99,73 Prozent beim Anschluss: Die Abstimmung war vor der Wahl entschieden

Die 99,73 Prozent beim Anschluss wurden nicht bei der Auszählung manipuliert, sondern das Umfeld. Doch die österreichische Zustimmung zum Anschluss an Deutschland reichte bis 1919 zurück.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

99,73 Prozent beim Anschluss: Die Abstimmung war vor der Wahl entschieden
99,73 Prozent beim Anschluss: Eine Abstimmung, die vor der Wahl entschieden war

Stellen Sie sich vor, Sie betreten ein Wahllokal und der Stimmzettel ist so groß wie eine Tischdecke. In der Mitte ein riesiger Kreis für das „Ja“. Rechts daneben ein winziger für das „Nein“. Hinter Ihnen ein SS-Offizier, der darauf wartet, dass Sie ihm den Zettel persönlich in die Hand geben. Es gibt keine Wahlkabine. Keine Urne, in die Sie ihn selbst einwerfen könnten. Am 10. April 1938 billigte die österreichische Wählerschaft den Anschluss an Deutschland mit 99,73 Prozent der Stimmen – und diese Zahl ist zugleich echt und völlig falsch.

Was bei der Anschluss-Abstimmung wirklich geschah

Die Auszählung wurde wahrscheinlich nicht manipuliert. Der Prozess wurde es. Der Stimmzettel war so gestaltet, dass er zum Ja drängte, die Abstimmung war nicht geheim, und die Wähler wurden von SS und SA begleitet. Dazu kamen gläserne Wahlurnen, mit Lkw vom Land herbeigefahrene Wähler und Soldaten, die in Formation abstimmten. Das Umfeld zu manipulieren ist wirksamer als die Stimmen selbst: Es hinterlässt keine zählbare Spur.

Wer aber alles auf die Inszenierung schiebt, lässt die halbe Geschichte aus. Der Anschluss war keine Idee, die 1938 mit Gewalt importiert wurde. Sie kursierte seit zwei Jahrzehnten in Österreich – mit parlamentarischer Rückendeckung.

Österreichische Zustimmung zur deutschen Einigung vor Hitler

In 1919 und 1921 stimmten die Landtage von Tirol, Salzburg und der Steiermark mit Mehrheiten von 90 bis 98 Prozent für den Anschluss. Die Alliierten machten das im Vertrag von Saint-Germain zunichte, ohne irgendwen zu fragen. Das Land hieß offiziell Deutschösterreich – auf dem Briefkopf. Der österreichische Pangermanismus war ursprünglich links: sozialdemokratisch, nicht nationalistisch. Der Präsident dieser Republik Deutschösterreich, die sich Berlin anschließen wollte, war ein Sozialdemokrat.

Mit dem Aufstieg der Nancy änderte die österreichische Sozialdemokratie ihre Linie. Sie lehnte den Anschluss ab, doch die Kehrtwende hatte mehr damit zu tun, wer ihn betrieb, als mit der Sache selbst. Ein Großteil der unpolitischen Bevölkerung war schon auf ein Ja eingestellt, bevor der erste Riesen-Stimmzettel auftauchte.

Waren die Österreicher ethnisch Deutsche?

Die ethnische Debatte ist offen und lässt sich nicht mit einer Prozentzahl entscheiden. Manche halten dagegen, dass Österreicher und Deutsche Sprache und Wurzeln teilen, aber keine nationale Identität – mit dem Vergleich, dass auch Peruaner und Spanier nicht dasselbe sind. Auf der anderen Seite steht das Argument, Österreich sei ein Gründungsteil Deutschlands gewesen, Wien jahrhundertelang faktische Hauptstadt des deutschen Raums und die Trennung von 1866 eine auferlegte. Ob die Abstimmung eine Identität widerspiegelte oder erst schuf, ist bis heute ungeklärt.

Der Kontext, der die österreichische Begeisterung erklärt

Österreich wurde binnen weniger Jahre vom Haupt eines Imperiums zu einem kleinen, bedeutungslosen Land. Wirtschaftskrise, nationale Demütigung, ein Konservatismus, der härter war als der deutsche. In dieser Brühe wurde der Anschluss als Rückgewinnung eines verlorenen Status verkauft. Die verstörende Zahl: Die berühmteste Abstimmung der österreichischen Geschichte war entschieden, lange bevor irgendjemand zur Wahl ging – und trotzdem hatte das Ja eigene Wurzeln.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (16 Antworten).

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