Gebrauchtwagen: Der versprochene Preissturz bleibt aus
Der Markt für gebrauchte Autos sollte eigentlich einbrechen, hält sich aber hartnäckig. Prognosen unter Käufern und Automobilenthusiasten deuten auf Preisrückgänge von 15-20% im ersten Quartal 2024 und zwischen 35% und 40% im mittleren Halbjahr hin, getrieben durch den Einbruch der Verkaufszahlen. Dieselbe Vorhersage umfasst punktuelle Angebote für Neuwagen, die das Preisniveau vor der Pandemie wiederherstellen sollen, sowie eine unbequeme Warnung: Viele kleine und mittlere Autohändler könnten aufgrund der Garantiebedingungen schließen. Zudem wird dies als Frühindikator für die Wirtschaft betrachtet.
Die Anzeigen erzählen jedoch eine andere Geschichte. Und diese Diskrepanz ist das eigentliche Thema.
Ein Peugeot 108 zum selben Preis wie vor fünf Jahren
Ein Peugeot 108, der 2019 mit einem Jahr Laufzeit und 15.000 Kilometern für 7.500 Euro gekauft wurde. Im Januar 2024 wurde dasselbe Fahrzeug, nun mit 70.000 Kilometern, für 7.500 Euro verkauft. Fünf Jahre Nutzung und kein einziger Euro Wertverlust.
Dies ist kein Einzelfall. Ein Seat Córdoba von 2004, der 2016 für 3.000 Euro erworben wurde, würde heute, mit mehr Kilometerstand, zum gleichen oder höheren Preis verkauft. Wer den Markt täglich beobachtet, macht dieselbe Feststellung: Autos, die vor drei oder vier Jahren noch 1.000 Euro wert waren, werden jetzt für 2.500 Euro angeboten. Bei einem Provinzhändler wurden 6.800 Euro für ein 20 Jahre altes Fahrzeug mit mäßiger Karosserie verlangt. Die versprochene Korrektur ist nicht auf dem Preisschild zu sehen.
Bei Neuwagen sieht das Bild etwas anders aus, und zwar aus einem konkreten Grund: dem starken Einstieg chinesischer Marken. In einer beliebigen Kleinstadt ist das meistverkaufte neue Modell bereits ein MG.
Warum fallen die Preise für Gebrauchtwagen nicht?
Weil gute Fahrzeuge knapp sind und schlechte teurer werden. Der Markt ist voll von Schrott, der zu Juwelenpreisen angeboten wird, während jedes anständige Fahrzeug schnell und teuer verkauft wird. Die Preise sinken nicht, weil es keinen Druck dazu gibt: Es gibt Warteschlangen.
Hinzu kommt ein regulatorischer Effekt. Niedrigemissionszonen verbannen Dieselfahrzeuge, die vor 2004 zugelassen wurden, und Benzinwagen vor dem Baujahr 2000 aus den Städten. Dies führt zu einem Wertverfall dieser Fahrzeuge in den betroffenen Gebieten, während sie außerhalb davon ihren Wert halten oder sogar steigen. Die geografische Preisstruktur hat sich gespalten: Was verboten ist, verliert an Wert; was weiter fahren darf, gewinnt an Wert. Das Ergebnis ist ein Markt, der je nach Postleitzahl gleichzeitig steigt und fällt.
Lagerbestände ohne Bewegung und Motoren mit schlechtem Ruf
Am anderen Ende des Spektrums beobachten einige Händler Fahrzeuge im Alter von vier bis fünf Jahren, die seit Monaten unverkauft im Lager stehen, ohne dass der Verkäufer auch nur einen Cent vom Preis ablässt. Sie werden praktisch zum Neupreis angeboten, oft mit Motoren der Gruppe Stellantis, die für ihre Pannenanfälligkeit bekannt sind. Die Erwartung ist, dass dies früher oder später platzt, doch bisher bleibt es ruhig. Bestimmte Modelle stagnieren seit Dezember, bestenfalls mit einem leichten Preisrückgang.
