Gold gewinnt an Bedeutung als globale Reserve und Anleihen geraten unter Druck
Dass die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe die Marke von 5 % überschritt und die dreißigjährige bei 5,348 % lag, hat die letzte Woche zu einer ernsten Warnung für die Aktienmärkte gemacht. Parallel dazu zeigen Branchendaten, dass Gold auf 27 % der globalen Reserven angestiegen ist, verglichen mit 22 % für US-Staatsanleihen und 15 % für den Euro. Dies ist keine gewöhnliche Rotation: Es bestätigt, dass Zentralbanken ihre sicheren Häfen neu ordnen.
Die Debatte darüber, was mit dem globalen Währungssystem passiert, ist nicht mehr das Territorium von Pessimisten. Basel III stufte Gold in Kategorie Tier 1 ein, was es auf dieselbe Risikostufe wie Staatsanleihen und Bargeld stellt. Das ermöglicht Institutionen, es als funktionales Reservevermögen zu behandeln, was bis vor kurzem in Risikomanagement-Handbüchern undenkbar war.
Gold gewinnt an Gewicht als Referenzreserve
Während der Dollar sich stärkt —der DXY-Index erreichte 102,5, sein höchster Stand seit fast 18 Monaten— hat Gold die Führung als globales Reservevermögen übernommen. Die US-Reserven stehen weiterhin mit 42,22 Dollar pro Unze seit 1973 in den Büchern und wurden nie neu bewertet. Eine Neubewertung zu Marktpreisen würde laut kursierenden Berechnungen 1,13 Billionen Dollar zur Bilanz hinzufügen.
China hat seine Käufe intensiviert. Im September fügte die Volksbank seinen Reserven 740.000 Unzen hinzu, was den 23. aufeinanderfolgenden Monat der Akkumulation markiert. Zudem beginnt sie, einen Teil ihrer Goldreserven von London nach Hongkong zu verlagern, was einen Trend beschleunigt, den manche als Vorbereitung auf ein anderes monetäres Szenario interpretieren.
Der Präsident der Bundesbank, Joachim Nagel, wies darauf hin, dass steigende öffentliche Schuldenstände die Notwendigkeit für Zentralbanken verstärken, ihre Goldreserven zu erhöhen. Dies ist keine isolierte Meinung: Es ist die Feststellung, dass Zentralbanken das Metall als Absicherung gegen das souveräne Kreditrisiko kaufen.
US-Staatsanleihen geraten unter Druck und ziehen Börsen mit
Die Rendite der zehnjährigen US-Anleihe hat die Marke von 5 % überschritten, wobei die zweijährige bei 4,516 % und die dreißigjährige bei 5,348 % liegt. In Europa wird die Situation als absolutes Desaster beschrieben. Finanzminister Scott Bessent kündigte an, die Größe der Rückkaufoperationen für Anleihen zu verdoppeln, um die Liquidität zu stützen, eine Maßnahme, die Edelmetalle beflügelte: Gold stieg in einer einzigen Sitzung um 181 Dollar (4,2 %), der größte Gewinn seit Februar, und Silber um 5,7 %.
Ray Dalio warnte, dass Tokio und Peking bald aufhören könnten, die US-Ungleichgewichte zu finanzieren. "Die Chinesen wollen nicht weiter Vermögen ansammeln. Es gibt geopolitische Probleme neben den wirtschaftlichen", erklärte er gegenüber Bloomberg. Die Dynamik zwischen Gläubiger und Gegner sei sehr komplex. Japan habe viel Geld US-Beamten anvertraut und wolle es nun zurück.
Michael Burry warnte, dass die große Short-Wette sich bald wiederholen könnte, da die Zinsen sechs Wochen in Folge steigen und die Hypothekenanträge in einer einzigen Woche um 6 % fielen. Der US-Immobilienmarkt zeigt Ermüdungszeichen, die an 2008 erinnern.
