zehn Tage Schlafkur, über einen Monat ohne Suboxone. Er sagt auch, dass seine Frau fast täglich Estimulante ilegal nahm und jetzt nur noch Joints raucht. Und dass seine letzte Injektion an Heiligabend war.

Mit diesen Zahlen lautet die Frage nicht, ob er die Heroin losgelassen hat. Sondern was genau „Loslassen“ bedeutet, wenn man weiterhin raucht, Estimulante ilegal hortet und mit einer Ex-Konsumentin zusammenlebt. Die Antwort des Autors ist, dass er sein Limit kennengelernt hat. Die Mehrheit antwortet, dass das Limit eine Geschichte ist, die man sich selbst erzählt, bis sie nicht mehr wahr ist.

Zwei Jahre ohne Spritzen, drei Züge: Das Ende, das niemand unterschreibt

Der Autor besteht darauf, dass er nicht feiern gehe, dass er am Wochenende nur zum Umtrunk gehe und fertig. Dass er eine Tochter habe und deshalb keine Dummheiten mache. Dass er sich vielleicht irgendwann langweilen werde, aber solange er jung sei, nicht. Es ist eine persönliche Wette, und er geht sie mit allen Informationen auf dem Tisch ein.

Die häufigste Vorhersage in der Diskussion ist, dass er wieder spritzen wird. Niemand kann das wissen. Was man jedoch feststellen kann, ist, dass die Erzählung von Genesung ohne totale Abstinenz immer mehr Befürworter und Kritiker findet, und dass in diesem konkreten Fall das Ergebnis noch offen ist. Zwei Jahre, drei Züge, eine aufbewahrte Linie. Der nächste Schritt ist ungewiss.

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (184 Antworten).

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