Handshake: Dezentrales DNS fordert ICANN heraus

Das dezentrale DNS-Projekt Handshake gibt 73.000 Domains frei und gewinnt Browser-Unterstützung, während der HNS-Token Liquidität sucht.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Handshake: Dezentrales DNS fordert ICANN heraus
Handshake: Das parallele DNS, das die ICANN herausfordert

Im Jahr 2020 entstand eine Bitcoin-Abspaltung (Fork), die kein Geld verwaltet, sondern Top-Level-Domains. Sie heißt Handshake und ihr Konzept ist einfach zu erklären, aber schwer umzusetzen: ein Telefonbuch für das Internet ohne zentrale Kontrolle, als Alternative zum DNS, das seit 1998 von der ICANN gesteuert wird. Vier Jahre später verfügt das Projekt über kompatible Browser, Börsen, einen Bericht der ICANN selbst und eine Community, die intensiv darüber diskutiert, ob dies die nächste kritische Infrastruktur oder ein Friedhof spekulativer Domains ist.

Die Zahl, die den Status des Projekts am besten beschreibt, ist nicht der Preis des Tokens, sondern die 73.000 reservierten Namen, die nicht beansprucht wurden und im Rahmen des sogenannten „The Happening“ freigegeben wurden. Ein Ereignis, auf das die Community als Katalysator hoffte, das laut verfügbaren Daten weder die Hashrate noch das Volumen proportional bewegte. Die Adoption schreitet voran, aber langsam.

Was ist Handshake und wie unterscheidet es sich vom ICANN-DNS?

Handshake ist eine von Bitcoin abgeleitete Blockchain, die den Besitz und Transfer von TLDs (Top-Level-Domains) ermöglicht, ohne dass ein Registrar oder eine zentrale Autorität erforderlich ist. Im Gegensatz zum hierarchischen DNS der ICANN werden Namen hier versteigert und durch Konsens aufgelöst. Der gängige Vergleich ist das einer alternativen „Telefonbuch“-Ausgabe: Die offizielle Version unterstützen alle Browser; die von Handshake muss manuell aktiviert werden.

Für den Zugriff gibt es drei Wege. Empfohlen wird Fingertip, eine Open-Source-Software, die mit der Blockchain synchronisiert wird und das Surfen mit Chrome, Firefox oder Brave ermöglicht. Der zweite Weg ist die Anpassung des System-DNS. Der dritte besteht darin, einen kompatiblen Browser zu nutzen: Beacon, Carbon, Masq, Opera Crypto, Puma oder Aloha. Jeder dieser Wege bringt Kompromisse bei Komfort und Souveränität mit sich.

Vickrey-Auktionen, Brücken und das Verwahrproblem

Der Zuteilungsmechanismus ist eine Vickrey-Auktion: Das höchste Gebot gewinnt, aber der Zweitplatzierte Preis wird gezahlt. Es gibt zwei Beträge im Spiel, den realen – den Verlust bei einem Sieg – und den blinden Betrag, der nur dazu dient, Konkurrenten abzuschrecken. Wer ernsthaft geboten hat, weiß: Das System ist auf Code-Ebene automatisiert, der spätere Handel jedoch nicht, sodass der Sekundärmarkt auf Plattformen wie Namebase stattfindet.

Die Verwahrung ist die Schwachstelle. Bob Wallet ist die Referenz für die Selbstverwahrung von Domains und Coins, nur für Desktop verfügbar und Open Source. FXWallet deckt Mobile ab, ist aber nicht offen. Die wiederkehrende Empfehlung lautet, keine Namen auf einer Börse zu lassen: Fällt die Plattform, fällt der Domain mit ihr.

Die ICANN hat Handshake bereits analysiert: Was sagt der Bericht?

Die ICANN veröffentlichte einen Bericht ihres Office of the CTO, in dem alternative Namenssysteme analysiert wurden. Darin tauchen Handshake, ENS, Namecoin und Unstoppable Domains auf. Die Schlussfolgerung der Community ist, dass nur Handshake ein vollständiges DNS ist; die anderen sind teilweise Schichten. Das Dokument ist keine Kriegserklärung, aber eine Anerkennung, dass das Monopol formale Konkurrenz hat.

Die Reaktion der Industrie war uneinheitlich. Namecheap, der zweitgrößte Registrar weltweit, kaufte Namebase, die wichtigste Handelsplattform für Handshake-Domains. TopLevelDesign, Eigentümer von .lgtb und .wiki, beanspruchten ihre TLDs im Netzwerk. Opera bestätigte die Integration, Aloha führte sie aus. Brave übernimmt laut CEO die Kosten vorerst nicht. Die Adoption ist real, aber fragmentiert.

Der HNS-Token: Miner-Liquidität und eingedämmte Spekulation

HNS wird mit einem Anreiz von 1.000 Coins pro Block geschürft, was etwa 144.000 Coins täglich auf den Markt bringt. Das ist praktisch die gesamte verfügbare Liquidität. Es gibt kein Marketing-Team, keine öffentliche Roadmap und nur wenige Börsen listen den Token: Gate.io, MEXC, Coinex, Tradeogre. Das Ergebnis ist ein Asset mit geringer Bewegung, das sich nur bei konkreten Ereignissen regt.

Das erste Halving ist terminiert. Die Community verfolgt es mit Rentabilitätsrechnern. Die Beziehung zwischen Hashrate und Preis ist nicht perfekt, aber der Trend hält an: Steigt der Preis genug, aktivieren sich inaktive Miner. Währenddessen koexistiert die Erzählung der „Akkumulation“ mit der des „Domain-Friedhofs“. Beide haben Argumente für sich.

Die Zukunft: Dezentralisierte SLDs und der Schatten der Spekulation

Der nächste diskutierte Schritt ist die Dezentralisierung auch der Second-Level-Domains, nicht nur der TLDs. Die an Bedeutung gewinnende Idee ist, Handshake an die Ethereum Virtual Machine anzubinden, um SLDs zu verwalten, während die Basisschicht sauber und auf TLDs fokussiert bleibt. Dies ist eine offene Debatte mit erheblichen technischen Implikationen.

Die wiederkehrende Kritik ist die altbekannte: Sobald eine nützliche Idee von Fork-Inhabern und Domain-Jägern geflutet wird, wird sie zum Spekulationsprodukt. Befürworter des Projekts entgegnen, dass der Markt souverän ist und dass Domain-Spekulanten schon in den Anfängen des Internets existierten. Die Diskussion ist nicht abgeschlossen. Und sie scheint auch bald nicht beendet zu sein.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (110 Antworten).

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