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Geopolymere: Die Theorie, wonach die Pyramiden gegossen wurden
Die Geopolymer-Theorie behauptet, dass die Pyramiden, Puma Punku und Sacsayhuamán aus künstlichem Stein gegossen statt behauen wurden. Das sagt die Wissenschaft dazu.
Geopolymere: Wenn Stein geknetet wird, statt behauen zu werden
Was, wenn jene Mauern, in deren Fugen nicht einmal eine Rasierklinge passt, gar nicht behauen, sondern in eine Form gegossen wurden? Die Frage kursiert seit Jahrzehnten am Rand der Archäologie und hat schließlich zu einer Theorie mit eigenem Namen geführt: die Geopolymere – also künstlicher Stein, der vor Ort aus Gesteinskörnungen, Alkalien und Wasser hergestellt wird. Die Hypothese, vertreten von Laienforschern und dem Chemiker Joseph Davidovits, besagt, dass sich ein Großteil der Megalithbauten der Welt – von Sacsayhuamán über Puma Punku bis nach Gizeh – nicht mit Kupfermeißeln und Seilen erklären lässt, sondern mit Schalungen und einfacher Chemie.
Der französische Chemiker Joseph Davidovits vom Geopolymer-Institut ist die meistzitierte Referenz. Seine These: Die Blöcke der Großen Pyramide seien direkt auf der Baustelle hergestellt worden, indem gelöster Kalkstein, Natron und weitere Zutaten vermischt und in hölzerne Formen gegossen wurden. Keine Steinbrüche in Kilometern Entfernung, keine unmöglichen Rampen. Für Tiwanaku und Puma Punku schlägt er zwei Rezepturen vor: Sandstein mit Natron sowie vulkanisches Gestein mit sauren Pflanzenextrakten und Guano. Die Datierung, mit der er arbeitet, verortet diese Zivilisation zwischen 600 v. Chr. und 900 n. Chr.
Die unmögliche Fuge und der unbequeme Vorsprung
Das visuelle Argument ist stark. Geschwungene Mauern mit millimetergenau passenden Polygonalblöcken, gewölbte Innenflächen, Ausbuchtungen an der Unterkante vieler Steine. Dieses letzte Detail hat Beobachter lange vor Rätsel gestellt: Warum lässt man einen Knubbel an der Unterseite eines Blocks, wenn man ihn behauen hat? Eine Erklärung, die die Runde macht: Er diente als Abfluss für das überschüssige Wasser der Mischung, das sonst das Abbinden ruiniert hätte. Eine andere verweist auf ein Netz oder Häutchen aus biologisch abbaubarem Material, das die sichtbaren gitterartigen Spuren an manchen Blöcken in Gizeh hinterlassen hätte.
Auch die Unregelmäßigkeit der Blöcke, die auf den ersten Blick widersinnig erscheint – wer Stein herstellt, macht das doch in Serie –, hat eine Antwort. In Erdbebengebieten verteilt ein Polygonalmauerwerk mit gewölbten Innenflächen die Kräfte besser als ein Stapel gleichförmiger Ziegel. Und genau darin liegt das Detail, das für manche den Ausschlag gibt: Diese gewölbten Innenflächen sieht man nicht, sie glänzen nicht, sie sind nicht dekorativ. Sie ergänzen nur strukturell einen Sinn.
Warum wurde es nie mit heutiger Technik nachgebaut?
Hier meldet sich der Haus skeptiker zu Wort. Granit ist kein Beton: Seine Kristalle aus Glimmer, Quarz und Feldspat fügen sich ohne Lücken und ohne Füllmaterial zusammen, kristallisiert in verschiedenen Phasen. Das mit einer Mischung bei Raumtemperatur nachzubilden, ist eine ganz andere Sache. Modernen Beton von Naturstein zu unterscheiden, schafft selbst ein Kind, und niemand hat bislang ein Laborstück vorgelegt, das einen Geologen täuschen könnte. Das ist der stärkste Einwand – und er ist ungelöst.
Dazu kommt das Problem der Rezeptur. Wie um alles in der Welt soll man darauf kommen, dass eine Mischung aus zwei Pflanzen mit ihrem Säuregehalt Gestein erweicht? Manche verweisen auf die Beobachtung von Tieren: Bestimmte Vögel nutzen eine ähnliche Paste, um sich durch lebenden Fels zu bohren. Andere rufen die andine Legende des Priesters auf, der die Methode wiederentdeckte – mit Koka, um die Anstrengung zu ertragen, und einer anderen Pflanze, um den Granit zu erweichen.
Das Osireion, Dendera und der Nachhall im Hintergrund
Das Repertoire wächst weiter. Das Osireion von Abydos, in dessen Struktur das Grundwasser eindringt, zeigt eine unbequeme Ähnlichkeit mit dem peruanischen Mauerwerk. Im Hathor-Tempel von Dendera weisen die Stufen Formen auf, die nicht zu mechanischem Verschleiß passen: Sie wirken wie eine Mischung, die schlecht abgebunden hat. Und in Abu Gorab sehen die runden Alabasterbecken des Sonnenheiligtums des Niuserre – rund 4.500 Jahre alt – aus wie in Serie gefertigte Stücke aus der Form. Wozu sie dienten, ist eine andere Geschichte.
Unterwegs taucht das verbotene Wort auf: Resonanz. Kammern wie der Schatzhaus des Atreus in Mykene, mit ihrer Kegelkuppel und dem gewaltigen Sturz, wirken akustisch wie Resonanzkörper. Und Stein hat piezoelektrische Eigenschaften. Von dort ist es ein weiter Weg bis zur Vorstellung von Tempeln als Maschinen – aber das Faß ist einmal offen.
Das i-Tüpfelchen setzt die Ironie: Jahrhundertelang wurde uns erzählt, jene Leute hätten mit Hammer und Meißel gearbeitet, was heute selbst mit Präzisionsmaschinen Schweiß kosten würde. Wenn sich am Ende herausstellt, dass sie den Stein anmischten, wird so manches Buch umgeschrieben werden müssen. Und nebenbei wird noch die Enttäuschung über den verlorenen Glauben abgerechnet.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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