Frente Amplio will Renten von Mehrfachbesitzern kürzen und Mieter aufstocken

Der Frente Amplio schlägt vor, die Rente von Mehrfachbesitzern zu kürzen, um Rentner zu stärken, die zur Miete wohnen. Das Beitragsystem und der Vermietereffekt…

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Frente Amplio will Renten von Mehrfachbesitzern kürzen und Mieter aufstocken
Rente nach Vermögen: Der FA will den Vermieter zur Kasse bitten, um den Mieter zu bezahlen

Der Frente Amplio schlägt vor, die Einkünfte von Rentnern aufzubessern, die zur Miete wohnen, damit ihnen die Wohnkosten nicht das Leben in Würde verwehren – finanziert durch eine Kürzung der Rente für alle, die mehr als eine Immobilie besitzen. Das erklärte Ziel: Die staatliche Unterstützung soll diejenigen priorisieren, die sich am schwersten eine angemessene Wohnung leisten können. Bei allen, die wissen, wie das Beitragsystem funktioniert, ist die Idee wie ein kalter Schlag angekommen.

Das erste Problem ist eine Frage der rechtlichen Architektur. Die beitragsbasierte Rente wird nach den eingezahlten Beiträgen berechnet, nicht nach dem Vermögen. Sie jemandem zu kürzen, weil er zwei Wohnungen besitzt, würde einen Bruch dieses Prinzips erfordern und würde vermutlich auf Widerstand des Verfassungsgerichts und des Pacto de Toledo (Spaniens parteiübergreifender Rentenreformkonsens) stoßen. Was tatsächlich existiert und machbar ist, ist dieses Vermögen oder seine Erträge steuerlich stärker zu belasten – über die Einkommensteuer auf Mieteinnahmen oder die Vermögensteuer –, was in der Praxis einen ähnlichen Effekt hat. So wie die Vorlage verbreitet wurde, läuft sie entweder auf genau das hinaus oder bleibt eine Schlagzeile.

Was es für den zur Miete wohnenden Rentner bereits gibt

Es gibt einen jährlichen Mietzuschuss für Empfänger der nicht beitragsbasierten Rente, die zur Miete wohnen und kein Eigentum besitzen. Wir sprechen von einigen hundert Euro pro Jahr. Der Betrag ist so bescheiden, dass er den Markt nicht bewegt, setzt aber einen Präzedenzfall: Das System erkennt bereits an, dass die Wohnungskosten die Würde des Rentners beeinträchtigen.

Die nicht beitragsbasierten Renten sind außerdem deutlich restriktiver und niedriger als meist angenommen. Vorausgesetzt werden ein Alter über 65 Jahre mit mindestens zehn Jahren rechtmäßigem Aufenthalt in Spanien – davon zwei unmittelbar vor der Antragstellung – oder eine Behinderung von 65 Prozent oder mehr, sowie eigene Einkünfte und Haushaltseinkommen unterhalb einer sehr niedrigen, jährlich angepassten Grenze. Der Betrag liegt bei rund 600 Euro monatlich bei vierzehn Zahlungen für eine alleinstehende Person ohne weitere Einkünfte, weniger bei etwas Vermögen. Viele Empfänger haben tatsächlich gearbeitet, kamen aber nie auf die fünfzehn Beitragsjahre, die die beitragsbasierte Rente verlangt: der typische Fall älterer Frauen, die zu Hause oder in der Schattenwirtschaft der sechziger bis achtziger Jahre arbeiteten.

Der Vermietereffekt: Wenn die Hilfe auf dem Konto des Vermieters landet

Das Risiko, dass der Vermieter die Unterstützung einstreicht, ist keine Intuition. Es wurde anhand der Mietbeihilfen in Frankreich (die APL) und Großbritannien (Housing Benefit) untersucht. Mehrere Studien zeigen, dass ein erheblicher Teil der Beihilfe – je nach Fall zwischen einem Drittel und mehr als der Hälfte – in höhere Mieten überwälzt wird, vor allem wo das Angebot knapp ist. Wenn alle Mieter eines Segments hundert Euro mehr bekommen, weiß der Vermieter das und passt an.

Beim Zuschuss für die nicht beitragsbasierten Renten ist der Effekt gering, weil es wenige Empfänger gibt und ein paar hundert Euro im Jahr zu wenig sind, um Preise zu bewegen. Würde eine solche Maßnahme stark ausgeweitet, wäre das Risiko real. Deshalb bevorzugen viele Ökonomen die Hilfe über das Angebot – Bauen – statt Nachfrage in einen starren Wohnungsmarkt zu pumpen.

Wie viele Rentner zur Miete wohnen – und wie viele es sein werden

Manche behaupten, aus dem Bauch heraus, dass rund 700.000 Rentner zur Miete wohnen. Davon seien nach dieser Rechnung etwa 200.000 Langzeitmieter und weitere 150.000 Migranten der ersten Welle. Die restlichen 350.000 Spanier seien Menschen mit lückenhaftem Erwerbsleben, Pleiten oder späten Scheidungen. Die Prognose, die kursiert: Diese 700.000 werden sich in weniger als zehn Jahren auf drei Millionen vervielfachen – durch die Kombination aus Scheidungen, Pleiten und der Unmöglichkeit, Eigentum zu erwerben.

Die eigentliche Diagnose ist weder links noch rechts: Sie ist demografisch und angebotsseitig. Bauen dauert vier Jahre – vom Kauf des Grundstücks über Genehmigungen bis zur Überwindung allerlei Hürden –, während das Geld stillsteht und man darauf wartet, dass alles verkauft wird. In den Großstädten vermietet man keine Wohnungen mehr, sondern Zimmer.

Der Prinzipienkonflikt: Beitragszahlung gegen Bedürftigkeit

Das meistgeführte Argument gegen den Vorschlag: Renten dienen dazu, Notlagen infolge der Unfähigkeit zu arbeiten abzufedern – und ein Eigentümer mit zwei oder mehr vermieteten Wohnungen befindet sich nicht in einer Notlage. Die Antwort auf den Einwand der bereits geleisteten Beiträge lautet: das Eingezahlte als Einmalbetrag auszahlen und fertig. Das ist eine kohärente Position, bedeutet aber, das beitragsbasierte Versicherungssystem abzubauen und durch etwas anderes zu ersetzen.

Auf der Gegenseite gibt es die Auffassung, Renten sollten weder von den Beiträgen abhängen noch für jemanden gleich hoch sein, der zusätzliche Einkünfte bezieht, wie für jemanden ohne weitere Mittel. Das kollidiert frontal mit der Kultur von Leistung und Sparen, die die Debatte durchzieht: Wenn Sparen bestraft wird, sendet das System das Signal, vor der Rente alles auszugeben.



Mit diesen Voraussetzungen wird die Maßnahme kaum über die Schlagzeile hinauskommen, wenn sie als Rentenkürzung statt als steuerliche Reform des Immobilienvermögens präsentiert wird. Die Prognose, mit Vorbehalt: Die Debatte wird in Richtung Steuern und Einkommenszuschüsse umgedeutet, und das eigentliche Problem – drei Millionen Rentner zur Miete innerhalb eines Jahrzehnts – bleibt ungelöst, solange nicht gebaut wird.

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (69 Antworten).

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