Gisbert und Ceuta: Die Fremdscham als journalistisches Genre

Rubén Gisbert schämt sich für die Bevölkerung von Ceuta und löst heftige Kritik aus: vom Narzissmus der TV-Meinungsmacher bis zur Krise einer Stadt, die sich allein fühlt

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Gisbert und Ceuta: Die Fremdscham als journalistisches Genre
Gisbert macht aus seiner Scham wegen Ceuta wieder eine Inszenierung

Wie fühlt es sich an, wenn jemand sich aus der Bequemlichkeit eines Tweets heraus für eine ganze Stadt schämt? Rubén Gisbert, eine Medienfigur mit Verbindungen zu Kriminalmagazinen und inzwischen auch zu Gegenkundgebungen, schrieb, er schäme sich «für die Bevölkerung von Ceuta», und das sage er «mit großem Schmerz». Der in sozialen Medien veröffentlichte Satz löste einen Sturm gegenseitiger Vorwürfe aus, der weit über Ceuta hinausgeht: vom Umgang mit der Grenzkrise bis zur Rolle der Monarchie, vom Narzissmus der Meinungsmacher bis zur Erschöpfung eines Landes, das nur noch auf sich selbst blickt.

Was in Ceuta geschah und warum Gisbert von Scham spricht

Auslöser ist eine Krise in der autonomen Stadt, die der Beitrag selbst nicht näher beschreibt, die im Kontext der Debatte aber in ein Klima von **Verzweiflung in der Bevölkerung** und einem Gefühl realer Gefahr für die Familien eingeordnet wird, so ein Teilnehmer. Der Besuch des Königs wird von einem Teil der Bevölkerung als Geste der Unterstützung angesichts einer wahrgenommenen äußeren Bedrohung gelesen. Gisbert hingegen entscheidet sich dafür, die Ceutíes als Ganzes zu kritisieren. Das Ergebnis ist ein Klassiker: der Meinungsmacher, der sich zum sarracena Gewissen einer Gemeinschaft aufwirft, der er nicht angehört.

Manche halten die Reaktion des Königs und seine institutionelle Präsenz für notwendig, andere sehen in der Monarchie ein nutzloses Dekorationsstück. Die Diskussion spaltet sich in zwei Lager, die einander nicht zuhören.

Die Vorgeschichte: vom Knien im Schlamm zur Gegenkundgebung

Die Glaubwürdigkeit der Botschaft hilft nicht. Es kursieren Aufnahmen und Beschreibungen, wie Gisbert sich vor dem Liveauftritt in einer TV-Sendung auf die Knie fällt, um anschließend mit Schlamm bedeckt zu erscheinen – eine Geste, die als Inszenierung gedeutet wird. Ihm wird zudem die Organisation einer Gegenkundgebung zu einer anderen Veranstaltung in Ceuta zugeschrieben. Für viele macht das seinen «Schmerz» zu einem Marketingprodukt. Und wer seine Marke auf Dauerempörung aufbaut, dessen Empörung klingt am Ende wie ein Drehbuch.

Ein Land, das sich selbst hasst: vom Vorwurf an Ceuta zum Vorwurf an Spanien

Der ursprüngliche Beitrag diente als Sprungbrett für eine kollektive Katharsis. Beschwerden werden aufgezählt: das Gefühl, dass Institutionen versagen, die wahrgenommene Straflosigkeit in bestimmten Fällen, der Umgang mit Terroranschlägen und ihre wahltaktische Wirkung, die Nachsicht gegenüber bestimmten Diskursen. Das am häufigsten gezogene Fazit lautet: **Es geht nicht nur um Ceuta, es geht um ganz Spanien**. Der Neid als Nationalsport, das fehlende Wort, das «Reinlegen des Nebenmanns» erscheinen als Diagnosen eines angeblich nationalen Charakters. Es ist das alte Laster, eine Anekdote in eine anthropologische These zu verwandeln.

Die Falle des «Volkes»: Wer spricht für wen?

Der schärfste Vorwurf richtet sich nicht gegen Gisbert, sondern gegen diejenigen, die verallgemeinern. Das Empfinden Tausender Menschen von der Tastatur aus zu deuten, ist derselbe Fehler, der ihm vorgeworfen wird. Die meisten Spanier, so das Argument, seien ehrliche, arbeitende Menschen, die Steuern zahlen und erwarten, dass der Staat liefert. Die Verzweiflung Ceutas rechtfertigt es nicht, Ceuta zu verachten. Und Patriotismus, falls er etwas bedeutet, beginnt damit, die eigenen Landsleute nicht zu beleidigen.



Am Ende erzeugt die Scham das Spektakel: ein Meinungsmacher, der für die Kamera auf die Knie fällt, ein Land, das darüber streitet, ob es sich seiner selbst schämen müsse, und eine Stadt im Zentrum des Spielfelds. War der Schmerz aufrichtig, hat die Inszenierung ihn verdorben.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (41 Antworten).

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