Germanin: Nazi-Film stellt Briten als Schurken dar

Max Kimmichs Propagandafilm 'Germanin' aus dem Dritten Reich zeigt den Briten, nicht den Afrikaner, als Bösewicht. Die Debatte um diese Darstellung kehrt zurück.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Germanin: Der Film des Dritten Reiches, der den Afrikaner als Opfer des britischen Empire darstellte

Ein deutscher Wissenschaftler, der an der Schlafkrankheit leidet und nur eine Dosis Heilmittel zur Verfügung hat, überlässt dieses seinem britischen Rivalen unter der Bedingung, dass dieser die Genehmigung zur Vernichtung der Tsetsefliege-Brutstätte erteilt. Diese Szene stammt aus Germanin, einer Produktion des Kinos im Dritten Reich, inszeniert von Max Wilhelm Kimmich — dem Schwager von Joseph Goebbels, dem Propagandaminister des Regimes — und hat eine unbequeme Diskussion neu entfacht. Die These derer, die diese Debatte eröffnen, lautet, dass die nationalsozialistische Propaganda ihren Bösewicht nicht immer auf der Haut des Afrikaners konstruierte, sondern oft genug auf der des Briten.

Dieser Ansatz widerspricht der weit verbreiteten Erzählung, wonach das Regime einen einheitlichen Hass gegen schwarze Menschen propagierte. Nach dieser Lesart dürfte ein solcher Film gar nicht existieren, und seine bloße Existenz widerlegt die angebliche Uniformität der offiziellen Botschaft. Ein Teilnehmer kontert mit einem groben, aber wirksamen Argument: In der Propaganda zählt jedes Argument, solange es das Bild des Feindes beschädigt.

Der Leinwandfeind war London, nicht Afrika

In der Handlung sucht der deutsche Forscher in afrikanischem Boden nach einem Heilmittel gegen die Schlafkrankheit. Als der Erste Weltkrieg ausbricht und die Entente siegt, geht die Region in britische Hände über. Dem vermeintlich humanitären Interesse des Wissenschaftlers steht die Kolonialverwaltung gegenüber, die ein Medikament mit schweren Nebenwirkungen, darunter Blindheit, durchsetzt, was die lokale Bevölkerung den Deutschen zuschreibt. Diese Idee — dass die Briten den Groll der Afrikaner gegen die Deutschen schüren — wird als wiederkehrendes Motiv im Kino des Regimes dargestellt.

Das Porträt der afrikanischen Figuren, so argumentieren jene, die den Film analysieren, ist das einer gutmütigen und treuen, aber naiven und von den Engländern manipulierbaren Bevölkerung. Es ist kein freundliches Porträt. Es ist paternalistisch. Und diese Unterscheidung ist wichtig, denn hier spaltet sich die Argumentation in zwei Lager: Eine Seite sieht darin den Beweis, dass der nancy Rassismus gegen Afrikaner eine Erfindung der Sieger sei; die andere hält dagegen, dass Herablassung ebenfalls eine Form der Hierarchie ist.

Gelegenheitspropaganda oder tiefgreifende Ideologie?

Der Film entstand nicht im luftleeren Raum. Die Produktion erhielt offizielle Auszeichnungen innerhalb des Reiches, und ihr Regisseur ist derselbe, der Mein Leben für Irland drehte, wo irische Patrioten das Ideal des guten Patrioten verkörpern. Der erste Film, der mit dem Titel "Film der Nation" ausgezeichnet wurde, war laut dem analysierten Material ein Streifen über den südafrikanischen Anführer Paul Kruger im Kampf gegen die Engländer.

Es gibt ein Muster, das immer wieder auftaucht: Der Held stellt die Gemeinschaft über sein eigenes Leben. Und der Bösewicht spricht fast immer Englisch. Befürworter dieser Lesart fügen hinzu, dass in vielen Produktionen dieser Zeit die auf der Leinwand Gezeichneten Briten waren, nicht andere Gruppen. Der Nuance fehlt jedoch die Fähigkeit, die Rassenpolitik des Regimes außerhalb der Fiktion zu löschen, wie mehrere Teilnehmer betonen: An die Existenz von Rassen und deren Trennung zu glauben, ist an sich eine Form von Rassismus, auch wenn es sich als Bewahrung des eigenen Volkes präsentiert.



Sport als weitere Bühne der Erzählung

Die Debatte springt vom Kino zur Leichtathletik mit dem Fall der Fechterin Helene Mayer, jüdischer Abstammung, die während des Regimes für Deutschland antrat und sogar den Hitlergruß zeigte. Es wird argumentiert, dass ihre Situation zeigt, dass die offizielle Linie nicht so mechanisch war, wie oft erzählt wird, und dass die Vorstellung, das Regime habe jeden abgelehnt, der nicht in ein bestimmtes Muster passte, bei realen Fällen kaum haltbar ist.

Auch die Erinnerung an den deutschen Diplomaten John Rabe, Parteimitglied, der sich während der japanischen Besetzung Nankings aufopferte, um die chinesische Zivilbevölkerung zu schützen, und in Asien weiterhin geehrt wird, taucht auf. Die Anekdote dient einem breiteren Argument: Einen ganzen Gruppe als intrinsisch böse zu verurteilen, so die Meinung, sei eine Vereinfachung, die keinem konkreten Fall standhält.

Wo die Diskussion feststeckt

Der Knoten bleibt ungelöst. Eine Strömung liest in Germanin den Beweis, dass der dem Reich zugeschriebene Anti-Afrikanismus Nachkriegspropaganda sei; eine andere承认 den philoafrikanischen Ton des Films, reduziert ihn aber auf eine Kriegstaktik gegen London, ohne dass dies die Rassenpolitik des Regimes reinwasche. Zwischen beiden Extremen liegt ein unkartografiertes Terrain: Wie koexistierten der Paternalismus auf der Leinwand mit der geltenden Rassegesetzgebung? Die vollständige Bilanz dieser Widersprüche, Szene für Szene, steht noch aus.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (258 Antworten).

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