Guadalquivir überflutet trotz niedriger Stauseefüllstände

Der Guadalquivir tritt in Córdoba über die Ufer, während die Stauseen im Becken unter 32 % bleiben und Puebla de Cazalla nur 8 % erreicht.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Guadalquivir überflutet trotz niedriger Stauseefüllstände
Überflutete Flüsse und Stauseen bei 8 %: Das Wasser passt nicht zusammen

Der Guadalquivir führt in Córdoba Hochwasser mit roten Warnstufen, Straßen sind gesperrt und Ufergemeinden überschwemmt, während die Stauseen des Beckens weiterhin unter 32 % liegen. Es regnet stark, Bäche treten über die Ufer, einige Flüsse überfluten sich zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen, und die Reserven füllen sich nicht wie erwartet. Diese Diskrepanz – viel Wasser im Fluss, wenig im Stausee – ist der Kern des Problems und erklärt eine Wut, die längst über Stammtischgespräche hinausgeht.

Die Füllstandsdaten werden wöchentlich veröffentlicht, und hier zeigt sich der erste unbequeme Fakt. Die Stauseen, die Sevilla versorgen, stiegen in einer einzigen Sturmwoche von 45 % auf fast 60 %. Sie füllen sich also doch, aber spät, ruckartig und sehr ungleichmäßig.

Was die Daten für jeden einzelnen Stausee zeigen

Der interne Vergleich lässt die Alarmglocken läuten. Im selben Fluss, von oben nach unten geordnet: Aracena bei 54 %, Zufre bei 40 % und La Minilla bei 72 %. Weiter unten steht Melonares bei 80 % gegenüber Pintado bei 40 %. Im Hintergrund liegt Huesna bei 66 %.

Das Symbolbeispiel ist der Stausee Puebla de Cazalla, der bei 8 % nur etwa 4 hm³ gespeichert hat und erst gegen Ende der vergangenen Woche zu füllen begann, als der Sturm bereits abklang. In einer Provinz, in der die Niederschläge über dem Durchschnitt liegen und Beschränkungen schrittweise aufgehoben wurden, ärgert der Kontrast zwischen benachbarten Talsperren mit Dutzenden Prozentpunkten Unterschied mehr als jede Rede.

Die strukturelle Dürre im Süden ist real und durch Aufzeichnungen belegt. Auch der Norden bleibt nicht verschont: Es gibt Stauseen unter 70 % und manche um die 30 %, kaum mehr als Pfützen am Grund. Jenseits der Grenze kommt derselbe Fluss in Portugal mit Stauseen bei 97 % an, ein Kontrast, der immer wieder betont wird.

Wer entscheidet, wie viel Wasser gespeichert oder abgelassen wird?

Hier beginnt das Kompetenzchaos, das niemand entwirrt. Die Confederación Hidrográfica del Guadalquivir (hydrologischer Bezirksverband), dem Ministerium unterstellt, verwaltet das öffentliche Wassergut; Gemeinden und autonome Regionen entscheiden über Einschränkungen, Netzdruck, Poolverbot und Tarife. Diese Aufteilung ermöglicht es jeder Verwaltung, bei politischem Druck auf die nächste zu zeigen.

Wassersperren, Verbote zum Füllen von Pools oder Preiserhöhungen stammen nicht vom Bezirksverband, sondern von Rathäusern und kommunalen Unternehmen. In Sevilla erhöhte Emasesa den Wasserpreis wegen der Dürre um 20 %, und das Rathaus erwog sogar eine Steigerung um rund 30 %. Dass es überdurchschnittlich regnet, macht diesen Zuschlag nicht rückgängig.

Drei Thesen zur Erklärung der Anomalie

Die erste Erzählung besagt, dass Stauseen absichtlich geleert werden – Schleusen geöffnet, Wasser ins Meer – um Knappheit zu erzeugen, Land billiger zu machen und die Privatisierung der Ressource vorzubereiten. Dies ist die These des Plünderns: keine Dürre, sondern Geschäft. Zu betonen ist: Dies ist ein Verdacht, kein dokumentierter Fakt, und mit den verfügbaren Daten bleibt es Spekulation.

Die zweite These verweist auf mangelnde Wartung und Infrastruktur: begrenzte Speicherkapazität, nicht verbundene Becken, Systeme, die das Wasser nicht erfassen, wenn es binnen zwei Wochen komplett fällt. Die dritte ist prosaischer: der Wasserkreislauf. Ein Stausee sammelt, was in seinem Becken fällt; wenn der Großteil des Regens flussabwärts oder in Gebieten ohne Umleitungsinfrastruktur fällt, fließt dieses Wasser ins Meer statt in die Talsperre.

Die Liste der Verdächtigen ist lang: Wasserkraftwerke, die Turbinen betreiben und ablassen, Golfplätze, Bewässerungsfelder, Tourismus in der Hochsaison. Keine dieser Erklärungen allein deckt die Streuung der Füllstände innerhalb eines Beckens ab, und selbst alle zusammen erklären nicht, warum ein benachbarter See trocken bleibt.

Gegen die erste These spricht oft ein vergessen Argument: Flüsse müssen Wasser führen. Nicht nur für Bäume und Vögel, sondern um die Grundwasserleiter der Tiefländer aufzufüllen und das Eindringen von Salzwasser an der Küste zu stoppen. Den Fluss bis zum letzten Tropfen trockenzulegen, ist auch keine neutrale Option.

Der Wasserpreis steigt, obwohl es regnet

Die Rechnung ist der Punkt, der die Gemüter am meisten bewegt. Der Regen hat die Dürre in Sevilla so weit gelockert, dass die Angst vor Kürzungen verflogen ist, aber der Wasserpreis ist nicht auf das alte Niveau zurückgekehrt. Das Gefühl, dass die Anstrengung auf der Rechnung bezahlt wird, während das Wasser unterwegs verloren geht, ist der Treibstoff für all den Ärger.

Hinzu kommt das Rauschen um Wasserumleitungen. Kritisiert wird, dass Beiträge aus anderen Becken gefordert werden, ohne zu erklären, was mit dem Wasser geschieht, das bereits vorhanden ist. Bezirksverband, Ministerium, Regionalregierung und Rathäuser schieben sich gegenseitig die Verantwortung zu, was allein schon eine Untersuchung rechtfertigen würde.

Es bleibt der verstörende Fakt. Mitten in einer Woche sintflutartiger Regenfälle in Sevilla lag Puebla de Cazalla immer noch bei 8 % mit 4 hm³ und begann erst zu füllen, als der Sturm abzog. Bei überfluteten Flüssen und gleichzeitig fast leeren Stauseen lautet die Frage nicht mehr, ob es regnet. Sondern was mit dem Regenwasser passiert.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (170 Antworten).

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