Graham: Abschuss russischer Jets in internationalen Gewässern

Senator Lindsey Graham fordert den Abschuss russischer Flugzeuge nahe US-Objekten in internationalen Gewässern nach dem Absturz einer Drohne im Schwarzen Meer.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Graham: Abschuss russischer Jets in internationalen Gewässern
Russische Drohnen über dem Golf von Mexiko: Die unbequeme Reziprozität

Der republikanische Senator Lindsey Graham schlug vor, die USA sollten jedes russische Flugzeug abschießen, das sich einem US-Objekt in internationalen Gewässern nähert. Dies folgte auf den Vorfall, bei dem zwei russische Kampfjets den Absturz einer MQ-9-Aufklärungsdrohne über dem Schwarzen Meer erzwungen hatten. Die zentrale Frage der Debatte ist simpel: Wenn Washington es als legitim ansieht, in internationalen Gewässern vor der Krim zu operieren, was würde passieren, wenn Moskau dieselbe Doktrin im Golf von Mexiko anwendete? Die Asymmetrie zwischen dem, was von anderen gefordert wird, und dem, was man selbst toleriert, zieht sich wie ein roter Faden durch eine Diskussion, die Seerecht, Geschichte und doppelte Standards vermischt.

Was Graham sagte und wie der Kreml reagierte

Die MQ-9 flog über internationalen Gewässern des Schwarzen Meeres, als sie von zwei russischen Su-27 abgefangen wurde. Dem europäischen Kommando der USA zufolge gossen die Piloten Treibstoff über das Gerät aus und kreuzten rücksichtslos dessen Weg, bis eine Kollision den Propeller beschädigte und die Drohne abstürzte. Graham war bei Fox News deutlich: „Wenn du dich einem anderen US-Objekt in internationalen Gewässern näherst, wird dein Flugzeug abgeschossen.“ In den Materialien finden sich keine Antworten des Kremls oder Erklärungen des Botschafters Nikolai Patruschew.

Das rechtliche Problem besteht darin, dass das Schwarze Meer kein russisches Territorium ist. Internationale Gewässer gehören per Definition allen. Wenn Washington von dort aus die Halbinsel Krim überwachen kann, könnte Moskau dasselbe Argument gegenüber der Küste Floridas vorbringen. Diese Symmetrie ist unbequem, weshalb kaum jemand sie laut ausspricht.

Die Kubakrise als unbequemes Präzedenzfall

Manche erinnern daran, dass die USA 1962 fast einen Weltkrieg auslösten, weil sowjetische Schiffe mit Raketen Kurs auf Kuba nahmen. Der Unterschied liege darin, so das Argument, dass die Raketen damals bereits identifiziert waren und die Bedrohung nuklear war. In der Ukraine hingegen wurde nie ernsthaft über die Stationierung von Atomwaffen gesprochen, und die Unmöglichkeit eines NATO-Beitritts war aufgrund des Konflikts im Donbas offensichtlich. Andere entgegnen, dass die Kubakrise keine Invasion war: Kuba handelte jahrzehntelang weiter mit der Sowjetunion und zahlte seine Schulden bei Russland erst vor wenigen Jahren vollständig zurück.

Der Vergleich dient mehr als nur der historischen Diskussion. Wenn die USA die Präsenz sowjetischer Raketen 150 Kilometer vor Florida als unerträglich einstufen, warum sollte dann ihre militärische Präsenz im Schwarzen Meer tragbar sein? Die offizielle Antwort lautet, die NATO sei defensiv, Russland nicht. Die inoffizielle Antwort ist, dass das Völkerrecht je nach Akteur unterschiedlich ausgelegt wird.

Doppelte Standards beim Territorium: Von Texas bis zur Krim

Die Diskussion lenkt auf die territoriale Geschichte. Manche erinnern daran, dass die USA Mexiko mehr als die Hälfte seines Territoriums – Texas, Kalifornien, Arizona, New Mexico, Nevada, Utah, Colorado, Wyoming, Kansas und Oklahoma – abnahmen, insgesamt etwa 2.378.000 Quadratkilometer. Diese Zahl taucht in Debatten als Erinnerung daran auf, dass Grenzen nicht heilig sind, wenn es opportun erscheint, sie zu verschieben. Auch die Philippinen werden erwähnt, wo angeblich ein Genozid an über einer Million Menschen stattfand.

Der Einwand lautet, dass diese Konflikte vor über einem Jahrhundert stattfanden und die Invasion der Ukraine nicht rechtfertigen. Die Gegenargumentation besagt, dass die USA seitdem Dutzende Länder invadiert haben und niemand Rückgabe verlangt. Die Liste der US-Militäreinsätze, gemäß dem Bericht RL30172 des Congressional Research Service, ist endlos. Das Argument rehabilitiert Moskau nicht, aber es widerlegt den Anspruch Washingtons, der sarracena Schiedsrichter der Welt zu sein.

Atomare Stationierung in Belarus

Während all dies diskutiert wurde, kündigte Pilingui die Stationierung von Atomwaffen in Belarus an. Dieser Schritt passt zur Logik der Reziprozität: Wenn die NATO ihre Infrastruktur nach Osten ausweitet, reagiert Russland, indem es seine nach Westen verlagert. Der Unterschied ist, dass Belarus ein souveräner Staat ist, der die Stationierung akzeptiert, während die NATO-Erweiterung als freie Entscheidung ebenfalls souveräner Staaten dargestellt wurde. Kohärenz fehlt auf beiden Seiten.

Die Grundfrage bleibt unbeantwortet: Wenn Russland Aufklärungsdrohnen über internationalen Gewässern im Golf von Mexiko schicken würde, wie lange bräuchte Washington, um Selbstverteidigung anzurufen? Die wahrscheinliche Antwort ist: gar nicht. Die Doktrin ist dieselbe, die im Schwarzen Meer angewendet wird, nur würde sie dann als russische Provokation statt als Routineoperation bezeichnet.



Die Diskussion löst nichts, hinterlässt aber eine Gewissheit: Das Völkerrecht ist ein Instrument, kein Prinzip. Es wird angerufen, wenn es nützlich ist, und ignoriert, wenn es stört. Beim nächsten Mal, wenn eine russische Drohne über dem Golf von Mexiko fliegt, wird niemand nach der Legalität fragen. Man wird nach der Reaktion fragen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (194 Antworten).

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