Gotham-Report lässt Grifols-Aktie um 35 % abstürzen

Nach einem Short-Attack von Gotham City Research fiel die Grifols-Aktie in Spanien um 35 %. Das Unternehmen klagte gegen die Firma, der Fall ist noch offen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Gotham-Report lässt Grifols-Aktie um 35 % abstürzen
Gotham attackiert Grifols: Aktie stürzt um 35 % ab

Ein einziger Tweet genügte, um den spanischen Aktienmarkt aufzumischen. Gotham City Research – dieselbe Firma, die einst Gowex entlarvte – kündigte einen Bericht über ein „hoch verschuldetes spanisches Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von über 10 Milliarden Euro“ an. Die Spekulationen begannen, bevor das Dokument existierte: ACS, Acciona, Cellnex, sogar eine Bank wurden genannt. Fast niemand lag richtig.

Das Ziel war Grifols, der Riese im Bereich Blutplasma, kontrolliert von der Gründerfamilie und seit langem wegen seiner Schuldenlast unter Beobachtung. Der Bericht trug den Titel „Scranton and the Undisclosed Debts“, und Gotham verglich die Situation mit NMC Health, dem britischen Fall, der 2019 Milliarden vernichtete.

Die Reaktion ließ nicht auf sich warten. Die Aktie startete mit -17 %, fiel auf -26 %, während man nach dem Dokument suchte, und erreichte schließlich -35 %. Die häufigste Bemerkung: Am Ende könnten die Jungs von Gotham recht gehabt haben.

Was der Bericht sagt und wie Grifols reagierte

Im Kern des Angriffs standen die Unternehmensstrukturen der Gruppe: die Beziehung zur Gesellschaft Scranton, Geschäfte mit verbundenen Parteien und Vorzugskaufrechte für bestimmte Tochtergesellschaften. Das Bärenargument zusammengefasst: Eine Kaufoption zu besitzen bedeutet nicht unbedingt Kontrolle, und wenn diese Unterscheidung genutzt wird, um Schulden aus der Bilanz zu halten, stimmen die Zahlen nicht.

Grifols wies die Schlussfolgerungen zurück und reichte parallel Klage gegen die Firma ein, um die Veröffentlichung weiterer Berichte zu stoppen. Die Antwort des Unternehmens enthielt ein Detail, das mit Ironie hervorgehoben wurde: Zunächst behauptete es, die Informationen seien falsch, und erinnerte dann daran, dass sie bereits vor sechs Jahren veröffentlicht worden waren. Diese beiden Versionen passen nicht zusammen.

Die Spur der SEC im Fall Grifols

Eines der gewichtigsten Elemente war der Schatten des US-Regulators. Das Unternehmen notiert als ADR in den USA und hatte, wie sich aus der Affäre ergab, seinen Prüfungsausschuss auf Wunsch der SEC geändert. Für Teile der Analyse liegt hier der Schlüssel: Wenn ein Bericht eines Leerverkäufers reine Luft wäre, gäbe es keine solchen internen Änderungen.

Manche erinnern daran, dass Gotham bei solchen Operationen eigene Interessen verfolgt. Die Änderung des Prüfungsausschusses auf Druck der SEC passt jedoch nicht gut zu diesem Einwand.

Warum Gowex in jeder Vergleichsbilanz weiter lastet

Gowex ist der Geist, der nicht vergeht. Dieses Geschäft mit WLAN in Zeitungskiosken notierte im MAB (wo die Kontrollen eher lax waren) und zerbrach, als Gotham seinen Bericht veröffentlichte. Viele Investoren lachten damals über den Namen der Firma und kauften, was sie für Schnäppchen hielten. Man weiß, wie es endete.

Der Unterschied diesmal liegt in der Größenordnung und im Umfeld. Grifols ist kein kleines Kioskgeschäft: Es hat ein reales industrielles Geschäft, internationale Präsenz und Tausende Mitarbeiter. Aber es notiert im IBEX 35, wo CNMV (spanische Börsenaufsicht) und Wirtschaftsprüfer strenge Kontrolle ausüben sollen. Das ist der eigentliche Schock: Nicht dass ein kleines Unternehmen betrügt, sondern dass ein Blue-Chip-Unternehmen unter Verdacht gerät.

Der Vertrauensbruch am spanischen Aktienmarkt

Die häufigste – und unbequemste – Schlussfolgerung lautet immer wieder: Nicht in Spanien investieren. Ein Absturz von 35 % in einer einzigen Sitzung wird nicht vergessen, besonders wenn die Klagen noch laufen und die Aktie ihr verlorenes Terrain nicht wieder gutmacht.

Manche behaupten, dies sei nur ein Sturm, den das reale Geschäft verkraften werde. Andere blicken auf die Bilanz und sehen keinen Ausweg. Da der Fall vor Gericht liegt und der Prüfungsausschuss geändert wurde, ist die Frage nicht mehr, ob Grifols weniger wert ist. Sondern wie viel weniger, und wer das entscheidet: der Markt oder die Richter.


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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (261 Antworten).

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