250.000 Diesel gegenüber 11.000 Elektroautos
Die Quartalszahlen zeichnen das Bild des spanischen Käufers. Im ersten Quartal wurden 11.000 Elektroautos verkauft, gegenüber mehr als 250.000 gebrauchten Dieselfahrzeugen. Der alte Diesel bleibt die bevorzugte Wahl, weshalb der Hauptteil des Gebrauchtwagenmarkts nicht wie ein Liquidationsmarkt agiert. Eine Korrektur um 35% passt nicht in einen Markt, in dem neun von zehn Transaktionen weiterhin Verbrenner betreffen.
Kann man für 10.000 Euro ein Premium-Auto kaufen?
Hier herrscht völlige Uneinigkeit. Eine Strömung behauptet, dass 10.000 Euro für ein exzellentes, zuverlässiges und gut erhaltenes Auto ausreichen, und dass die besten Chancen bei Limousinen und Kombis liegen, nicht bei SUVs. Das klassische Beispiel: Ein Mercedes S-Klasse, der neu 150.000 Euro kostete und nach 20 Jahren für einen Bruchteil dieses Preises erhältlich ist, mit einem Innenraum und Fahrverhalten, das angeblich nichts hinter aktuellen Modellen zurücksteht.
Es gibt zwei Gegenargumente. Erstens die Wartung: Manche erinnern sich an einen 320 CDI, der für 1.000 Euro mit 650.000 Kilometern verkauft wurde. Zweitens, weniger offensichtlich, die Opportunitätskosten: Solche Schnäppchen zu finden erfordert Zeit, Fachwissen und Urteilsvermögen, was ebenfalls Geld kostet. Die vollständige Aufschlüsselung der Kosten für das Sparen – einschließlich Anfahrt, Mechanikerbesuchen und investierter Stunden – liefert Ergebnisse, die beide Seiten überraschen.
Dazwischen taucht die Anekdote auf, die am besten erklärt, warum manche nicht auf niedrigere Ausstattungsklassen wechseln: Ein beschädigter S-Klasse, der im Januar 2016 den Puerto de Altube hinauffuhr, ermöglichte seinen beiden Insassen, selbstständig auszusteigen. Das Auto wurde verschrottet. Das Sicherheitsargument lässt sich schwer mit einer Preisliste widerlegen.
Anzeigen mit zwei Fotos und grundsätzliches Misstrauen
Der Gebrauchtwagenmarkt hat auch eine unsympathische Seite: Anzeigen mit zwei Fotos aus derselben Perspektive, Fahrzeuge für 2.000 Euro, wenn der Rest des Modells mit ähnlichem Kilometerstand bei 4.000-5.000 Euro liegt, und Verkäufer, die auf grundlegende Fragen nicht antworten. Der vertrauenswürdige Mechaniker, der das Auto vor dem Kauf prüft, bleibt das eigentliche Filterkriterium. In einem Teil des Marktes ist der niedrige Preis ein Warnsignal, keine Chance.
Gebrauchtwagen als Barometer der Wirtschaft
Über den Sektor hinaus lautet die Botschaft, dass der Gebrauchtwagenmarkt die Zukunft vorhersagt: Wenn die Verkäufe einbrechen und Kredite teurer werden, kommt die Korrektur. Auf der anderen Seite lautet die Antwort immer gleich: Bislang ist die angekündigte Korrektur auf keinem Preisschild sichtbar geworden.
Wenn der Einbruch um 35% tatsächlich kommt, wird er zuerst bei den durch ZBE (Niedrigemissionszonen) verbotenen Autos eintreten, bevor er die gepflegte zwanzigjährige Limousine betrifft. Die berechtigte Frage ist, ob der Markt am Ende den veröffentlichten Preisen recht geben wird oder der Vorhersage, auf die manche seit Monaten warten.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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