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Genetik und Kultur: Der Mythos des arabisierten Spanien
Das andalusische Erbe in der spanischen Kultur ist unbestreitbar, doch die Genetik weist den nordafrikanischen Anteil mit 3 bis 10 Prozent aus. Das Etikett „arabisiert“ trägt jedoch nicht…
Wie viel Arabisches steckt in einem Spanier? Die Genetik antwortet
Sind Spanier arabisierte Weiße? Die Frage, die wie ein Stammtisch-Provokation klingt, hat eine differenziertere Antwort, als es scheint. Eine detaillierte Analyse des andalusischen Erbes auf der Iberischen Halbinsel – von der Sprache bis zur Gastronomie – prallt direkt auf die genetischen und sprachlichen Befunde. Das Ergebnis vorweg: Der kulturelle Einfluss ist unbestreitbar, doch das Etikett „arabisiert“ ist eine Übertreibung, die der Prüfung durch die Daten nicht standhält.
Ausgangspunkt ist eine kühne Behauptung: Das Spanische ist eine romanische Sprache mit Tausenden Wörtern arabischen Ursprungs. Stimmt. Begriffe wie aceituna (Olive), alcalde (Bürgermeister) oder sogar hasta (die einzige Präposition arabischen Ursprungs) gehören zur DNA der Sprache. Aber von dort zu behaupten, die Verbstruktur sei ähnlich, ist ein gewaltiger Sprung. Im Arabischen gibt es die Verben ser, estar und haber nicht, und seine Satzstellung ist VSO, während das Spanische SVO ist. Wie die skeptischeren Analysen feststellen, geht der Vergleich an allen Ecken und Enden auseinander.
Die Genetik zerlegt das Narrativ der Reinheit
Auf dem Gebiet der Gene wird die Debatte am rutschigsten. Die neuesten genetischen Studien, in der Analyse zitiert, beziffern den nordafrikanischen Anteil an der Bevölkerung des spanischen Festlands auf 3 bis 10 Prozent. Ein Wert, der je nach Region schwankt und in keinem Fall erlaubt, von einer „gemischten“ Bevölkerung im strengen Sinne zu sprechen. Der Großteil der spanischen Abstammung ist europäisch, mit einem ostmediterranen Beitrag, der bis in römische Zeit zurückreicht – nicht zur sarracinischen Invasion von 711.
Manche behaupten, Spanier hätten mehr nicht-europäisches Blut als Italiener oder Griechen. Diese Angabe ist relativierbar: Süditaliener und Inselgriechen weisen einen höheren Anteil levantinischer Genetik auf, wenn auch auch mehr germanische. Jede Bevölkerung hat ihre eigene Mischung. Was nicht haltbar ist, ist die Vorstellung eines biologisch homogen „maurischen“ Spanien. Weder die Westgoten (die laut den herangezogenen Schätzungen nur etwa 100.000 Menschen zählten) noch die Andalusi hinterließen eine genetische Spur, die mit der römischen vergleichbar wäre.
Das kulturelle Erbe: vom Hammam bis zur Kichererbse
Unbestreitbar ist das andalusische Erbe in der materiellen Kultur und den Bräuchen. Die Architektur enger Gassen und gekalkter Häuser, die Verwendung von Kichererbsen in der Küche (eine Zutat, die im übrigen Europa unüblich ist), Baderituale mit Räumen unterschiedlicher Temperaturen oder die Einführung von Kräutern und Gewürzen sind direktes Erbe von al-Andalus. Auch die Musik mit Instrumenten, aus denen die Gitarre hervorging, und eine Lebenshaltung, die manche Analysen mit der mediterranen Geselligkeit verbinden.
Die Frage, die über dem ganzen Thema schwebt, ist, warum diese Spur länger anhält als die anderer Kulturen. Die Antwort liegt vielleicht darin, dass al-Andalus keine kurze Episode war, sondern acht Jahrhunderte Präsenz, die Landschaft, Sprache und Bräuche veränderten. Aber von dort zu den Spaniern als „gebleichte Araber“ zu gelangen, ist ein Weg, den die Belege nicht abdecken. Das Etikett ist eher eine Provokation als eine Diagnose.
Die letzte Ironie liefert die Zahl: Während manche eifrig eine arabische Vergangenheit im Spiegel suchen, zeichnen genetische Studien eine Karte, auf der das römische Erbe schwerer wiegt als das andalusische. Spanien kann sich rühmen, Speerspitze eines Imperiums gewesen zu sein, das die Welt veränderte – aber das ist eine andere Geschichte. Oder vielleicht doch dieselbe, rückwärts erzählt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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