Greta Thunberg schließt sich den Studentenprotesten in Frankreich an

Greta Thunberg schließt sich in Saint-Denis einem Studentenaufstand an, der seit einem Monat andauert – mit 6.800 Festnahmen und 24 internen Ermittlungen gegen die Polizei.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Greta Thunberg schließt sich den Studentenprotesten in Frankreich an
Greta Thunberg taucht in Saint-Denis auf, während der französische Studentenaufstand in den zweiten Monat geht

Der französische Studentenprotest lief bereits seit vier Wochen, als Greta Thunberg vor dem Gymnasium Paul-Éluard in Saint-Denis erschien, dem größten Vorort von Paris. Wenige Worte, viele Kameras. Das fasst einen Tag zusammen, an dem sich die 23-jährige schwedische Aktivistin einer Bewegung anschloss, die ohne sie entstanden war – von der Basis aus, an den Gymnasien der Vorstädte, Ende September.

Der fünfte Akt des Aufstands gegen fehlende Lehrer, überfüllte Klassen und verfallene Gebäude gipfelte in einem nationalen Marsch von der Place d'Italie bis zu den Invaliden, ganz in der Nähe des Regierungssitzes und des Bildungsministeriums. Auch Proteste in Lyon, Marseille, Lille, Toulouse und Bordeaux wurden angekündigt. Am vorherigen Donnerstag gingen mehr als 70.000 Menschen in ganz Frankreich auf die Straße, rund 500 wurden festgenommen. Seit Beginn der Mobilisierung wurden laut Justizministerium mehr als 6.800 Menschen festgenommen, die meisten davon minderjährig.

Die Bilanz eines Aufstands, der nicht mit Greta begann

Die Opferbilanz ist alles andere als rhetorisch. Ein junger Mann verlor eine Hand durch eine Polizeibetäubungsgranate. Ein anderer verlor ein Auge. Einem anderen wurden die Zähne durch eine aus nächster Nähe abgefeuerte Tränengasgranate ausgeschlagen. Die Polizei hat 24 interne Ermittlungen wegen mutmaßlicher Gewalt gegen Demonstranten eingeleitet. Auch auf der anderen Seite gibt es Verletzte: Das Ministerium zählte acht verletzte Schulbeschäftigte, während in Reims, Marseille und im Umland von Paris Feuerwerkskörper in Augenhöhe abgefeuert wurden. Das Ministerium erklärt, die Schließungen nähmen ab, aber "die Gewalt nehme zu": Heute wird mit der Schließung von rund 200 der 3.700 Gymnasien gerechnet, gestern waren es 130.

In Saint-Denis bildeten Robenanwälte eine Menschenkette, um die Schüler zu schützen. Manche Universitätsdozenten erschienen mit weißen Armbinden an den Märschen, um als Schutzschild zu dienen. Das ist das echte Frankreich dieser Tage, das erst in den Abendnachrichten auftaucht, wenn ein bekanntes Gesicht da ist.

Der Greta-Effekt: Die Nachricht ist nicht mehr die verlorene Hand

Ihre Worte, bei dem Auftritt aufgezeichnet: "Junge Menschen werden nicht in den Dialog einbezogen. Man stiehlt uns die Zukunft." Sie fügte hinzu, dass die Kürzungen an den weiterführenden Schulen den Jugendlichen die Botschaft vermittelten, "sie seien keine Priorität für die Gesellschaft", und kritisierte die Polizeigewalt gegen junge Demonstranten.

Ganz einfach. Aber diese Jugendlichen sind seit einem Monat auf der Straße. Geschlagen, festgenommen, einige verstümmelt. Sie kommt am Ende, kurz vor den Allerheiligenferien. Und von diesem Moment an ist die Nachricht nicht mehr die verlorene Hand eines sechzehnjährigen Mädchens. Nicht mehr die zehn Milliarden, die für die weiterführenden Schulen gefordert wurden. Die Nachricht ist sie. Das berühmte Gesicht verschlingt die Geschichte und betritt die Bühne, ohne dafür irgendetwas bezahlt zu haben.

Es ist der älteste Trick der Kommunikation: Ein echter Protest wird in den Augen von ganz Frankreichs halber Bevölkerung zu "Gretas Protest". Also zu professionellem Aktivismus, zum Zirkus. Ein Geschenk auf dem Silbertablett für alle, die ihn kleinreden wollen. Es ist nicht das erste Mal: 2019 brachte sie ihre Schulstreik-Kampagne bereits nach Paris. Greta ist keine Schülerin, sie ist keine Französin und hat die feuchte Luft dieser Klassenzimmer nie geatmet. Sie ist eine globale Aktivistin, die von Sache zu Sache zieht, und jede Sache, die sie berührt, wird zu ihrer.

Macrons Brosamen und der Machtkampf um die 10 Milliarden

Bildungsminister Édouard Geffray hatte 3.000 Vertretungslehrer für die 114 leistungsschwächsten Gymnasien versprochen. Heute erklärt er, dass erst 35 % zugewiesen seien, während Berichte kursieren über Lehrer, die in Fächer geschickt wurden, für die sie nicht qualifiziert sind. Zudem wurden dem Ministerium zusätzliche 1 Milliarde Euro zugewiesen. Die Studierendengewerkschaft nennt das "Brosamen" und fordert einen Notfallplan über zehn Milliarden sowie die Abschaffung von Parcoursup, der Plattform, die Schüler mit den Universitäten verbindet und der sie vorgeworfen wird, Ungleichheit zu erzeugen. Sie verlangen außerdem ein Treffen mit Premierminister Sébastien Lecornu, der sie bisher nicht empfangen hat.

Emmanuel Macron, interviewt auf einer Automobilausstellung, rief zur Geduld auf: "Diese Themen verdienen Zeit, Anhörung, Debatte und Respekt." Das sagt ein Präsident wenige Monate vor der Wahl, die seinen Nachfolger bestimmen wird. Er hatte Zeit. Und er hat sie verschwendet. Die französischen Gymnasien sind nicht über Nacht verfallen: Ihr Niedergang ist das Ergebnis jahrzehntelanger Regierungen aller Couleur, die die öffentliche Bildung mit derselben Leichtigkeit gekürzt haben. Nur dem letzten Bewohner des Élysée die Schuld zu geben wäre bequem, aber falsch.

Wer die Proteste für sich nutzt und wer sie entschärft

Die Mobilisierung wird von den Gewerkschaften und von La France Insoumise, Mélenchons radikaler Linkspartei, unterstützt. Viele Eltern fürchten, dass ihre Kinder als politische Bauern benutzt werden. "Blockaden sind von Natur aus undemokratisch", empört sich eine Pariser Mutter. "Es ist beschämend, jemandem das Studium für eine Bewegung zu verwehren, zu der er nicht gehört", sagt Clara Juillet, eine Studentin aus Tours.

Manche behaupten, das eigentliche Problem sei nicht die Finanzierung, sondern die Schülerschaft: Hunderttausende Schüler, die kein Interesse am Lernen hätten und nur zum Spaß und zum Stören in die Schulen gingen, und die eigentlich ein Handwerk lernen sollten. Dagegen steht das Argument, dass ohne Geld weder Klassenzimmer noch Lehrer noch Zukunft existieren. Und mittendrin eine Aktivistin, die zum fünften Akt eintrifft und mit dem Rampenlicht abzieht.

Wie lange dauert es, bis eine echte Bewegung zur Kulisse für einen Promi wird?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (15 Antworten).

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