Galizischer Architekt: Spanien ist technologisch auf Stand von 2008
Ist Spanien wirklich noch das Sonnenparadies mit günstiger Lebenshaltung und gutem Gesundheitswesen, oder hat es sich zu einem Land entwickelt, in dem die Kosten absurd hoch sind, die Infrastruktur verfällt und der einzige kollektive Trost das nächste Fest ist? Ein galizischer Architekt, der vier Jahre in China lebte, kehrte nach Spanien zurück und veröffentlichte in den sozialen Medien eine Liste von Beschwerden, die eine hitzige öffentliche Debatte ausgelöst hat. Seine Diagnose: Die meisten spanischen Infrastrukturen liegen ein Jahrzehnt hinter der entwickelten asiatischen Welt zurück, wobei er den Bahnhof Chamartín oder Terminal T1 des Flughafens Barajas als Beispiele für das bezeichnet, was er direkt als unterentwickelt ansieht.
Der Text, der in den sozialen Medien verbreitet und von Medien wie ABC aufgegriffen wurde, beschränkt sich nicht nur auf Bauwerke. Er spricht von einer gestörten Relation zwischen Löhnen und Lebenshaltungskosten, von einer offen mangelhaften Kundenbetreuung, vom Vertrauensverlust in das System und von einer de facto bestehenden Bürokratie-Charokratie: Ein Land, das von und für ältere Menschen gestaltet ist, während junge Menschen kaum Zugang zum Wohnungsmarkt haben. „Das Leben ist eine Pause, die zwischen den verschiedenen Volksfesten stattfindet, die sich im Laufe des Jahres abwechseln“, fasst er zusammen.
Warum sagt er, dass Spanien auf dem Stand von 2008 geblieben ist?
Die zentrale These des Textes lautet, dass sich das Land nicht weiterentwickelt hat. „Man bemerkt kaum wesentliche Veränderungen nach fast fünf Jahren“, behauptet der Autor, der einen „völlig übertriebenen“ Konformismus und einen Mangel an Perspektive auf die Welt von 2024 beschreibt. Seiner Analyse zufolge glauben viele immer noch, Europa sei das Zentrum, die größte Entwicklung liege in den USA und die Finanzkrise sei ein globales Phänomen gewesen – obwohl, so argumentiert er, sich der wirtschaftliche Schwerpunkt nach Asien verlagert hat.
Diese Diagnose steht nicht isoliert da. In der durch seine Veröffentlichung ausgelösten Diskussion stimmen mehrere Teilnehmer darin überein, dass die einst vorbildlichen spanischen Eisenbahninfrastrukturen stagnieren: Manche behaupten, die Züge seien für 330–350 km/h zugelassen, fahren aber nie schneller als 310 km/h, weil der Schotter unter den Gleisen aufwirbelt, während China bereits mit 400 km/h operiert. Andere fügen hinzu, dass nicht nur keine neuen Strecken eröffnet werden, sondern regionale Linien geschlossen und durch längere, teurere Verbindungen ersetzt werden.
Dem gegenüber steht die Ansicht, der Vergleich sei unfair. Es wird argumentiert, dass China seine Bevölkerung mit einem erstickenden Sicherheitsapparat kontrolliert, sein Modell auf Mega-Projekten von zweifelhafter Qualität basiert – den sogenannten „Tofu-Häusern“ – und das vermeintliche Paradies des Riesenreichs Propaganda sei. „Ich habe in China gelebt und werde nicht zurückkehren, solange ich kann“, fasst ein Kommentator zusammen.
Lebenshaltungskosten und die Kluft zwischen Gehältern und Preisen
Einer der Punkte, die am stärksten widerhallten, war ökonomischer Natur. Der Autor des Originaltextes behauptet, „alles sei absurd teuer“ und es bestehe kein Verhältnis zwischen Löhnen und Lebenshaltungskosten. In der folgenden Diskussion bringt ein Rentner seinen konkreten Fall ein: 2.000 Euro Rente und 800 Euro Miete, plus einer Hypothek von 700 Euro, bei einer jährlichen Einkommensteuerlast (IRPF) von 2.000 Euro. „Der Staat hält uns für reich“, beschwert er sich, während die Infrastruktur, für die er Steuern zahlt, weder vorhanden noch erwartet wird.
Die Debatte dreht sich um den Arbeitsmarkt und den Wohnungsbau. Es wird das Lohn- und Wohnraum-Dumping erwähnt, das die Migration bei jungen Menschen verursacht, auch wenn die Diskussion in gegenseitigen Vorwürfen versinkt. Was deutlich hervortritt, ist ein gemeinsames Gefühl: Die Jugend muss sich anders organisieren, um der Prekarität zu entkommen, denn das aktuelle System bietet ihr keinen Ausweg.
Spanien der permanenten Feste und des Konformismus
Das soziale Porträt, das der Autor zeichnet, ist unbequem. Er spricht von einem relevanten Prozentsatz der Bevölkerung, der „geistig und körperlich abwesend“ sei, von Schwierigkeiten, rationale Gespräche zu führen, von Kindern, die er als kleine Wildlinge beschreibt, und einer übermäßigen Präsenz von Hunden. Aber vor allem betont er den Konformismus: „Die Leute sind auf dem Stand von 2008 geblieben.“
Diese Diagnose verbindet sich mit einer wiederkehrenden Idee in der Diskussion: Die Bevölkerung selbstreguliert und zensiert sich, ohne dass der Staat Maßnahmen ergreifen muss. Als Beispiel dient die Phase der gesundheitlichen Einschränkungen, in der – so das Argument – viele Bürger mehr Repression und Kontrolle forderten. Die Schlussfolgerung lautet, dass kein Zwangsapparat nötig ist, wenn die Gesellschaft den Gehorsam bereits internalisiert hat.
Zusammenprall der Narrative: China als unbequemer Spiegel
Der Vergleich mit China polarisiert. Ein Teil der Diskussion verteidigt, dass das Riesenland seine Wirtschaft innerhalb weniger Jahrzehnte transformiert hat, Städte gereinigt hat, deren Himmel vor zwanzig Jahren dauerhaft grau waren, und Europa in Bezug auf Infrastruktur und städtische Mobilität überholt hat. Beschrieben wird die massive Nutzung von Transport-Apps mit High-End-Fahrzeugen zu lächerlich niedrigen Preisen sowie U-Bahn- und Busnetze, die ihre spanischen Pendants alt aussehen lassen.
Ein anderer Teil antwortet scharf. Es wird daran erinnert, dass China eine exhaustive soziale Kontrolle in Straßen, Gebäuden und Verkehrsmitteln aufrechterhält, sein Modell auf Propaganda beruht und seine Erfolge Praktiken wie Immobilienbetrug oder gefälschte Lebensmittel verdecken. „Für einen durchschnittlichen Westler ist das erstickend“, fasst ein Kommentar zusammen. Die Diskussion driftet in Richtung Geopolitik: Es wird argumentiert, dass Europa Energiesparmaßnahmen ergreift, weil es sich expansive Politiken nicht leisten kann, während China in Mega-Projekte investiert, weil es Asien als seinen Hinterhof betrachtet.
Am Ende stellt sich die Frage, die die gesamte Diskussion überschwebt, nicht ob China besser ist, sondern ob Spanien die Absicht hat, sich zu bewegen. Der Autor des Originaltexts ist sich sicher: Veränderungen geschehen sehr langsam und Verbesserungen sind nach fast fünf Jahren kaum wahrnehmbar. Wer auf eine offizielle Antwort wartet, kann sich setzen. Das nächste Fest wird sich nicht von selbst organisieren.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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