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Iberische DNA, die Rom nicht auslöschte: zwei Gräber und eine offene Debatte
Eine Großstudie mit DNA von über 200 Skeletten deutet darauf hin, dass in Spanien Rom nicht von den Westgoten verdrängt wurde – doch die These stützt sich auf nur zwei Gräber.
Die iberische DNA, die Rom nicht auslöschte, und der Mythos der Verdrängung
Wie viel Römisches, Gotisches und Einheimisches steckt zwischen dem 1. und 8. Jahrhundert in der Iberischen Halbinsel? Eine genetische Großstudie mit DNA von mehr als 200 Skeletten aus der iberischen Region hat gerade Zahlen zu einer Frage geliefert, die die Geschichtsschreibung seit jeher umtreibt: Das genetische Erbe Roms überdauerte auf der Halbinsel die Einfälle der Westgoten. Der Einfluss des römischen Hispania überlebte Sueben und Goten. Die Schlagzeile verbirgt allerdings ein Kleingedrucktes, das man genau lesen sollte.
Was die Studie sagt – und was nicht
Der zentrale Befund lautet, dass die germanischen Völker die einheimische Bevölkerung nicht verdrängten. Soweit nichts Neues: Die Geschichtswissenschaft vertritt das seit Jahrzehnten. Das Problem ist, wie es verkauft wird. Ein großer Teil der Erzählung stützt sich auf die Analyse von zwei verwandten Gräbern – eine mehr als wackelige Grundlage, um Rückschlüsse auf die Mehrheitsgenetik einer ganzen Halbinsel über acht Jahrhunderte zu ziehen.
Es gibt ein Detail, das der verlinkte Artikel selbst durchblicken lässt und das irritiert: Die genetische Zusammensetzung der Spätantike und der römischen Zeit ähnelt weder den früheren noch den späteren Epochen unserer Geschichte. Anders gesagt: Die spanische Bevölkerung war homogener vor und nach Rom als während Roms. Die naheliegende Frage liegt in der Luft: warum?
Die Ethnogenese, die die genetische Landkarte wirklich verschob
Gegen den westgotischen Lärm vertritt eine Analyserichtung die Auffassung, dass die entscheidende Ethnogenese in Spanien weder der Untergang Roms noch die Ankunft der Goten war, sondern die sarracinische Eroberung. Im 8. Jahrhundert gab es keine rechtliche oder institutionelle Trennung mehr zwischen Einheimischen und Goten; Hispano-Römer bekleideten hohe Ämter, und der beste General des Gotenreichs war ausgerechnet ein Hispano-Römer. Von den Westgoten hatten wenig.
Die Reconquista (die christliche Rückeroberung der Iberischen Halbinsel) war in dieser Lesart nicht nur ein religiöser, sondern ein ethnischer Konflikt, mit fremden Eliten auf beiden Seiten und einer Basis aus einheimischer Bevölkerung. Auf der sarracinischen Seite gab es eine bedeutende außerhalb der Halbinsel stammende Komponente – Heere aus berberischen Sklaven und Söldnern in mehreren Perioden –, und auf der christlichen kamen ebenfalls Franken. Die Parallele trägt, bei allen Unterschieden.
Das italienische Experiment mit anderem Ausgang
Der Vergleich mit Italien liegt nahe. Es gab ein Emirat auf Sizilien und mehrere kleine im Süden Italiens; im 9. Jahrhundert belagerten die Araber sogar Rom. Das Ergebnis war jedoch ein anderes: Der Sarracin wurde mit der Wurzel ausgerottet, ohne Mehrheitsbekehrung und ohne jahrhundertelangen Konflikt – und ohne den genetischen Umbruch, den die andalusische Epoche auf der iberischen Halbinsel hinterließ. Wenn sich eine Bevölkerung sarracinisiert, ist eine Umkehr äußerst selten; die Regel sind Vernichtung oder Vertreibung.
Blut, Imperien und der ewige Irrtum
Die Versuchung, alles auf das Blut zu reduzieren, schwebt über der Debatte. Doch das sich wiederholende Muster ist ein anderes: militarisierte Gesellschaften, die friedliche mit professionalisierten Heeren weggefegt. Das widerfuhr Rom mit den Barbaren. Der durchschnittliche Legionär war eher Maurer als Krieger. Die genetische Geschichte der Halbinsel ist die von Eliten, die ankommen, sich kaum vermischen und weniger Spuren hinterlassen, als ihre Propaganda versprach.
Am Ende bestätigt die Studie, was wir schon wussten, und liefert eine Schlagzeile, die sich von selbst verkauft. Zwei verwandte Gräber schreiben acht Jahrhunderte nicht um. Aber sie füllen Schlagzeilenseiten.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (15 Antworten).
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