Galleta María: Spaniens süßer Streit zwischen Nostalgie und Ablehnung

Die Galleta María spaltet Spanien. Nach der Pandemie leidet die Qualität des traditionellen Kekses unter Preisdruck.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Galleta María: Spaniens süßer Streit zwischen Nostalgie und Ablehnung
Galleta María: Der Keks, der Spanien in Nostalgie und Ekel teilt

Gibt es etwas Traurigeres und Langweiligeres als eine Galleta María? Diese Frage, aufgeworfen in einer Debatte über verantwortungsvollen Konsum, hat einen Grabenkrieg ausgelöst zwischen denen, die sie als einfachen Genuss verteidigen, und jenen, die sie mit einer Handvoll Erde vergleichen. Es ist keine nebensächliche Angelegenheit: Hinter der Diskussion über ihren Geschmack verbirgt sich eine Auseinandersetzung über die spanische kulinarische Identität, die Qualität der Lebensmittelindustrie und die Nostalgie einer Zeit der Knappheit.

Eine englische Erfindung, die spanisch wurde

Der Galleta María-Keks entstand im 19. Jahrhundert in England, aber seine wahre Heimat ist die Iberische Halbinsel. Nach dem spanischen Bürgerkrieg wurde er aufgrund seiner niedrigen Kosten und einfachen Herstellung zum Referenz-Süßspeise. Heute wird er hauptsächlich in Spanien und Portugal konsumiert, während er in Frankreich kaum als Importprodukt auftaucht. Sein Erfolg beruht darauf, dass er billig, hart und ergiebig ist: eine perfekte Kombination für Zeiten der Knappheit. In den Worten eines Analysten ist dies die produktivste Keksart im Verhältnis von Preis zu Leistung.

Schmeckt nach Erde oder nach Genuss?

Die Meinungen sind geteilt. Manche behaupten, er schmecke nach Erde, nach Erbrochenem, und sei das Ergebnis einer Epoche ohne Innovation. Andere hingegen verteidigen ihn eingetaucht in Milch, bestrichen mit Butter oder sogar mit Chorizo. Die Tatsache, dass man ihm tausend Dinge hinzufügen muss, damit er gut schmeckt, ist für Kritiker der Beweis, dass er allein keinen Geschmack hat. Für seine Verteidiger ist genau diese Einfachheit seine Tugend: ein einfacher Genuss, der keine Kunstgriffe braucht. Der Vergleich mit anderen Süßigkeiten, wie dem Sequillo – Mehl mit Talg, in Zucker gewälzt –, gießt nur Öl ins Feuer. Manche erinnern sich, dass sie sie als Kind mit Butter gegessen haben, was eine Art riesigem Oreo ergab, oder mit Margarine und Marmelade. Andere, Wagemutigere, bestreichen sie mit Chorizo. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, aber der ursprüngliche Geschmack bleibt umstritten.

Qualitätsverfall

Seit der Pandemie ist die Qualität der industriellen Kekse gesunken. Um die Preise zu halten, haben die Hersteller Zutaten wie Ei oder Honig reduziert und den Zuckergehalt erhöht. Das Ergebnis ist, dass jeder Keks einfach nur süß schmeckt, ohne Nuancen, und Diabetes nimmt weiter zu. Der Galleta María ist keine Ausnahme: Was früher ein einfaches Produkt war, ist nun ein verarmtes Produkt. Auch wird erwähnt, dass Napolitanas und Campurrianas dasselbe Schicksal erlitten haben, mit weniger Ei und weniger Honig.

Der regionale Krieg: Meseta gegen Levante

Die Debatte geht über den Geschmack hinaus. Für manche verkörpert der Galleta María den Geist der Meseta (dem zentralen Hochland): nüchtern, asketisch, fast höhlenmenschlich. Im Levante hingegen bevorzugt man Bollitos de Toña und Churritos, die vielfältiger und bunter sind. Es wird auch erwähnt, dass die Magdalena, so stark kritisiert, eigentlich eine französische Erfindung ist, die über den Jakobsweg nach Spanien kam. Und im Vergleich mit Süßigkeiten anderer Kulturen argumentiert man, dass die kastilische Nüchternheit eine Tugend ist, kein Fehler. Währenddessen bieten Konditoreien in Wien, Neapel oder Marrakesch eine Unmenge an Süßwaren an, die nichts mit dem asketischen Keks zu tun haben. Manche verteidigen, dass die kastilische Nüchternheit eine Frage des Charakters ist, nicht des Mangels an Ressourcen, und dass man mit einer Knoblauchsuppe, einem Stück Brot und einigen Keksen wie ein König leben kann.

Vielleicht ist der Galleta María mehr als nur ein Spiegelbild eines asketischen Spaniens, das mit wenig auskommt. Aber solange die einen ihn in Milch tauchen und die anderen ihn mit Butter bestreichen, bleibt die Debatte offen. Und das ist zumindest nicht langweilig.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (161 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver