Gefäß aus Perpignan befeuert Debatte um Baskisch und Iberisch

Ein in Perpignan gefundenes Graffito mit der Aufschrift „20 Amphoren“ stärkt laut Forschern die These, dass iberische Zahlwörter baskische nachbilden, und öffnet eine alte Debatte neu.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Kapazitätsangabe von vor 2.200 Jahren entfacht Streit zwischen Baskisch und Iberisch erneut

Ein zwei Jahrtausende altes Graffito mit der Aufschrift „20 Amphoren“ hat eine der ältesten Diskussionen der iberischen Philologie wieder angeheizt. Das Dolium, das im iberischen Oppidum von Ruscino nahe Perpignan gefunden wurde, trägt die Inschrift ogei. Der Epigraphiker Joan Ferrer i Jané von der Universitat de Barcelona interpretiert dies als Kapazitätsangabe, die identisch mit dem baskischen Wort hogei (zwanzig) ist. Die von Ferrer veröffentlichte Forschung greift eine reformulierte Version des alten Vasco-Iberismus auf: nicht dass das Baskische vom Iberischen abstammt, sondern dass beide Sprachen zur selben Familie gehören.

Das Fundstück steht nicht allein. Der Fund reiht sich in eine Serie iberischer Zahlwörter ein, die laut dieser Strömung den baskischen nachgebildet sind: ban/bat (eins), bi/bin (zwei), irur/hiru (drei), lau (vier), borste/bost (fünf), sei (sechs), sisbi/zazpi (sieben), sorse/zortzi (acht), abaŕ/hamar (zehn). Die Kombinatorik funktioniere gleich, so die Verteidiger: oŕgeikelaur wäre 24, wie das baskische hogeita lau; abarkebi wäre 12, wie hamabi.

Was wurde am Gefäß von Ruscino gefunden?

Das Dolium tauchte in den 80er-Jahren auf, doch erst vor einem Jahrzehnt begann man, seine Inschrift mit dem in anderen Ausgrabungsstätten identifizierten oŕgei zu verknüpfen. Als Ferrer erfuhr, dass das Stück vollständig erhalten war, wollte er seine Kapazität überprüfen. Er lokalisierte sechs ganze Dolia mit Kapazitätsmarkierungen in lateinischen Zeichen und ordnete dasjenige von Ruscino zwischen eines aus Santa Pola (mit 23 Amphoren) und eines aus Badalona (mit 17) ein. Nach seinen Maßen musste die Marke zwischen 18 und 22 liegen. Der Wert 20 für ogei passte.

„Wir wissen, dass dieses Graffito eine Kapazitätsangabe sein muss: Es ist üblich bei post-coctionem-Graffiti auf Dolia“, erklärte Ferrer. Die Logik des Behälters stützt die Lesart der Zahl. Es ist kein zufällig ähnliches Einzelwort, sondern eine Nummer innerhalb eines Systems.

Die These der genetischen Verwandtschaft zwischen Iberisch und Baskisch

Eduardo Orduña, Linguist und Iberist, formuliert es klar: „Historisch wurde im Rahmen des Vasco-Iberismus darauf hingewiesen, dass das Baskische vom Iberischen stammen könnte. Was wir heute verteidigen, ist, dass es verschiedene Sprachen mit einer genetischen Beziehung sind: Sie gehören zur selben Familie. Das Iberische verschwand, und das Baskische hätte sich durch Kontakt mit anderen Sprachen zum historischen Euskara entwickelt.“

Orduña fügt Argumente jenseits des numerischen Wortschatzes hinzu. Er weist darauf hin, dass der Genitiv auf -n identisch mit dem des historischen Baskischen sei und dass es „sprechende“ Inschriften in der ersten Person gebe, mit einem ni, ähnlich dem baskischen Pronomen. Auch kündigt er eine Untersuchung über Ähnlichkeiten bei Verwandtschaftsnamen an. Die Grundidee: zwei vorindoeuropäische Sprachen, die in einem geografisch nicht weit entfernten Raum vor der Ankunft des Lateinischen gesprochen wurden. „Es ist logisch anzunehmen, dass sie eine Beziehung haben könnten“, behauptet er.

