Goebbels und das NS-Narrativ der roten Gewalt in Berlin

Ein 1938er Text von Goebbels über rote Gewalt in Berlin taucht auf: 200 Tote und 4.000 Verletzte, die die Partei ihren Gegnern zuschrieb.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Goebbels und das NS-Narrativ der roten Gewalt in Berlin
Goebbels, das Berliner Zwischenkriegs-Berlin und die Erzählung der zwei Opfer

Ein Fragment von Joseph Goebbels aus dem Jahr 1938 kursiert in aktuellen Debatten. Es stammt aus dem Kapitel „Terrorismus und Widerstand“ seines Buches Der Kampf um Berlin, in dem der Nancy-Führer den Kampf um die Straßen der deutschen Hauptstadt am Ende der Weimarer Republik rekonstruiert. Der nun wiederentdeckte Abschnitt ist sehr konkret: Er beschreibt die Gewalt, die seine Bewegung Kommunisten und Sozialdemokraten zuschrieb, dargestellt als geplante Aggression gegen ihre eigenen Mitglieder.

Dieser Text ist einseitige Propaganda und muss so gelesen werden. Er ist auch ein Zeitdokument darüber, wie eine aufsteigende Partei ihr Narrativ des Opfers konstruiert.

Was genau sagt Goebbels' Text?

Goebbels beschreibt eine Doppelfront. Auf der einen Seite den Bolschewismus, der laut ihm die Straße beherrschte; auf der anderen die Sozialdemokratie, fest und scheinbar uneinnehmbar in den öffentlichen Ämtern. Der Auslöser war seiner Version zufolge der Slogan „Berlin bleibt rot!“, den seine Partei begraben wollte. Ab diesem Moment behauptet er, dass eine Kampagne der Lügen und Verleumdungen entfesselt wurde, wobei die genehme Presse — er zitiert Vorwärts und Rote Fahne — den Ton angab und der Rest der Presse die Symphonie vollendete.

Seine Beschreibung des roten Terrors ist explizit: Kameraden, die nachts bei der Rückkehr von einer Kundgebung erstochen oder erschossen wurden, Überfälle in Hinterhöfen mit zehnfacher bis zwanzigfacher Überlegenheit, Todesdrohungen in ihren eigenen Wohnungen. Eine Grundklage, die jede Partei heute wiederholt: Die Polizei, so argumentiert er, schützte sie nicht.

Die Zahlen, die die Partei selbst beanspruchte

Der Nationalsozialismus verkaufte sich als Partei der Märtyrer. Die Zahl, die in der Diskussion auftaucht: 200 Tote und mehr als 4.000 Verletzte in ihren Reihen während zwölf Jahren politischen Kampfes, eine Zahl, die ein Teilnehmer hauptsächlich der Kommunistischen Partei zuschreibt. Dies sind parteiische Daten ohne Vergleich mit anderen Quellen, und sie dienen dem Zweck, für den solche Zahlen üblicherweise genutzt werden: ein Verfolgungsnarrativ zu konstruieren, das Vergeltung legitimiert.

Das begleitende Argument lautet, dass diejenigen, die sich später als Pazifisten und Dialogbefürworter präsentieren, dieselben waren, die auf der Straße Gewalt ausübten. Dies ist eine politische These, kein dokumentarischer Befund.

Das Berlin der zwei Gewalten

Das Berliner Zwischenkriegs-Berlin war kein Idyll. Zwischen dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Machtübernahme der Nancy lieferten sich paramilitärische Organisationen aller Couleur fast kontinuierlich Gefechte, mit Toten auf beiden Seiten und einer Straflosigkeit, die heute kaum vorstellbar ist. Der Text erzählte diesen Krieg nur von einer Seite und tat dies mit handwerklichem Können.

Die Hintergrundgeschichte ist älter. Im Januar 1919 endete die spartakistische Revolution mit der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht durch paramilitärische Gruppen. Ihr meistzitiertes Urteil — „Ordnung herrscht in Berlin!“ — und die Warnung, dass diese Ordnung auf Sand gebaut sei, sind Gemeinplätze im Gedächtnis der europäischen Linken geworden.

Rosa Luxemburg, mehr als nur ein Symbol

Luxemburg war Theoretikerin und Führerin, nicht nur Märtyrerin. Wer sie im Thread verteidigt, betont sowohl ihre theoretischen Beiträge als auch ihren tragischen Tod. Ihre Figur ist zum Icon des europäischen linken Gedächtnisses geworden.

Vom Text von 1938 zur heutigen politischen Nutzung

Es gibt zwei klare Strömungen in der Rezeption dieses Materials. Eine liest das Fragment als Vorwegnahme eines wiederkehrenden Musters: die Allianz zwischen institutionellem Apparat und Mobilisierung auf der Straße gegen einen unbequemen Gegner. Eine andere erinnert an das Offensichtliche: Dass der Autor dieser Zeilen später das Propagandaministerium eines Regimes leitete, das einen Weltkrieg auslöste und den Holocaust verübte, und dass das NS-Opferbewusstsein nur ein weiteres Rädchen in seiner Maschinerie ist.

In dieser zweiten Gruppe tauchen auch Nachrichten auf, die den Völkermord relativieren oder direkt leugnen. Dies sind Behauptungen ohne jegliche dokumentarische Grundlage, widersprochen durch historische Beweise, und sie halten keiner Überprüfung gegenüber den erhaltenen Quellen stand.

Kurt Lewin, ein Name, den einige in die Gleichung einfügen

Eine kuriose Ableitung der Analyse schreibt Kurt Lewin, einem deutschen Psychologen jüdischer Herkunft, die Urheberschaft der Massenmanipulationstechniken zu: Ein Teilnehmer stellt ihn als Gründer der Gruppendynamik und der modernen Sozialpsychologie dar und behauptet, seine Arbeiten seien in der alliierten Kampagne gegen Deutschland auf die Massenkommunikation angewandt worden. Die Verbindung zum Text von 1938 ist jedoch viel schwächer, als diese Analyserichtung suggeriert.

Das Fragment wird heute als das gelesen, was es ist: ein gut gemachtes Stück Propaganda, geschrieben von jemandem, der ein direktes Interesse daran hatte, geglaubt zu werden. Der unbequeme Teil — warum ein solcher Text einen heutigen Leser immer noch herausfordert — bleibt unbeantwortet.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (105 Antworten).

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