Silber und Kupfer: Knappheit an Erz, nicht an Metall
Im Silbermarkt dreht sich die Diskussion darum, ob es eine echte Knappheit gibt. Ein Teilnehmer fasst es drastisch zusammen: "Es ist klar, dass es bei Silber keine Knappheit im eigentlichen Sinne gibt, sonst wäre der Preis anders." Allerdings deuten Daten chinesischer Schmelzen auf das Gegenteil hin: Ende September zahlten sie Bergbauunternehmen mehr als 230 Dollar pro Tonne Erz, nicht wegen Kupferknappheit, sondern wegen Mangels an silberhaltigem Erz.
Pan American Silver erzielte im zweiten Quartal einen durchschnittlichen Verkaufspreis von 70,97 Dollar pro Unze bei Gesamtkosten von 17,80 Dollar. Ein Jahr zuvor verkaufte man zu 32,91 Dollar und gab 19,66 Dollar für die Produktion aus. Der Gewinn pro Unze ist von etwa 13 auf etwa 53 Dollar gestiegen. Diese Margen erklären, warum Bergbauunternehmen niedrig bewertet sind im Verhältnis zum Cashflow.
Versteckte Schulden der Tech-Riesen: 1,65 Billionen
Finanzberichte von Alphabet, Amazon, Meta, Microsoft und Oracle offenbarten versteckte Schulden in Höhe von 1,65 Billionen Dollar —achtmal höher in vier Jahren— im Bestreben, Rechenzentren zu bauen. Morgan Stanley und Moody's haben das Problem in ihren Berichten hervorgehoben. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich weist auf die Parallele mit dem Telekommunikationsboom der späten Neunziger hin.
Die Zirkularität der Finanzierung ist bemerkenswert: "Trotz unterschiedlicher Emittenten, Strukturen, Ratingagenturen und Kreditmärkte konvergiert das gesamte Risiko bei nur acht Namen", heißt es in der zitierten Dokumentation. Meta, Oracle, Microsoft, Amazon, Google, Nvidia sowie im weiteren Sinne OpenAI und Anthropic konzentrieren das Risiko.
Öl und die Energiekrise, die kein Ende findet
Das Brent-Öl nähert sich der Marke von 120 Dollar, eine Prognose aus Juli, die nun wahr zu werden scheint. Der Engpass liegt in den Raffinerien: Die großflächige Zerstörung in Russland und dem Nahen Osten durch die Kriege in der Ukraine und im Iran überlastet die Anlagen im Rest der Welt, die ohne notwendige Wartungsstopps arbeiten. Das Risiko schwerer Ausfälle, die sie monatelang stilllegen, ist real.
Eine zitierte Analyse warnt, dass Schäden an der Golf-Energieinfrastruktur keine einfache Unterbrechung sind, die mit einem Waffenstillstand endet, sondern ein Wiederaufbauproblem, das Jahre dauern und Billionen Dollar kosten wird. Die Weltwirtschaft bezahlt für einen Krieg, den sie für beendet hält.
Wohnraum: von 1,4 % auf 200 % in der EU
Die Wohnungspreise in der EU sind je nach Land zwischen 1,4 % und 200 % explodiert, ein Phänomen, das sich nicht allein durch nationale Ursachen erklären lässt. Die populäre Erklärung —die Gier der Bauträger— hält der Analyse nicht stand: Es ist unmöglich, dass alle gleichzeitig in denselben wahnsinnigen Zustand der Gier verfallen. Dies würde voraussetzen, dass sie sich über ihre Gefühle hinsichtlich dessen einigen, was ko
Die Analyse steckt an einem Punkt fest: Wenn Gold an Bedeutung als globale Reserve gewinnt und US-Staatsanleihen unter Druck geraten, warum kaufen Anleger dann weiterhin Aktien zu überhöhten Bewertungen? Die Antwort ist wahrscheinlich, dass niemand der Erste sein will, der aussteigt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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