Warum Baskologen zur Vorsicht mahnen

Nicht alle kaufen die Erzählung. Borja Ariztimuño, Doktor der Baskischen Philologie mit einer Dissertation über archaisches Euskara, distanziert sich: „Es ist nicht so, dass wir glauben, diese aufgetauchten Wörter seien keine Zahlen; wir denken einfach, dass es derzeit nicht möglich ist, dies mit Sicherheit zu wissen. Wir glauben, dass mehr und bessere Beweise nötig sind (morphologische Kognaten und regelmäßige phonologische Korrespondenzen), um von einer Verwandtschaftsbeziehung zu sprechen.“

Der Hindernisgrund ist gewichtig. Das Iberische ist nicht entschlüsselt. Wenn das Baskische so eng verwandt wäre, müsste die baskische Sprache als Schlüssel zum Lesen dienen, was nicht geschehen ist. Der am häufigsten wiederholte Einwand in der kritischen Analyse ist genau dieser: Die numerische Ähnlichkeit beeindruckt, aber eine Handvoll Übereinstimmungen begründet keine vergleichende Grammatik.

Der Fund von Irulegi und das Schriftsystem, das Welten verbindet

Worin sich die Parteien einig sind, ist der „Irulegi-Effekt“. Seit dem Fund der Irulegi-Hand im Jahr 2022, wenige Kilometer von Pamplona entfernt, ist das Interesse der Baskologen am iberischen Umfeld gewachsen. Ferrer und Orduña verknüpfen diese navarrische Inschrift mit dem Baskischen und dem vasco-aquitanischen Umfeld, sehen aber Nähe zur iberischen Welt, besonders im Schriftsystem.

Ariztimuño anerkennt dies: Der Fund „könnte uns dazu führen, an einen tieferen Einfluss des iberischen Umfelds zu denken als bisher angenommen“. Die Vascones, die in der Zone lebten, lernten dieses Schriftsystem von jemandem, und es ähnelt eher dem Iberischen als dem Keltiberischen. Eine Sache ist die Schrift, eine andere die Sprache; man sollte sie nicht verwechseln, aber die grafische Entlehnung wirft Fragen auf.

Die Geografie des Iberischen: Von Narbonne bis Jaén

Die Karte, die diese Hypothese zeichnet, ist ambitioniert. Das Iberische wurde von der französischen Narbonne bis zur heutigen Provinz Jaén gesprochen. Die Variante oŕgei erscheint in Inschriften aus Aragón, Katalonien und dem Levante; die Form ogei, näher am Baskischen, taucht in Perpignan auf. Dieses geografische Detail, so wird betont, könnte das östliche nordpyrenäische Iberische dem Aquitanischen näherbringen.

Die Tradition dahinter ist lang. Strabon beschrieb bereits Ähnlichkeiten zwischen Aquitanern und Iberern, und die Debatte über die vasco-aquitanische Verwandtschaft zieht sich seit Jahrhunderten hin. Neu ist die Anhäufung von Fundstücken: Zahlen, Kapazitätsmarkierungen, Morphologie, Schriftsystem. Jedes einzeln lässt Diskussionen zu; zusammen bilden sie ein Muster, das einige beunruhigt und andere begeistert.

Genetik, Politik und das Problem der Erzählung

Die Diskussion kreuzt sich mit einer weiteren Front: der Populationsgenetik. Manche vertreten die Ansicht, dass die vorindoeuropäischen Substrate Südeuropas von den ersten Bauern stammen, die aus Anatolien kamen, und dass dort eine ferne Verbindung zwischen nicht-indoeuropäischen Sprachen zu finden sein könnte. Die technische Nuance ist wichtig: Eine Population kann ihre Sprache ändern, ohne sich genetisch kaum zu verändern, und umgekehrt. Genetik leitet Hypothesen; sie übersetzt keine Inschriften.

Und dann ist da das politische Rauschen. Die Idee, dass Iberisch und Baskisch verschiedene Sprachen mit Verwandtschaft sind, oder dass das Baskische ein Überrest des Iberischen ist, wurde mit Interessen aller Art genutzt und bekämpft. Die iberische Philologie schleppt diese Last mit: Jeder Fund wird manchmal als identitätspolitisches Argument gelesen, bevor er als Datum betrachtet wird. Ferrer vertraut darauf, dass paläogenetische Analysen helfen werden, das Mysterium aufzuklären. Währenddessen sagt das Gefäß von Ruscino weiterhin „zwanzig“. Es fehlt nur noch die Einigung darüber, was genau dieses Zwanzig bedeutet.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (528 Antworten).

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