Spaniens Waldfläche wächst um 63 Prozent seit 1960

Die Waldfläche in Spanien ist seit 1960 um 63 % gewachsen und bedeckt nun 55 % des Landes. Das Problem liegt nicht im Mangel an Bäumen, sondern in der Art des neuen Waldes.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spaniens Waldfläche wächst um 63 Prozent seit 1960
Spanien gewinnt Wald, während die Erzählung vom Untergang weiterlebt

Das Bild eines Landes, das zur Wüste wird, widerspricht den Daten. Die spanische Waldfläche ist seit 1960 um 63 % gewachsen und umfasst inzwischen etwa 27 bis 28 Millionen Hektar, was 55 % des Territoriums entspricht. Dies geht aus Berichten der FAO und des MITECO (Ministerium für ökologischen Wandel) hervor, die von Experten genau verfolgt werden. Landflucht, Entvölkerung und das Ende der Köhlerei haben dazu geführt, dass sich die Vegetation von selbst wieder schließt. Das Problem ist nicht der Mangel an Bäumen. Es ist, welche Baumarten, wo sie wachsen und welche Folgen dies hat.

Vom Feuerholz der Großeltern zum geschlossenen Wald

Das familiäre Gedächtnis trügt oft. Manche erinnern sich daran, wie ihre Großväter 20 Kilometer mit dem Esel zurücklegten, um nur 100 Kilo Holz zu holen: Wenn man so weit laufen musste, war in der Nähe nichts mehr übrig. In den Pyrenäen und dem Vorgebirge von Huesca hat sich die Waldmasse beim Vergleich von Fotos vom Anfang des 20. Jahrhunderts mit heutigen Aufnahmen verfünf- oder verzehnfacht. Gebiete, in denen kaum noch einzelne verstreute Bäume standen, sind heute dichte Wälder, in denen kein Felsvorsprung mehr zu sehen ist.

Die Fotodatenbank des CNIG (Nationales Geographisches Zentrum) ermöglicht es, dies Dorf für Dorf anhand der Orthofotos des amerikanischen Luftaufnahmefluges von 1956-57 zu überprüfen. Im Südosten von Madrid ähneln die damaligen Brachflächen, Ödlande und Getreidefelder noch immer stark den heutigen: Bäume stehen nur dort, wo die Gemeinde einen Forstpark angelegt hat. In den Bergen von Madrid hingegen ist die Aufforstung deutlich sichtbar. Es handelt sich nicht um ein einheitliches Phänomen, und wer es als solches behandelt, irrt sich.

Das 63%-Wachstum ist nicht immer ein richtiger Wald

Hier beginnt die interessante Debatte. Ein großer Teil dieser gewonnenen Fläche besteht aus Gestrüpp, Kiefernaufforstungen oder Eukalyptusplantagen für die Papierherstellung. Kritiker nennen dies „Monokulturen aus Stangen“: Sie speichern kein Wasser, stoppen keine Erosion, kühlen den Boden nicht ab und brennen erschreckend leicht. Die Ansammlung von pflanzlichem Brennstoff in aufgegebenen Berggebieten erklärt heftigere und schwerer zu kontrollierende Waldbrände, insbesondere im nordwestlichen Teil der Halbinsel.

Der ICONA (Institut für Naturschutz) führte bereits damals Experimente durch, viele davon scheiterten: Aleppo-Kiefern und Pinien in Burgos oder Soria, österreichische Kiefern in Guadalajara. Vierzig Jahre später ragt manche Plantage kaum einen Meter aus dem Boden, wenn sie überhaupt überlebt hat. Die Lektion ist unbequem: Pflanzen ist nicht gleich Aufforsten.

Soll man aufforsten oder den Berg einfach in Ruhe lassen?

Der Vorschlag, jeden Straßenrand, jede Grundstücksgrenze und jedes verlassene Anwesen mit einheimischen Arten aufzuforsten, klingt gut, bis man den Boden betrachtet. Es gibt Gebiete im Südosten von Madrid mit Gipsböden, die für die meisten Baumarten giftig sind. In den Bardenas Reales ist die heutige Halbwüste größtenteils menschengemacht: Hirten, die seit dem frühen Mittelalter zur Überwinterung herabkamen, Brandrodung von Gestrüpp für Weiden und Jahrhunderte lang gefällte Steineichen für Holz und Kohle. Es gab keine Tannen oder riesigen Eichen, die die Fabel vom verlorenen Wald rechtfertigten.

Das ökologische Gegenargument ist ernst: Diese „wüstenartigen“ Gebiete beherbergen spezialisierte Tier- und Pflanzenwelten, die unter dem Schatten eines Baumes nicht überleben würden. Ein schlecht geplantes Aufforstungsprojekt kann eine andere Wüste sein, in der eine einzige Art alle anderen verdrängt. Und zum Pflanzen braucht man Böden mit Struktur und Nährstoffen, die einfach nicht vorhanden sind.

Ziegen, Geier und andere Ungleichgewichte

Der aufgegebene Bergwald bringt auch die Fauna aus dem Gleichgewicht. Einige behaupten, Ziegen seien überhandgenommen: Ihr Hauptfeind seit 13.000 Jahren war der Mensch, und weder Ginsterkatzen noch Bären regulieren ihre Bestände, wie manchmal angenommen wird. Am anderen Ende der Skala haben sich die Mönchsgeier unkontrolliert vermehrt: Mehr als 18.000 Paare wurden 2018 gezählt, und die Zahl steigt weiter. Ohne natürliche Feinde, langlebig und gesellig, besetzen sie Nester von Wespenbussarden und Bartgeiern und verursachen bereits Probleme bei Flugzeugen und auf Straßen.

Was brennt, kehrt nicht so zurück, wie es war

Es gibt Berge, die einst Kiefernwälder waren und heute nach mehreren Bränden nur noch aus niedrigem Buschwerk und Brombeerhecken bestehen. Diese Hänge sind Quellgebiete, die ganze Dörfer versorgen, und die geplante Aufforstung kam nie zustande. Hier ist die Debatte nicht ideologisch: Der Boden wird bei jedem Sturm weggespült.

Lohnt sich eine großflächige Aufforstung, oder reicht es, den Bergwald nicht länger wie eine Kulisse zu behandeln?

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (163 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

Volver