Hat Papst Franziskus die Bibel gelesen? Streit um Orthodoxie

Ungewissheit über biblische Kenntnisse des Papstes führt zu Konflikten über Freimaurerei, Heiden und Erlösung. Ohne Beweise oder Konsens.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Hat Papst Franziskus die Bibel gelesen? Der ungelöste Zweifel

Ein Pontifex, der Marx zitiert, von Freimaurern umgeben ist und das Buch nie ganz gelesen haben soll, das seine Kirche regiert. Dies ist der Verdacht in einer Diskussion mit 181 Antworten, die seit fast zwei Jahren andauert und sich nicht klärt, sondern verhärtet. Die Ausgangsfrage war simpel: Hat Papst Franziskus die Bibel gelesen? Nach dem verfügbaren Material bleibt die Antwort uneinheitlich. Was als Zweifel an der Ausbildung des Papstes begann, entwickelte sich zum Konflikt zwischen Verteidigern seiner Orthodoxie und Kritikern, die ihn als Agenten fremder Interessen sehen.

Welche biblische Ausbildung hat Papst Franziskus?

Im Kern geht es darum, ob Jorge Mario Bergoglio die gesamte Bibel oder nur Auszüge gelesen hat. Eine Analyse besagt, dass im Seminar Theologie, Kirchengeschichte, kanonisches Recht, Philosophie, Pastoraltheologie, Latein und Griechisch studiert werden, aber die Bibel nicht unbedingt Wort für Wort vollständig gelesen wird. Man arbeitet mit Kommentaren, Interpretationen und ausgewählten Texten. Die meisten Seminaristen enden mit tiefem Wissen über bestimmte Passagen und einem allgemeinen Verständnis anderer. Diese These legt nahe, dass der Papst bestimmte Texte gut kennt, ohne eine systematische Lektüre abgeschlossen zu haben.

Andere gehen weiter und behaupten, er habe mehr Marx und Engels als die Schriften gelesen. „Er hat Das Kapital, das Kommunistische Manifest und fast alle Werke von Marx und Engels gelesen“, heißt es. Dieser Vorwurf ist nicht neu; er gehört zu einer langjährigen Linie, die die Orthodoxie des argentinischen Papstes infrage stellt.

Vorwürfe der freimaurerischen und politischen Unterwanderung

Ein Teil der Diskussion driftet in Verschwörungstheorien ab. Es wird behauptet, der Papst sei Freimaurer und werde vom MI6 gesteuert, mit einem britischen Bürger aus Liverpool als Schlüsselfigur im Vatikan. Ein anderer Kommentar sagt, er sei von einem chilenischen Subversiven ausgebildet worden und sein Horoskop zeige Machtstreben und Hochmut. Diese Aussagen sind unbelegt und werden als Meinungen in einem Klima des Misstrauens präsentiert.

Das Grundargument lautet, der Papst nehme den Platz des Antichristen ein – wie alle Päpste dieser Strömung nach – und müsse die Bibel kennen, um sie zu verfälschen. Zitiert wird die Stelle aus 2 Thessalonicher über den Menschen der Sünde, der sich im Tempel Gottes niederlässt und ausgibt, Gott zu sein.

Die Rolle Marias und die Frage der Erlösung

Die Debatte mündet in einen theologischen Streit darüber, was rettet. Eine Position besteht darauf, dass Bibelwissen nicht zur Erlösung führt und nur Liebe retten kann. Maria wird als Ewige Mutter angerufen, und denen wird vorgeworfen, die Bibel über den Willen Gottes zu stellen. Die Gegenreaktion ist scharf: „Gefühle sind Gefühle, keine Wahrheit. Manche Leute haben Schizophrenie und glauben, Dinge zu sehen; das macht sie nicht wahr.“

Der Ton verschärft sich, wenn Gesprächspartner als Fanatiker bezeichnet werden, weil sie nach Beleidigungen Marias Verse rezitieren. Das Gleichnis von den zehn Jungfrauen wird angeführt, um zu zeigen, dass Glaube allein nicht genügt. Die Diskussion wird zum Duell zwischen persönlicher Erfahrung und schriftlichem Text.

Gewalt und Frieden in der Botschaft Christi

Eine andere Linie hinterfragt das verniedlichte Bild Jesu Christi. Es werden Matthäus 10:34-36 („Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert“), Lukas 22:36 (den Mantel verkaufen und ein Schwert kaufen) und Lukas 19:27 (Feinde herbeibringen und vor mir töten) zitiert. Die Schlussfolgerung ist, dass die Botschaft Christi Frieden, Liebe, Hass und Krieg enthält und wer alles auf Liebe reduziert, vereinfacht.

Die Entgegnung ist, Jesus habe keinen Hass gespürt, sondern Zorn, und die Botschaft Christi sei nicht anzuzweifeln, da wir alle Kinder desselben Gottes seien. Der Austausch endet mit gegenseitiger Ermüdung und einer Waffenruhe: „Wenn wir sterben, wird uns schon erklärt, worum es ging.“

Christentum als jüdische Sekte und europäisches Heidentum

Ein Beitrag behauptet, Christen seien Nnnn und das Christentum eine jüdische Sekte eines jüdischen Rabbiners. Die Antwort ist, wer das sage, habe keine Ahnung, was eine Sekte sei. Daraufhin öffnet sich eine Front gegen die heidnischen Wurzeln Europas, mit Listen vorrömischer Gottheiten und der These, das Christentum sei eine invasive, künstliche Religion für Europäer.

Argumentiert wird, das Römische Reich basiere auf hellenistischen heidnischen Grundlagen und das Christentum habe diese Basis parasitiert. Behauptet wird, die Aristokratie lange heidnisch geblieben sei und das Christentum für das gemeine Volk bestimmt gewesen sei, ähnlich wie heute Fußball. Die Gegenposition ist, jeder suche Gründe, sich Gott zu nähern oder zu entfernen, und fremde Motive interessierten nicht.

Migration, Pharisäer und der satanische Plan

Die Debatte wendet sich der Migration zu. Ein Beitrag sagt, Christsein und Ablehnung der Migration seien kein Widerspruch, da Migration von Pharisäern gefördert werde, die profitieren und einem satanischen Plan folgen. Behauptet wird, einzelnen schwarzen Menschen zu helfen sei nicht dasselbe wie Afrika zu helfen, und die nächste industrielle Revolution mache solche Hilfe schwieriger.

Die Gegenseite argumentiert, wenn man eine Nahost-Religion als eigen akzeptiere, sehe man nicht ein, warum man anderen verbieten sollte, ihre durchzusetzen. Das Argument dient der Verteidigung des Einheimischen gegen das Invasive, ohne gemeinsame Schlussfolgerung.

Kindertaufe und Unschuld

Ein weiterer Aspekt ist die Taufe. Erinnert wird daran, dass am Anfang des Evangeliums nur Erwachsene getauft wurden und man wie Kinder sein müsse. Behauptet wird, Kinder seien ehrlicher, aufrichtiger und geneigter, Fehler einzusehen als die meisten Erwachsenen, was sie Gott näher bringe. Sie seien nicht perfekt, bereuten aber früher.

Die Diskussion kreuzt Fragen der Unschuld und Gebote. Sprüche 12:10 („Der Gerechte sorgt für das Leben seines Viehs“) wird zitiert, um zu argumentieren, wer Tiere misshandelt oder aussetzt, sei nicht unschuldig, auch wenn er die Zehn Gebote halte. Fazit: Unschuldig ist, wer für alle Taten gerichtet werden kann und in nichts versagt.



Hat Papst Franziskus die Bibel gelesen? Die Frage bleibt unbeantwortet. Klar wurde, dass der Zweifel dazu diente, dass Teilnehmer ihre eigenen Kämpfe projizieren: Orthodoxie, Freimaurerei, Heidentum, Migration, Erlösung. Niemand legte dokumentarische Beweise vor. Und währenddessen geht die Diskussion weiter.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (181 Antworten).

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