Frankreichs Schulden: Bardella und Mélenchon setzen auf Inflation

Bardella favorisiert quantitative Lockerung, Mélenchon den Schuldenerlass. Eine Entwertung des Euro würde Spanien als Gläubiger belasten.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Frankreichs Schulden: Bardella und Mélenchon setzen auf Inflation
Bardella und Mélenchon wollen Frankreichs Schulden durch Inflation entwerten

Ist es möglich, eine enorme Staatsverschuldung zu tilgen, ohne Steuern zu erhöhen oder Ausgaben zu kürzen? In Frankreich antworten zwei gegensätzliche Pole des politischen Spektrums mit Ja – und nutzen dasselbe Instrument: Die Inflation soll den realen Wert der staatlichen Verbindlichkeiten auffressen. Jordan Bardella, die Nummer zwei im Rassemblement National von Marine Le Pen, soll befürwortet haben, französische Anleihen mit Zentralbankgeld zu kaufen – also jene quantitative Lockerung, die die EZB in den letzten zehn Jahren massiv einsetzte. Jean-Luc Mélenchon, Chef von La France Insoumise, geht weiter: Er will, dass das Eurosystem die beim Banque de France liegenden französischen Schulden direkt streicht. Zwei Rezepte, die praktisch auf dasselbe hinauslaufen: Was nicht aus dem Budget bezahlt wird, wird mit der Druckerpresse beglichen.

Was genau schlagen Bardella und Mélenchon vor?

Die Idee ist nicht neu, und genau das macht sie unbequem. Wer auf das Problem hinweist, argumentiert, dass die EZB bereits die Marktdisziplin beseitigt hat, indem sie jahrelang Staatsanleihen im großen Stil kaufte und das Geld entwertete, damit die Zinsen die hoch verschuldeten Länder nicht bestraften. Diese offene Tür, so die Logik, erklärt die Radikalisierung der beiden französischen Extreme, die in Frankfurt einen Automaten sehen, für den niemand Rechenschaft ablegt.

Der Mechanismus wäre simpel: Die Zentralbank injiziert Liquidität, das Geld verliert an Wert, und die französischen Schulden schrumpfen real. Nur verschwinden die Schulden nicht; sie wechseln nur den Besitzer. Und hier hört die Magie auf.

Warum Spanien die Zeche zahlen würde

Hier kommt der Teil, der spanische Leser interessiert. In der Eurozone gibt es vier Große: Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien. Von ihnen hat Spanien die zweitniedrigste Verschuldungsquote im Verhältnis zum BIP. Frankreich und Italien tragen deutlich höhere Quoten; Deutschland hingegen genießt eine unbestrittene fiskalische Disziplin. Wenn jemand den Euro entwertet, entledigt sich der Schuldner seiner Last, und der Gläubiger zahlt. In dieser Verteilung steht Spanien auf der Seite der Gläubiger.

Es gibt Stimmen, die die offiziellen Zahlen anzweifeln. Ein Lager behauptet, die tatsächliche spanische Verschuldung läge bei rund 160 % des BIP, wenn man die Verbindlichkeiten der regionalen Verwaltungen hinzurechnet und statistische Schönfärberei entfernt; andere schätzen sie auf bis zu 180 %. Die offizielle Darstellung sieht die öffentliche Verschuldung dagegen unter 100 % des BIP und betont, dass das Defizit niedrig bleibe und die Ausgaben wegen der Haushaltsverlängerung kaum stiegen. Beide Versionen stimmen in einem Punkt überein: Spaniens relative Position ist besser als die Frankreichs oder Italiens.

Funktioniert es, Geld zu drucken, um Schulden zu entwerten?

Das häufigste Gegenargument lautet, dass Inflation nicht zwischen alten und neuen Schulden unterscheidet. Wenn der Staat weiterhin Kredite aufnimmt, sind die gezahlten Zinsen bereits an die Inflation angepasst, und der Entlastungseffekt verpufft. Das ist das Hypotheken-Argument: Eine vor zehn Jahren abgeschlossene Hypothek wird durch Inflation getilgt, aber das funktioniert nur, wenn die Einkommen im gleichen Maße steigen und keine neue Hypothek aufgenommen wird.

Die seriöseste Rechnung auf dem Tisch ist die Wachstumsrechnung. Bei einer Verschuldung von 100 % des BIP würde eine Verdopplung des BIP in überschaubarer Zeit die Quote auf 50 % senken, ohne dass ein Euro gespart werden müsste. Das Problem sind die Zeiträume: Eine Volkswirtschaft lässt sich nicht innerhalb einer Legislaturperiode verdoppeln. Und manche erinnern daran, dass dieses Rezept nur in einem spezifischen Szenario aufgeht: Hohe Inflation bei hohem Wachstum. Hohe Inflation bei niedrigem Wachstum führt nicht zur Lösung, sondern zur Tragödie.

Historische Parallelen drängen sich ohne große Präzision auf: die Weimarer Republik auf der einen Seite, die Türkei und Argentinien auf der anderen. Der Unterschied ist dort war die Druckerpresse national; hier kontrolliert Frankfurt die gemeinsame Währung.

Die Kosten: Renten, Beamtengehälter und Ersparnisse

Keines dieser Rezepte ist kostenlos, und am meisten spüren würde es derjenige, der etwas zu verlieren hat. Inflation ist die Steuer, über die nicht abgestimmt wird: Sie wird vom Sparer zulasten des Schuldners getragen. In einem Land, in dem die Mittelschicht einen Großteil ihres Vermögens in Bankeinlagen und Immobilien hält, trifft der Schlag unmittelbar.

Hinzu kommt die Anpassung, die den Plan oft begleitet. Im härtesten Szenario der Analyse würde das Renteneintrittsalter auf 70 Jahre angehoben und die Renten sowie die Gehälter im öffentlichen Dienst halbiert. Das Gegenargument folgt schnell und ist ebenfalls solide: In Frankreich und Spanien stützen Renten und öffentliche Löhne den privaten Konsum, der wiederum die Privatwirtschaft am Leben erhält. Eingriffe hier machen nicht nur die Empfänger ärmer; sie ruinieren die Steuereinnahmen und vervielfachen die Arbeitslosigkeit.

Revolutionen, Banknoten und Gold

Die Debatte ist dorthin abgedriftet, wo sie meist hingeht. Manche sehen Bitcoin und Gold als Zuflucht; andere erinnern daran, dass die Behörden genau dies seit Jahrzehnten tun, nur mit mehr Zurückhaltung. Und es fehlt nicht an denen, die auf das Größere hinweisen: Wenn die Schulden über Preise entwertet werden, wäre es seltsam, wenn es nicht zu sozialen Unruhen käme, denn jeder solche Vorfall in der Geschichte endete mit irgendeiner Form des Bruchs.

Interessant ist nicht, ob Mélenchon oder Bardella dies offen aussprechen, sondern warum zwei vermeintlich gegensätzliche Projekte dieselbe monetäre Idee teilen. Wenn die Schuldenlast unerträglich wird und die Wählerschaft Kürzungen ablehnt, wird Papiergeld zum bevorzugten Sündenbock. Irgendwann muss dann jemand dem Sparer erklären, dass seine private Altersvorsorge gerade den Wahlkampf eines anderen Landes finanziert hat.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (200 Antworten).

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