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Frankreich brennt wieder am Samstag: Marseille im Ausnahmezustand, Polizeieinsätze
Marseille ist erneut das Epizentrum der Unruhen in Frankreich, mit Molotowcocktails, Polizeieinsätzen und Plünderungen in mehreren Städten.
Marseille wird zum Schlachtfeld, und Frankreich fragt sich, wer das Chaos organisiert
Das Bild, das den Samstag zusammenfasst, ist keine Nachrichtenschlagzeile: Es ist ein Molotowcocktail, der auf eine Polizeikette in Marseille fliegt. Die Hafenstadt, die zweitgrößte Frankreichs, ist erneut zum Epizentrum einer Welle von Unruhen geworden, die am 24. Oktober begann und an diesem Wochenende mit Polizeieinsätzen, Bränden und Plünderungen in Grenoble, Nizza und Paris eskalierte. Die Regierung Macron antwortet mit dem üblichen Drehbuch —Geldstrafen von bis zu 20.000 Euro und Haftstrafen von bis zu fünf Jahren—, und das übliche Drehbuch funktioniert ebenfalls nicht.
Marseille, die Stadt, die am zweitstärksten brennt
Es ist kein Zufall, dass Marseille die rohesten Videos liefert. Sie ist die zweitbevölkerungsreichste Stadt des Landes, und wenn der Protest massenhaft ausbricht, schlägt sich die Zahl der Demonstranten in mehr Reibung, mehr Barrikaden und mehr Brandmaterial nieder. Die Konten, die minute für minute mitverfolgen —von lokalen Fotografen bis zu Videoaggregatoren—, haben die Stadt zum Schaufenster eines Aufstands gemacht, der sich längst nicht mehr mit einer einzelnen Maßnahme erklären lässt.
Die Frage, die über jedem Video schwebt, ist die übliche: Wer steckt dahinter? Manche behaupten, das hier organisiere kein Akteur von außerhalb des Landes, und verweisen auf ein Detail, das nicht zum Bild des spontanen Chaos passt: Kein Bürohochhaus wurde in Brand gesetzt, kein Eigentum der Großbanken geplündert. Brennen tun stattdessen mittelständische Betriebe, öffentliche Gebäude und Stadtteilgeschäfte. Dieses Muster, so heißt es, sei das eines ganz gewöhnlichen Aufstands nicht.
Die Theorie vom Chaos als Einflussvektor
Gegenüber der False-Flag-Hypothese gewinnt eine andere Lesart an Gewicht: die der Desinformationskampagnen, die das Sicherheitsgefühl künstlich untergraben. Anonyme Aufrufe, automatisierte Konten und die algorithmische Verstärkung rassistischer, ideologischer oder territorialer Spannungen passen laut dieser Analyse zu den Destabilisierungshandbüchern, die Chaos als Einflussinstrument einsetzen. Ziel wäre es, das Vertrauen in die Fähigkeit des Staates zu untergraben, für Ordnung zu sorgen.
Und genau hier kommt die unbequemste Zahl ins Spiel: die Untersuchungshaft ohne Kaution und die totale Isolationshaft, die in Spanien gegen den mutmaßlichen Anführer eines dieser anonymen Aufrufe verhängt wurden, mit ausdrücklichem Verbot, aus dem Gefängnis auf soziale Medien zuzugreifen. Wäre das Phänomen nur eine Ansammlung gelangweilter Jugendlicher, würden keine Richter Isolationshaft anordnen.
Armee, Knüppel und das Narrativ vom Bürgerkrieg
Am entgegengesetzten Ende der Analyse lautet das Rezept einfach: Wenn eine Regierung die Kontrolle über die Straße verliert, dann, weil sie sie verlieren will. Mit der Armee auf den Straßen und festem Willen wäre die Sache in Stunden erledigt, so diese Strömung. Andere relativieren die Diagnose: Die Unruhen sind zwar ein Ärgernis, aber sobald die Polizei das erste Tränengas verschießt, zerstreut sich die Mehrheit der Anwesenden, und es bleiben nur politisierte Splittergruppen und Jugendliche, die Ärger suchen. Weder Bürgerkrieg noch Kollaps: Massenmanagement.
Das eigentliche Problem, und da sind sich Analysen einig, die sonst nichts miteinander zu tun haben, ist das Geld. Während Europa ein Wiederaufrüstungsprogramm im Wert von Hunderten Milliarden trägt und die Hilfe für die Ukraine aufrechterhält, reicht der französische Sozialhaushalt —Frankreich ist nach Bruttoinlandsprodukt das Land mit dem zweithöchsten Sozialaufwand der Welt— nicht mehr aus. Kürzungen sind für jeden unvermeidlich, der auf die Zahlen schaut, aber niemand will die Kuh vom Eis holen. Und die Wahlen im April schweben über jeder Entscheidung: Eine geschäftsführende Regierung geht mit Repression nicht genauso um wie eine mit Mehrheit.
Bleibt die Szene von Nizza, wo sich Gruppen von ganz rechts und ganz links mitten auf der Straße gegenüberstehen. Das ist das Szenario, das wirklich beunruhigen sollte: nicht der Stein gegen den Schild, sondern zwei Blöcke, die den Staat nicht mehr brauchen, um aufeinanderzutreffen. Wenn der Protest diesmal eingedämmt wird, findet der nächste einen anderen Anlass. Und mit diesen Vorzeichen lautet die ehrlichste Prognose: Auch nächsten Samstag wird es Molotowcocktails geben.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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